Chronik 

Daten zur Ortsgeschichte der Gemeinden
Geisecke und Lichtendorf
 

und was für die Bewohner möglicherweise sonst noch von Bedeutung war. 

Überregionale Ereignisse sollen eine zeitliche Einordnung erleichtern, sie sind eingerahmt.

 

775 

Karl der Große erobert die sächsische Hohensyburg.

 

962/71 

Der Abt Engelbert stiftet seinem Kloster Werden aus Besitzungen in Overberge „iuxta Honsuerte“ [Overberge bei Hohenschwerte]
16 Pfennig und lies dafür jährlich für sein Seelenheil beten.

 

~1220 

Lichterincdorpe“ [Lichtendorf] wird in der „Großen Vogteirolle“ des Grafen Friedrich Altena-Isenburg zum ersten Mal erwähnt.

 

1226-1243 

Die Grafschaft Mark geht aus dem Erbfolgekrieg zwischen dem Grafen von Altena und dem Grafen von Isenberg hervor. Schwerte und Westhofen fallen 1243 an die Grafschaft Mark (Altena), Ergste an die Grafschaft Limburg (Isenberg)

 

1312 

Ein „Dithardus de Gesecke“ [Geisecke] wird Bürger der Stadt Dortmund.

 

1390 

In einer Urkunde wird "dat gut to Ostberge" erwähnt

 

1488 

Im Schatzbuch der Grafschaft Mark werden die Lichtendorfer und Overberger Bauern alle Geisecke zugerechnet, darunter auch Schulte Overberge und Hohenschwert, die Bauerschaft Ostberge ist mit 3 Bauern vertreten. Der Grund warum Lichtendorf und Overberge nicht erwähnt werden ist nicht bekannt.

 

1554 

Albert Pepper (1518 - 1600), Lehrer am Archivgymnasium Dortmund, führt in Schwerte, und somit auch in Geisecke und Lichtendorf, die Reformation ein.

 

1583 

Im November 1583 wird im Herzogtum Kleve-Mark der Gregorianische Kalender eingeführt. Der bisherige Julianische Kalender ging nach rund 1500 Jahren 10 Tage nach.

 

Es folgte auf den 17. November, dem letzten Tag nach dem Julianischen Kalender, der 28. November als erster Tag des Gregorianischen Kalenders.

 

19.11.1600 

„Des Franzen Schultzen zu Gesecke Filius Johan, wurde erschlagen von Bernhard Schmieß Filius zu Hengsen."
[Schwerter Kirchenbuch]

 

1604 

„Um diese Zeit ist eine solche Teuerung und Mangel an Futter gewesen, dass viel Vieh vor Schmacht gestorben ist."
[Schwerter Kirchenbuch]

 

1608 

Die Grafschaft Mark fällt als Teil der Provinz Kleve-Mark an Preußen.

 

1618-1648 

Der 30jährige Krieg überzieht Deutschland, unsere Heimat bleibt zuerst noch ungeschoren.

 

1622 

Schwerte wird von katholischen Truppen, Pfälzern und Spaniern, besetzt. 

Eine Pestepidemie fordert zahlreiche Opfer, das lutherische Kirchenbuch verzeichnet bereits 351 Sterbefälle für das Jahr 1620 auf. In den letzten 10 Jahren davor waren es zwischen 11 und 60. Für die folgenden 5 Jahre enthalten die Kirchenbücher keine Aufzeichnungen.

 

1626 

Am 8. Juli greifen die Niederländer das besetzte Schwerte an, werden aber von den Spaniern zurückgeschlagen. 

Aus dem lutherischen Kirchenbuch: 

9.7.1626 "Albert Krihn, Major hat aus Lünen und Soest kommandierte Völcker genommen um bei Mitternacht die Stadt, sein patria [Vaterstadt?], von der spanischen Garnison erlösen wollen, die spanischen sich auf d. Heising[?] ohne reterirt [?], und dem Major erschossen."
9.7.1626 "Itzo [jetzt] die Stadten [Niederländer] haben einen spanischen durch den Kopf totgeschossen."
9.7.1626 "Itzo die Stadten Jürgen Ostermans Knecht, welcher dem Reiter sein Pferd zum Tor bringen wollen erschossen."
 

11.7.1626 "Noch ein Soldat von den Stadten geschossen, den 11. begraben." 

24.5.1634 "Ein Knecht vom Dieckerhoff wurde von Soldaten ermordet." 

5.4.1637 "Am Dieckerhoff wird ein Fuhrmann aus dem bergischen Lande erschossen." 

8.4.1637 "Noch ein Fuhrman daselbst erschossen." 

22.8.1651 "Hessische Soldaten von einer Kaiserlichen Partei wurden im Geisecker Feld erschossen und hier begraben." 

20.8.1651 "Albert Dickmann von einer Pfalz-Neuburgischen Partei, so die Ostenpforte erschossen."

 

1635/36 

Erneut bricht die Pest aus, das Kirchenbuch des Kirchspiels Schwerte führt 155 Tote für das Jahr 1635 und 400 Tote für das Jahr 1636 auf.

 

1652 

Am 28.Februar stirbt "Henrich, Sohn des Johan Balsen [Balthasar] Schotten, Schulmeisters zu Geisecke in Gocklen Spiecker“. [Johan Schotten ist damit der erste namentlich erwähnte Lehrer in Geisecke.]

1663

Am 26. Juni wird in Schwerte ein Mann wegen "so oft begangenen Diebstahls "am neuen Galgen" in der Nähe des Kreinberges gehängt.
In einer Chronik, im ältesten Kirchenbuch der lutherischen Gemeinde Schwerte berichtet der Pastor Glaser ausführlich von dem Ablauf dieses Ereignisses. Er schreibt unter anderem, dass "den Wagen in solchen Fällen allein der Bauer Spieckmann zu Geisecke zu stellen hat."

 

1673 

In diesem Jahr sowie auch 1679 ziehen französischen Truppen Ludwigs XIV brandschatzend durch Westfalen.

 

1685 

26. März. Mit "Edelhart Trost, Schulmeister zu Överberge", stirbt der erste namentlich erwähnte Lehrer in Lichtendorf.

Ausschnitt aus einer Karte der Grafschaft Mark von 1791

[nach oben]

 

1719

Bei einem Hochwasser durchbrach die Ruhr oberhalb vom heutigen Gutshof Wellenbad ein Prallufer. Die Ruhr grub sich ein neues, ihr heutiges Bett. Eine seichte Stelle, bei der heutigen Ruhrbrücke, wurde von da an als Furt zur Ruhrüberquerung genutzt.

 Die alte und die neue Ruhr auf einer zeitgenössischen Karte.

 

1738 

Aus dem Schwerter Kirchenbuch: 

"Dezember 1738 Der Frau Funcke, Haushälterin auf dem Hochadligen Hause Villigst, Sohn, ist den 1. Dezember, nachmittags zwischen 3 und 4, samt dreien Hochadeligen Fräuleins von der Marck auf dem hinter dem Garten gelegenen sogenannten Sagendieck durchs Eis gefallen und unter dem Eise ums Leben gekommen.
Die Fräuleins namentlich Isabella alt 17 Jahr; Charlotta alt 15 Jahr, und Josina alt elf Jahr sind in unserer Kirchen in eine Grube neben einander gesetzt.
 

Dem 6. Dezember auf St. Nicolai Tag auf dem Grab nun füge zum ewigen Gedächtnis konnten gesetzt werden folgende Worte: " Hier unter diesem Steine sich befinden die Gebeine die durch das Eis gesunken und jämmerlich vertrunckenen: drei Schwestern, all zugleich sind nun in Gottes Reich: Gott gebe denselben Freude nach ausgestandenem Leide Amen!"

 

1756 

Am 29. Juni stirbt mit Johan Heinrich Kühl, ein weiterer Schulmeister zu Geisecke.

 

1756-1763 

Im siebenjährigen Krieg kommt es in Schwerte zu folgenden Einquartierungen: 

Mai 1757 bis Frühjahr 1758 französische Truppen, im Oktober 1759 wieder französische Truppen,  im Dezember 1760 preußische Truppen und 1762 nochmal für 5 Monate französische. Durch die Verpflegungs- und Fourage-Lieferungen an die einquartierten und durchziehenden Soldaten leidet die Bevölkerung in der Grafschaft Mark große Not. Nach Beendigung der Kriegshandlungen ist die Bevölkerung total verarmt.

 

1761 

Zurückweichende französische Truppen zünden, um den vorrückenden Hannöverschen den Vormarsch zu erschweren, die Dörfer Frömern und Kessebüren an und brannten sie bis auf die Grundmauern nieder. 

Am 03. Juli kommt es an der Ruhrbrücke in Westhofen zu einem Gefecht zwischen preußischen und französischen Truppen.

 Zeitgenössische Darstellung des Gefechts an der Ruhrbrücke

 

1768 

Die Geisecker Gemeinheit [Allmende, Mark] wird aufgeteilt. Das nun nicht mehr benötigte Hirtenhaus [Am Brauck, Dorfstraße] wird für 42 Jahre an Haus Villigst verpachtet, zeitweise ist hier die Schmiede, zuletzt der Schäfer untergebracht. Von der Pacht wurde der Lehrer besoldet. Auf dem Grundstück wird 1810/11 die erste Schule gebaut, das baufällige Haus wird danach abgerissen, zuletzt hat hier zwei Jahre lang der Lehrer Dieckmann gewohnt.

NRW LAV W Karten ANr. 5515
NRW LAV W Karten ANr. 5515

Karte von der Teilung der Ruhrweiden / NRW LAV W Karten A Nr. 5515

 

1780 

Am 9. Februar wird die Ruhrschifffahrt über Herdecke hinaus bis Langschede aufgenommen, auf sogenannten Aaken mit drei Mann Besatzung, flussaufwärts wurde getreidelt, flussabwärts auch gesegelt. Die Tagesleistung lag zwischen 20 und 50 km pro Tag. Güter waren Salz und Getreide, ab Herdecke in der Hauptsache Kohle. [Zu dieser Zeit gab es hinter dem Abfluss in den Mühlenkanal noch kein durchgehendes Wehr sondern nur eine Buhne an der die Schiffe vorbeifahren konnten.] 

Die an das Flussufer angrenzenden Grundbesitzer waren zuständig waren zuständig für die Instandhaltung der Leinpfade und der Uferbefestigungen, den sogenannten Kribben. Die Abgabe des Grund und Bodens für das Anlegen der Leinpfade wurde nach langen Streitereien vergütet.

 Zeitgenössische Darstellung einer Ruhraak

 

Auf diesen Schiffen wurden Kohlen, Getreide, Salz von den Salinen in Königsborn oder Personen transportiert. 

Die Fahrt kostete für Personen: 

von Langschede nach Schwerte und Ergste 10 Stüber, 

von Langschede nach Westhofen 12 Stüber.

 

Stromaufwärts ist ein Drittel mehr zu bezahlen. Der Tarif gilt bei jedem Wasserstand.

 Die Grafschaft Mark und benachbarte Gebiete vor 1804

 

1795 

Die politische Zugehörigkeit: 

  • Königreich Preußen
  • Provinz Kleve-Mark [Kriegs- und Domänenkammer Kleve]
  • Grafschaft Mark [Kriegs- und Domänenkammer Hamm]
  • Amt Schwerte

 

1798 

In der vom preußischen König veranlassten „Schulerhebung“ ist für Geisecke eine Schule nachgewiesen. 

Originaltext aus der Schulerhebung:
"Der Lehrer, Fried. Wilh. Lohof, 36 Jahre alt, über ein Jahr im Amte, hat an 40 Schüler. Ist auch nicht privilegiert, aber auf Lebens lang angenommen. Er hat ein Haus, acht Scheffel Roggen und 1 Rtlr
10 Stb
von jedem Kind jährlich.
 

Auch diese Schule, die nicht zu missen ist, könnte von der in Theilung stehenden Gemeinheit was zugetheilt werden." [Gemeint ist die Teilung der Schwerter Gemeinheit.] 

[nach oben]

 

1799 

Die Vorsteher Gockel von Geisecke und Hohenschwert von Lichten-dorf wenden sich in einem Brief an den Landrat zu Hamm mit der Bitte um Unterstützung bei der Bildung eines gemeinsamen Schulbezirks. 

Am 23. Dezember brennen in Overberge Wortmanns Hof und das Hirtenhaus ab. Der Hof wird im folgenden Jahr einige hundert Meter weiter an der Straße von „Geisecke nach Dortmund“ wieder aufgebaut, das Hirtenhaus wird nicht mehr benötigt da im Vorjahr die Overberger Gemeinheit aufgeteilt wurde und deshalb nicht wieder aufgebaut. 

Die nächste Spritze stand zu dieser Zeit noch in Schwerte.

 

1799/1800 

Die Lichtendorfer und Overberger Gemeinheit wird aufgeteilt.

 

1800 

Eine Aufstellung weist in Lichtendorf 18 und in Geisecke 19 „Hausväter“ [Haushalte] nach. 

Zu dieser Zeit macht eine "Räuberbande" unsere Gegend unsicher. Am 25. April 1800 rammten sie bei Hohenschwert die Tür ein, knebelten die Bewohner und zogen ihnen Kissenbezüge über die Gesichter. Der Schaden wurde von Hohenschwert mit 1200 Reichstaler angegeben. 1803 wurde die Bande gefangen genommen, fünf Bandenmitglieder wurden zum Tode verurteilt und gehängt, unter ihnen Kaspar Syberg aus Schwerte, weitere zehn Räubre wurden zu lebenslangem Kerker verurteilt. 

Die Währung in Preußen zu dieser Zeit: 

1 Taler = 24 Gute Groschen = 288 Pfennig,
1 Stüber = 2 Deut = 2 Pfennig

 Haus Rutenborn um 1800

 

1801 

Im Frieden von „Luneville“ werden die von den Franzosen 1795 in den „Koalitionskriegen“ erhobenen Ansprüche auf die linksrheinisch gelegenen Gebiete bestätigt.

 

1802 

Nach vielen Querelen zwischen den Bauerschaften Geisecke, Lichten-dorf, Overberge und Ostberge kommt es auf Druck der Obrigkeit zu der Gründung eines gemeinsamen Schulbezirks ohne die Beteiligung von Ostberge. Da die Schule in Geisecke eingerichtet wird erhält er den Namen „Schulbezirk Geisecke“, er besteht für die nächsten
150 Jahre.

 

1803 

Der „Reichsdeputationsausschuss“ beginnt mit der Auflösung (Säkularisierung) der geistlichen Güter und Herrschaften, um hiermit die weltlichen Fürsten für die verlorengegangenen linksrheinischen Länder zu entschädigen.

 

1804 

Das Fürstbistum Münster und das Bistum Paderborn kommen durch die Säkularisierung zu der preußischen Provinz Westfalen.

 

1806 

Der Neubau der Schule wird an den Vorsteher Gockel von Geisecke für 649 Taler Berliner Courant vergeben.

 

Nach der Niederlage in der Schlacht von Jena und Auerstedt, am 14. Oktober gegen Napoleon, verliert Preußen alle Länder westlich der Elbe. Die Grafschaft Mark wird französisches Militär-Gouvernement.

Kaiser Franz II legt die Deutsche Kaiserkrone nieder. Damit endet nach rund 1.000 Jahren das „Römische Reich Deutscher Nationen“

 

1807 

Im Frieden zu Tilsit müssen die Preußen alle Gebiete westlich der Elbe abtreten. Die Grafschaft Mark ist jetzt nicht mehr preußisch.

 

1808 

Am 16. Oktober wird Wilhelm Dieckmann als erster ausgebildeter Lehrer in Geisecke durch den Schwerter Prediger Friedrich Bährens eingeführt. Er unterrichtet in den nächsten 30 Jahren die Geisecker und Lichtendorfer Kinder. 

Von Napoleon werden die Rheinbundstaaten gegründet, in unserer Nachbarschaft sind das:

 

·         Das Großherzogtum Berg mit der Hauptstadt Düsseldorf, aus dem Herzogtum Berg, den Grafschaften Mark und Limburg, sowie aus Teilen des Fürstbistums Münster.

·         Das Herzogtum Westfalen [kurkölsches Sauerland, Arnsberg] kommt zum Großherzogtum Hessen.

·         Das Königreich Westfalen mit der Hauptstadt Kassel, aus dem
FB Paderborn, dem Hochstift Osnabrück, den östlichen Teilen des FB Münster und weiteren Kleinstaaten.

 

1809 

Aus diesem Jahr sind für Lichtendorf, Geisecke und Overberge Katasterbücher überliefert. Es beruht auf Deklarationen [Erklärungen] die zur Niederschrift abgegeben wurden. Es gibt keine Karten aber alle Grundstücke und Gebäude sind mit den Besitzern verzeichnet. 

Der Freiherr von Pütz verkauft das Haus Rutenborn an den Freiherrn von Fürstenberg. 

Der Schulte zum Berge [heute Dortmund-Holzen, Krinkelwegweg 223] bisher Lichtendorf wird jetzt zu Holzen gerechnet. Er hat im Jahre 1808 noch seinen Beitrag zum Neubau der Schule in Geisecke geleistet.

 

1810 

„Durch die Wirren der Kriege mit Napoleon hatte sich der Schul-neubau“ verzögert. Nachdem der Landwirt Gockel von Geisecke den Auftrag zum Bau zurückgegeben hatte, errichtete der Schwerter Unternehmer Althoff, für 630 Taler Berliner Courant, in diesem Jahr die Schule, allerdings etwas bescheidener als ursprünglich geplant.
[Das heutige Haus Am Brauck 17]

 Die Schule in Geisecke von 1810 um 1966

 

1812 

Ein Bericht des Lehrers Dieckmann für den Bürgermeister Mitsdörffer weist für die Geisecke Schule 20 Kinder aus Lichtendorf und 22 Kinder aus Geisecke aus.

 

1813/14 

Nach dem Sieg über Napoleon „in der Völkerschlacht“ bei Leipzig nimmt Preußen seine Gebiete westlich der Elbe wieder in Besitz. Die von den Franzosen eingeführte Gliederung bleibt aber weiter bestehen, die französischen Bezeichnungen jedoch durch deutsche ersetzt.

 

1814 

Der Gemeinderat Hohenschwert lässt den Dortmunder Spritzen-meister Wenker die Lichtendorfer et Geisecker Spritze reparieren, 1826 wird die Bezahlung der Rechnung angemahnt. Dies ist die älteste Erwähnung einer eigenen Feuerspritze für Lichtendorf und Geisecke. Das Spritzenhaus steht bei Hohenschwert.

 

1816 

Das Jahr ohne Sommer.

Wetterkapriolen, wie extreme Niederschläge und ungewöhnlich niedrige Temperaturen, führten in Westfalen zu den schlimmsten Missernten des 19. Jahrhunderts und damit zu einer katastrophalen Hungersnot bis Ende 1817. Der Preis für Roggen war im Winter auf das fünfmal so hoch wie im Vorjahres.

Den Menschen war die Ursache dieser Klimaveränderung unbekannt. Viele glaubten, dass Gott sie für ihre Sünden strafen wolle. Es vergingen mehr als hundert Jahre, bis die Ereignisse von 1816 mit einem Vulkanausbruch verknüpft werden konnten.
Im April 1815 explodierte auf der Insel Sumbawa, in Indonesien, der Vulkan Tambora und schleuderte dabei glühende Asche bis in eine Höhe von 50 km.

Der Ausbruch hatte einen enormen Einfluss auf das Weltklima.

Durch die Eruption gelangte die Asche in die Stratosphäre. Über Monate hinweg verteilten die Winde die Partikel um den ganzen Globus und schirmten die Sonnenstrahlen ab. Es dauerte Monate, bis sie nach Europa kamen. Die Folge war eine mehrjährige Abkühlung, die ihren Höhepunkt in den Jahren 1815 bis 1817 erreichte.

 

1816 

Ein Einwohner- und Gebäudeverzeichnis zeigt folgende Aufstellung: 

                 Einwohner Bauern Kötter Wohnhäuser Scheunen Ställe 

Lichtendorf    147         16         1            16               11         8 

Geisecke       136          8          5            13               10         6

 

1817 

Die auf dem Wiener Kongress beschlossene Neuordnung Europas tritt in Kraft, die ehemalige Grafschaft Mark kommt zur preußischen Provinz Westfalen. 

·         Königreich Preußen 

·         Provinz Westfalen 

·         Regierungsbezirk Arnsberg 

·         Kreis Dortmund 

  • Bürgermeisterei Schwerte

 Auf Anordnung des preußischen Königs wird, für ein neues Kataster, dem sogenannten Urkataster, begonnen.

 

1825 

Am 21. April wird in Westfalen die „Eigenbehörigkeit“ [alle persönlichen und unangemessenen Dienste, wie Gesindezwang, Ehekonsens usw.] aufgehoben. 

In der Nacht vom 18. Auf dem 19. Mai brennt der Hof und das Backhaus des Vogt gen. Schulte zu Ostberge bis auf die Grund-mauern ab, nachdem zuvor war bereits ein Kornhaufen abgebrannt war.

 

1826 

Am 16. Februar brennt auch noch die Scheune des Vogt gen. Schulte zu Ostberge, daraufhin wird der Vorbesitzer Dahlbüdding als Brandstifter festgenommen.

 

1827 

Nach Abschluss der Vermessungsarbeiten wird das Urkataster angelegt, zum ersten Mal wurde auch die Grafschaft Mark amtlich vermessen und kartographiert.

 

1829 

Am 13. Juli tritt für die am Boden haftenden Verpflichtungen, wie Grundzins, Hand- und Spanndienst, Ablöseregel in Kraft. Die Reallasten können durch jährliche Rentenzahlungen erfolgen oder durch einmalige Zahlung des 25fachen Jahresbetrages abgelöst werde.

Zum ersten Mal werden in Preußen Kreistage gewählt, das Stimmengewicht richtet sich nach dem Steueraufkommen (Drei-Klassen-Wahlrecht).

 

1831 

Einwohner: Lichtendorf 240, Geisecke 142

 

1834 

In Preußen wird die Währung umgestellt:

1 Taler =30 Silbergroschen = 360 Pfennig [1 Groschen = 12 Pfennig]

 

1837

 

Die Städteverordnung von 1831 tritt auch in Schwerte in Kraft. Die Bürgermeisterei Schwerte wird in die Stadt Schwerte und der Landbezirk Schwerte aufgeteilt. Aus dem Landbezirk Schwerte wird 1841 das Amt Westhofen.

 

Nach einem Vorschlag der Gemeinderäte Hohenschwert und Kühl löst der Zimmermann Hosang [Lichtendorf] den Kötter Strathoff [Overberge]als Spritzenmeister ab.

 

1838 

Am 8. Juli beschließen 30 Eingesessene unserer Gemeinden ein Schützenfest zu feiern, der Beschluss ist von 16 Schützen und 14 Festgenossen unterschrieben. 

Am 14. Juli findet bei Hohenschwert die erste Versammlung statt. Es werden der Vorstand und die Offiziere gewählt 

Auf der nächsten Versammlung am 16. Juli wird beschlossen das eine Fahne beschafft werden muss, diese soll von der „Jungfrauenschaft angeliefert werden“, dazu werden sämtliche Mädchen aufgefordert sich einzutragen und sich „verbindlich machen“ diese anzufertigen und die Kosten zu tragen. 30 Mädchen über 10 Jahre zahlen 8 Sgr, 16 Mädchen unter 10 Jahre 4 Sgr. 

Ein Tag später, am 17. Juli, wird eine Besprechung über die Anfertigung der Fahne abgehalten. Ebenfalls am 17. Juli erscheint die erste Anzeige im Dortmunder Wochenblatt, am 24. Juli erscheint eine weitere im Westfälisch-Märkischen Intelligenzblatt. 

Am 28. und 29. Juli wird das Schützenfest gefeiert, es wird von 77 Schützen, 59 Festgenossen und 108 Fremden besucht. [Nach drei Wochen Vorbereitungszeit, 244 Besucher bei insgesamt etwa
400 Einwohner.]

Erster Schützenkönig wird [Richard?] Heinrich Rasche, Overberge 

Die Anzeige des Schützenfestes im Dortmunder Wochenblatt

 

[nach oben]

 

1841 

Die Schule in Geisecke (Ruhrstraße 17) besuchen 64 Kinder, ein Anbau bzw. Neubau wird als dringend notwendig angesehen. Es bricht ein jahrelanger, heftiger Streit über den Standort der neuen Schule aus. 

Aus dem Landbezirk Schwerte wird das Amt Westhofen. Die Gemein-den Lichtendorf und Geisecke bemühten sich erfolglos um einen Verbleib bei Schwerte. [Wohl wegen der kürzeren Entfernung.] 

Ein Verzeichnis der „Hausväter“ des Schulbezirks weist 61 Familien aus.

 

1843 

Der Bau einer neuen Schule an der heutigen Sölderstraße , gegenüber von Hohenschwert, wird beschlossen, die Kalkulation beläuft sich 3.028 Rtlr. Die Regierung in Arnsberg lehnt den Bauplatz ab, da auf diesem Grundstück die Abgaben Hohenschwerts an die „kleinere evangelische Kirche“ eingetragen sind. 

Einwohner: Lichtendorf 297, Geisecke 148

 

1844 

Der Bau der Schule wird erneut, diesmal für 3185 Rtlr an den Maurermeister Stoffel gen. Sander von Hengsen, vergeben. Das neue Grundstück liegt in dem Flurstück am Wahrbaum und wird von dem Landwirt Spaemann in Erbpacht abgegeben. [Unterhalb der heutigen Kindertagesstätte in Geisecke.]

 

1845 

Die alte Schule am Brauck in Geisecke wird für 1.133 Rtlr an Friedrich Lipps aus Schwerte verkauft.

 

1846 

Am 3. Oktober wird die neue Schule in Geisecke eingeweiht.

 Die Schule in Geisecke von 1846

 

In Holzwickede wird die Zeche „Caroline“ gegründet, später Arbeit-geber vieler heimischer Bergleute.

 

1849 

Für die Brandwehr Geisecke-Lichtendorf wird eine neue Spritze zum Preis von 60 Rtlr angeschafft. 

Der Schankwirt Diedrich Schulte-Nölle aus Rheinen, verheiratet mit Karoline Kühl von Geisecke, beantragt die Genehmigung zum Bau eines Hauses einer Fähre für Personen und Vieh in Geisecke an der Furt durch die Ruhr. 

Am 21. August genehmigt die Gemeindeversammlung von Geisecke diesen Antrag, der Antrag auf die Anlage einer Fähre wird an die höheren Behörden weitergereicht.

 

1849-53 

In diesen Jahren hatten sich der Gegend Diebesbanden gebildet die auch unsere Dörfer unsicher machten. Sie waren gewaltsam bei Ahlbeck und Gockel in Overberge eingedrungen die kaum hatten ihr Leben retten können. Eine Brandstiftung auf dem Eichholz ging ebenfalls auf ihr Konto.

 

1850 

Am 2. März tritt eine Novellierung der Agrargesetze in Kraft. Die Bauern in Westfalen sind jetzt freie Eigentümer ihrer Höfe, die noch bestehenden Dienste und Abgaben werden in Grundrenten umgewandelt und können mit der 18fachen Jahresleistung abgelöst werden.

Die Kreisgerichte werden aufgelöst und dafür Schiedsmänner eingesetzt. Diese sollen bei kleineren Streitigkeiten (Beleidigungen, tätliche Auseinandersetzungen) eine Einigung herbeiführen, können aber auch entscheiden.

 

Der Schützenverein feiert am 20. und 21. Juli nach 12 Jahren sein zweites Fest. Es wurden 172 Festgenossen und Fremde gezählt. Die Liste ist unvollständig. König wird Hermann Kockelke [Ostberge?] 

August 1850. Der Königliche Minister für Handel und Verkehr in Berlin erteilt die Genehmigung zum Bau einer Fähre für Personen und Vieh. 

Einwohner: Lichtendorf 308, Geisecke 178

 

1852 

Am 23. September wird in Geisecke der Lehrer Eduard Zimmermann in sein Amt eingeführt, er wird es fast 50 Jahre innehaben.

 

1853 

Die Fähre und das Fährhaus des Diedrich Schulte-Nölle sind fertiggestellt und nehmen den Betrieb auf.

 

1856 

Die Aktienstraße von Schwerte nach Unna wird fertiggestellt. [Die Vorbereitungen begannen 1844, erste Planungen bereits vor der Franzosenzeit, Aktionäre waren unter anderen Hohenschwert und Dieckerhoff.] Es ist die erste Kunststraße [Chaussee] in unseren Gemeinden.

 

Auf der Zeche „Caroline“ in Sölde wird der erste senkrechte Schacht in Betrieb genommen.

 

1857 

Am 11. und 12. Juli feiert der Schützenverein sein drittes Fest, mit 93 Schützen und 133 Festgenossen am 1. Tag und 215 Festgenossen am 2. Tag. Schützenkönig wird Friedrich Exsternbrink, Geisecke.

 

1858 

Einwohner: Lichtendorf 335, Geisecke, 202 Einwohner

 

1862 

Oberhalb der Geisecker Schule, bei Bährensmann, wird von den Gemeinden Geisecke und Lichtendorf ein neues Spritzenhaus gebaut.

 

1864 

Am 18. April siegen die Preußen in der Entscheidungsschlacht an Düppeler Schanzen über Dänemark.

 

1865 

Der Schank- und Landwirt Diedrich Schulte-Nölle baut, unter dem Wehr bei der Fähre, Badekabinen in der Ruhr, aus dieser „Badeanstalt“ wird später das „Wellenbad“.

 

1866 

Der Landrat in Dortmund erteilt die Genehmigung zum Betreiben von Badekabinen in der Ruhr. 

Am 3. Juli siegen die Preußen in der Schlacht von Königgrätz entscheidend über das österreichische Heer.

 

1867 

Am 1. April wird der Eisenbahnabschnitt Schwerte-Holzwickede, mit dem Ostberger Tunnel in Betrieb genommen. 

Am 6. und 7. Juli feiert der Schützenverein am Portenkamp in Geisecke [an der Unnaer Straße zwischen der Gaststätte Eichmann und der Dorfstraße, gegenüber der Straße zum Butterbrauck] sein Schützenfest, das Vogelschießen fand auf dem Eichholz nahe der Vogt‘schen Besitzung statt. Die Musik wurde ausgeführt von der Kapelle des 15. Husarenregiments in Wesel, unter „persönlicher Leitung des Stabstrompeters Herrn Schiebold“. Schützenkönig wird Friedrich Schulte-Höppe, Geisecke.

 Anzeige in der Schwerter Zeitung

 

1868 

Die Gemeinde Geisecke stellt einen Antrag an die Königlich Preußische Eisenbahndirektion in Elberfeld, auf Errichtung einer Haltestelle. Der Antrag wird abgelehnt.

 

1869 

Die Gemeinde Geisecke erneuert ihren Antrag auf Errichtung einer Haltestelle und bietet eine Kostenbeteiligung von 2.200 Taler an, die Gemeinde Lichtendorf steuert ebenfalls 200 Taler bei. Auch dieser Antrag wird abgelehnt.

 Anzeige in der Schwerter Zeitung

 

1870 

Am 1. Juni wir die erste Teilstrecke der oberen Ruhrtalbahn von Schwerte bis Arnsberg eröffnet. Auf dem Gebiet der Gemeinde Geisecke sind 5 beschrankte Bahnübergänge angelegt und zwei Bahnwärterhäuser erbaut worden. 

19. Juli. Frankreich erklärt Preußen den Krieg.
1. September. In der Schlacht bei Sedan besiegt Deutschland das französische Heer. Der Kaiser der Franzosen gerät in deutsche Gefangenschaft. Die endgültige Kapitulation erfolgt jedoch erst nach monatelanger Belagerung von Paris am 28. Januar 1871.

 

1871 

Am 18. Januar wird im Spiegelsaal des Schlosses Versailles Preußens König Wilhelm I zum deutschen Kaiser ausgerufen.

 

Die politische Ordnung nach der Reichsgründung: 

  ·         Deutsches Reich

 ·         Königreich Preußen 

  ·         Provinz Westfalen 

  ·         Regierungsbezirk Arnsberg 

  ·         Kreis Dortmund [1887 Hörde, 1929 Iserlohn] 

  ·         Amt Westhofen 

Einwohner: Lichtendorf 479, Geisecke 231

 

1872 

Am 1. Januar wird im ganzen Reich das metrische System eingeführt.

 

1873 

22 Ärzte aus Schwerte und Umgebung bescheinigen die gesundheits-fördernde Wirkung der Bäder in der Ruhr und bitten die königliche Eisenbahndirektion täglich zwei Züge in beide Richtungen an Bude V anhalten zu lassen, um die Einrichtungen besser erreichbar zu machen. Die Antwort der königlichen Eisenbahndirektion ist nicht bekannt, jedenfalls blieb die Eingabe ohne Erfolg, die ersten Züge hielten erst 1890 nach der Einrichtung der Haltestelle, in Geisecke. 

Die Reichswährung wird eingeführt [ab 1. Januar 1876 im ganzen Reich]:
1 Taler wird zu 3 Mark umgerechnet, den beliebten Silbertaler gibt es noch bis 1907, 1908 ein 3 Markstück.

 

1875 

Die Zivilehe wird in Deutschland die einzig gültige Form der Eheschließung.

 

1876 

"Heinrich Scheidt, Wirt an der Fähre in Geisecke, ist [am 9. November] beim Übersetzen aus dem Schiff gefallen und ertrunken."
[Der Eintrag im Sterberegister]

 

1877 

Am 22. September wird am Wellenbad in Geisecke mit großem Aufwand das 25jährige Dienstjubiläum des Lehrers Zimmermann gefeiert. Nach der Ehrung in der Schule ging es mit einem Festzug zum Festessen mit ca. 200 Festgenossen, zum Abend hin gab es ein großes Feuerwerk.

 Die Anzeige in der Schwerter Zeitung

 

Geisecke, 10. September. Der Rottenarbeiter L[udwig] St[einweg] welcher am Samstag dem 8. Sept. nach Schwerte ging, um für die in den nächsten Tagen zu begehende Hochzeit einige Haushaltungs-gegenstände einzukaufen, wurde auf dem Heimweg von einem schrecklichen Mißgeschick heimgesucht. Zur Abkürzung des Weges hatte derselbe den Bahnkörper benutzt und war bereits wieder in der Nähe seiner Wohnung angelangt, als ihn ein heranbrausender Zug erfaßt und im nächsten Augenblick so arg zurichtete, dass sein Tod sofort eintrat. Die verstümmelte Leiche wurde erst gestern Morgen von einigen Mädchen, die zur Kirche gehen wollten, neben dem Geleise liegend gefunden.
[Schwerter Zeitung vom 12. September 1877]

 

1878 

Geisecke, 12. Mai. Ein Unglücksfall der traurigsten Art setzte gestern Abend unseren Ort in höchste Aufregung und größte Betrübnis. Der Landwirt Spieckmann und dessen Schwager Rehfeuter von hier versuchten mit einem mit zwei Pferden bespannten Wagen durch die angeschwollene, stark treibende Ruhr zu fahren, als plötzlich eins der Pferde im Wasser scheute und fiel, wonach der Wagen umschlug und Beide im Wasser begrub. Auch eins der Pferde ist mit ertrunken. Das Unglück ist umso mehr zu beklagen, als Spieckmann verheiratet und Vater von zwei Kindern war. Rehfeuter war unverheiratet. Die beiden Leichen sind, trotz aller Anstrengung bis heute noch nicht aufgefunden.
[Schwerter Zeitung vom 15. Juni 1878] 

Westhofen, den 23. September 1878 Dem königlichen Standesamt zeige ich ergebenst an, daß der Knabe Alfred Oxee, geboren zu Dortmund am 16. November 1876, Sohn des Musiklehrers Albert Qxee und Caroline Scheidt zu Geisecke, gestern Nachmittag zwei Uhr nahe bei der elterlichen Wohnung zu Geisecke in den Mühlengraben gefallen und ertrunken ist.
Der Amtmann Rebber

 [nach oben]

 

1879 

Im Saal bei Wiemhoff [heute Sievert] wird ab dem 6. November zum ersten Mal in Lichtendorf Schulunterricht erteilt. Bei einer Schul-inspektion im November 1882 unterrichtet der Lehrer Möller 79 Kinder.

 

1880 

Heinrich Exsternbrink aus Geisecke erwirbt das Wellenbad von dem Baron v. Rheinbaben, es befand sich kurzzeitig im Besitz von Haus Villigst. 

„Bei Gelegenheit des Ordensfestes in Berlin wurde u. a. dem Herrn Lehrer Zimmermann in Geisecke der Adler der Inhaber des königlichen Hausordens von Hohenzollern verliehen.“
[Schwerter Zeitung vom 21. Januar]

 

1883 

Der Landwirt Friedrich Dieckerhoff aus Lichtendorf reicht am 12. Januar die Statuten des neugegründeten "Krieger- und Land-wehr-Verein Lichtendorf-Geisecke" zur Genehmigung ein. Die Genehmigung durch den Oberpräsidenten der Provinz Westfalen erfolgt am 18. Mai des Jahres. Friedrich Dieckerhoff wird erster Vorsitzender, der Verein besteht bis zum Ende des 1. Weltkrieges. 

Auf dem Eichholz wird mit einem Kostenaufwand von 13.858 Mark die zweite Schule im Schulverband Geisecke errichtet. Sie wird am 3. Dezember eingeweiht. Erster Lehrer wird Adolf Möller gefolgt von Albert Kreikenbaum, Siepmann und Wilms. 

Am ersten Sonntag jeden Monats findet hier auch ein ev. Gottesdienst statt, abgehalten durch einen Schwerter Pfarrer.

Die Fahne des Krieger und Landwehrvereins

 

1884 

Die Gemeinde Geisecke stellt über den Amtmann und mit Unter-stützung des Landrats wiederum einen Antrag auf Einrichtung einer Haltestelle und erneuert diesen 1885 und 1888. 

„Westhofen am 18. August 1884 Dem königlichen Standesamte zeige ich ergebenst an, daß der Ackerknecht Fritz Cramer wohnhaft zu Geisecke, geboren am 23. Januar zu Ostbüren, sohn des Bergmanns Wilhelm Cramer und der Friedericke Klopries zu Lamberg, katholischer Religion, am Siebenzehnten dieses Monats Nachmittags gegen Vier Uhr beim Baden in dem Mühlengraben gegenüber dem Schulteschen Gehöft zu Geisecke ertrunken ist. Nach den ange-stellten Ermittlungen hat Cramer seinen Tod durch eigene Unvor-sichtigkeit herbeigeführt.
Der Amtmann Rebber“

 

1885 

„Westhofen am 15. April 1885 Dem königlichen Standesamt zeige ich gehorsamst an, daß die Leiche des seit dem 26. März vermissten Zimmermann Heinrich Steinweg von Hengsen, am 12. April dieses Jahres, Vormittags Acht Uhr, in der Ruhr unterhalb der Westhofener Brücke im Gemeindebezirk Syburg aufgefunden ist. Der genannte Steinweg war geboren zu Geisecke am 31. März 1824, Sohn vom Tagelöhner Caspar Diedrich Steinweg und der Friedericke geborene Brauckmann, evangelischer Religion, verheiratet mit Friedericke geborene Kassebaum, wohnhaft zu Hengsen.
Der Amtmann Rebber
 

Einwohner: Lichtendorf 707, Geisecke 263

 

1886 

Die Gemeinde Geisecke schafft eine eigene kleine Feuerspritze an und baut dafür ein Spritzenhaus bei Spaemann.

 

1887 

Nach der kommunalen Neuordnung vom 1. April kommen unsere Gemeinden zum Kreis Hörde. Der Kreis Hörde ist aus dem südlichen Teil des bisherigen Landkreises Dortmund neu gebildet worden und er besteht bis zur kommunalen Neuordnung 1929.

 

1888

 

Das Dreikaiserjahr. Am 9. März stirbt Wilhelm I mit 90 Jahren, sein Sohn und Nachfolger Kaiser Friedrich III stirbt nach nur 99 Tagen an Kehlkropfkrebs. Am 15 Juni wird sein Sohn Wilhelm II Deutscher Kaiser.

 

1889 

Der Landrat Spring stellt für die Gemeinde Geisecke jetzt einen Antrag, auf Bau einer Eisenbahnhaltestelle, direkt an den Minister für Handel, Gewerbe und öffentliche Arbeiten in Berlin. Die Gemeinde bietet neben einen Baukostenzuschuss von 2.000,00 Mark und einen Beitrag von jährlich 200,00 Mark an den laufenden Kosten. Dieser mittlerweile 6. Antrag hat Erfolg, die Eisenbahndirektion stimmt unter der Bedingung zu, dass von der Gemeinde neben dem Baukostenzuschuss von 2.000,00 Mark, der benötigte Grund und Boden, von 7 Ar 87 m2, kostenlos abgegeben wird. [1 Ar = 100 m2]

 

1890 

Die Eisenbahnhaltestelle in Geisecke wird am 1. Oktober in Betrieb genommen: 

„Am 1. Oktober d. Js. wird der zwischen Schwerte und Langschede gelegene Haltepunkt Geisecke für den Personenverkehr eröffnet. Folgende Züge werden an dem genannten Haltepunkte anhalten: 

a. in der Richtung Schwerte–Langschede
Abfahrt von Geisecke 8,27; 11,34; Vorm. 4,12; 8,12 Nachm.
b. in der Richtung Langschede–Schwerte
Abfahrt von Geisecke 6,11 Vorm. 1,57; 7,34; 9,10 Nachm.
 

Eine direkte Personen-Abfertigung von und nach Geisecke findet nach und von Stationen der Strecken Schwerte–Arnsberg–Cassel, Schwerte–Hamm bzw. Soest, Schwerte–Köln oder Deutz bzw. Düsseldorf, sowie nach den Stationen Menden, Iserlohn und Dortmund statt.
Elberfeld, den 23. September 1890.
Königliche Eisenbahndirektion“
 

[Die Anzeige in der Schwerter Zeitung]

 Die Haltestelle Geisecke von 1890

 

1890

Nach starken Regenfällen im November trifft das größte Hochwasser seit Jahrzehnten das Ruhrtal. Bei Wolff in den Ruhrwiesen (heute Gut Ruhrfeld) und bei Hering (gegenüber dem Wellenbad ) stand das Wasser in den unteren Räumen ca. 1m hoch und im Wellenbad 10 1/2cm. Die Ruhrbrücke in Schwerte und die Eisenbahnbrücke unter der Hohensyburg wurden stark beschädigt.

 Die Hängebrücke am Wellenbad in Geisecke

 

1891 

Der Personenbahnhof in Geisecke wird im ersten Jahr von 3.775 Fahrgästen genutzt. 

Heinrich Exsternbrink errichtet eine 1 m breite Hängebrücke über die Ruhr, damit hat die Fähre ausgedient. 

„Westhofen, am 15. April 1891 Dem königlichen Standesamte zeige ich ergebenst an, daß am vierzehnten April diesen Jahres Vormittags Acht Uhr in dem Teiche beim Wohnhause des Gutspächters Wilhelm Schulte (genannt Höppe) zu Geisecke die Leiche eines neugeborenen Kindes weiblichen Geschlechts aufgefunden worden ist. Als Mutter des Kindes ist die unverehelichte Dienstmagd Maria Konze, wohnhaft in Geisecke, katholischer Religion, ermittelt worden. Das Kind war am achten April dieses Jahres Vormittags gegen Ein Uhr in der Wohnung der Mutter im Hause des vorbenannten Schulte (genannt Höppe) geboren worden und von der Mutter gleich nach der Geburt in den Teich geworfen.
Der Amtmann Rebber“
 

„Geisecke, 15. Juni. In der Schwurgerichtssitzung zu Hagen am 12. d. Mts. wurde verhandelt gegen die Dienstmagd Maria Konze von hier wegen Kindsmordes. Die Angeklagte diente als Magd auf Haus Rutenborn, war unverheiratet und stand im Alter von 29 Jahren. Am 2. April gebar dieselbe ein Kind, welches die unnatürliche Mutter eine Stunde nach der Geburt in ein Tuch wickelte und dasselbe lebend in dem dicht am Hause befindlichen Teich warf. Merkwürdigerweise ist von dem Niederkommen der Magd von den übrigen Hausbewohnern nichts bemerkt worden, zumal dieselbe auch nach der Geburt ihre häuslichen Arbeiten sofort wieder verrichtete und dadurch jeder event. entstehende Verdacht unterdrückt resp. ermäßigt wurde. Erst vierzehn Tage nach dem erwähnten Vorfalle wurde die Leiche durch den Polizeiserganten Gerdsmann in Westhofen aufgefunden und die Angeklagte gestand damals, sowie auch in der Schwurgerichtssitzung, die niederträchtige Tat mit der Entschuldigung ein, sie hätte nicht gewußt, was sie mit dem Kinde machen und wohin sie dasselbe tun solle. Die Herrn Geschworenen billigten ihr mildernde Umstände zu und erhielt dieselbe 2 ½Jahre Gefängnis.
Schwerter Zeitung vom 16.06.1991“

 

1892 

In Lichtendorf wird der katholische Kirchenbauverein gegründet. 

Ein Antrag der Gemeinde Geisecke auf Halt zweier weiterer Züge wird von der Eisenbahndirektion abgelehnt.

 

1893 

Ab dem 1. April gilt die MEZ, die Zeit des 15. Längengrades östlich von Greenwich wird als gesetzliche Zeit für ganz Deutschland festgelegt. Er geht durch Stargard in Pommern, bei uns mussten die Uhren 29 Minuten vorgestellt werden. 

Am 10. April wird mit der Feldschule in Overberge die erste katholische Schule im Amt Westhofen eingeweiht. Erster Lehrer wird Johannes Siedhoff später Josef Pingel (Pingelschule). 

„Die hiesige Polizeibehörde hat mitgeteilt, dass der Dienstjunge Karl Rosenberg, 15 Jahre alt, evangelischer Religion, wohnhaft in Wanhofen, geboren zu Lichtendorf, ledigen Standes, Sohn der Eheleute Bergmann Julius Rosenberg und Karoline geborene Reckermann, wohnhaft zu Lichtendorf, zu Wandhofen auf dem Wege vor der Höhe am 18. Mai tot aufgefunden wurde.“

 

1895 

Einwohner: Lichtendorf 872, Geisecke 260

 

1897 

„Westhofen, den 7. September 1897 Dem Königlichen Standesamte zeige ich ergebenst an, dass der Handelsmann Heinrich Mertin,
17 Jahre alt, katholischer Religion, wohnhaft zu Oberense, am dritten September dieses Jahres nachmittags um neun Uhr auf der Eisenbahnstrecke bei Geisecke von einem Zuge überfahren und getötet worden ist. Nähere Angaben über den Verstorbenen sind bis jetzt nicht festgestellt.
Der Amtsbeigeordnete Dieckerhoff“
 

Ein Brand bei Wortmann, auf dem ehemaligen Ahlbeck Hof, richtet großen Schaden an.

 

1898 

Nach 31 Jahren und 60 Jahren nach dem ersten Fest feiern die Gemeinden Lichtendorf und Geisecke wieder ein Schützenfest, König wird der Schreinermeister Ludwig Kötter aus Lichtendorf.

 

1899 

Die Gemeinderäte von Lichtendorf und Geisecke beschließen die reparierte alte Feuerspritze auf dem Eichholz aufzustellen und für das gemeinsame Spritzenhaus bei Bährensmann eine neue Spritze anzuschaffen.

 

1901 

Die Bergleute in Lichtendorf gründen einen Knappen-Unterstützungs-verein.

 

1903 

Die Gemeinden Geisecke und Lichtendorf beantragen ein eigenes Standesamt, der Antrag wird abgelehnt. 

Die Staatsanwaltschaft Hagen hat mitgeteilt , dass der Knabe Wilhelm Wichard, ein Jahr sechs Monate alt, katholischer Religion, wohnhaft in Geisecke, Sohn der Eheleute Wilhelm Wichard und der Anna geborene Tabe genannt Büdde zu Geisecke am 27. März dieses Jahres, ein viertel vor zwölf, verstorben sei durch Sturz und Ertrinken in einen Wassertümpel. 

[nach oben]

 

1905 

In Hengsen wird direkt an der Grenze zu Geisecke, von den Dortmunder Wasserwerken mit dem Bau der Pumpstation begonnen. 

Die Stadt Dortmund beantragt bei der Eisenbahndirektion für diese Pumpstation in Geisecke einen Gleisanschluss. Dieser Antrag bildet den Ausgangspunkt für den Bau des Verschiebebahnhofs. 

In Lichtendorf wird am 03. April die Schule zum Heilig-Geist, mit zwei Klassen, eingeweiht, eine Klasse für die evangelischen und eine Klasse für die katholischen Schüler. Damit gibt es im Schulverband Geisecke-Lichtendorf jetzt fünf Schulen, alle sind einklassig. 

1. Die evangelische Schule in Geisecke von 1846
2. Die evangelische Eichholzschule in Lichtendorf
3. Die katholische Feldschule in Overberge
4. Die katholische Heilig-Geist-Schule in Lichtendorf
5. Die evangelische Heilig-Geist-Schule in Lichtendorf
 

Erster Lehrer der evangelischen Klasse wird Wilhelm Lüsse, ab 1912 Hefendahl. 

In Lichtendorf, Overberger (Sölder) Straße 67 II, wird eine Dienstwohnung mit zwei Arrestzellen für den Polizeiposten von Lichtendorf-Geisecke gebaut. Erster Inhaber der Dienststelle wird der Polizeisergeant Hermann Op den Winkel, gefolgt von dem Polizeihauptwachtmeister Hermann Duberow und dem Polizeiwachtmeister Walter Böhm. 

In der katholischen Schule in Lichtendorf wird die erste hl. Messe, von Pfarrer Schnurbus aus Schwerte, gehalten. 

Einwohner: Lichtendorf 1009, Geisecke 300 

„Die hiesige Polizeibehörde hat mitgeteilt, dass der Schlosser Heinrich Werth, 18 Jahre alt, evangelischer Religion, wohnhaft in Lichtendorf, geboren in Holzwickede, ledigen Standes, Sohn der Eheleute Rangiermeister außer Dienst Heinrich Werth und der Theodore geborene Werth wohnhaft in Lichtendorf zu Geisecke im Ruhrfluß am vierten Juli, nachnittags um drei ein viertel ertrunken beziehungsweise todt aufgefunden worden sei.“

 Die Heilig-Geist Schule in Lichtendorf

 

1906 

Am 16. Dezember wird in Lichtendorf wird die katholische Kapelle St. Bonifatius geweiht. Erster Seelsorger ist der Vikar Boeddicker von Schwerte.

 Die Kapelle St. Bonifatius von 1906

 

Am Bahnhof Geisecke werden in diesem Jahr 15 375 Fahrkarten verkauft, ein Jahr später 25 720.

 

1907 

Die Gemeinde Lichtendorf beschließt die alte Spritze zu verkaufen, eine neue anzuschaffen und ein dafür notwendiges Spritzenhaus zu bauen. 

„Geisecke, 2. Juli (Ein entsetzliches Unglück,) durch das ein junges Menschenkind getötet und eine brave Familie in tiefe Trauer je gestürzt wurde, hat sich gestern Nachmittag zugetragen. Als nachmittags die beiden Mädchen des Schmiedemeisters Stricker zur Schule gingen, auf welchem Wege sie die erste Schranke vor dem Bahnhof Geisecke nach Schwerte passieren mussten, war diese geschlossen, weil ein Güterzug heran nahte. Die 9jährige Anna sagte nun zu ihrer Schwester, sie käme noch hinüber und, ehe diese si zurückhalten konnte, war sie unter der Schranke hindurch geschlüpft und lief eilends nach drüben. Vor dem schnell sich nähernden Zuge mag sie dann wohl aufgeregt worden sein, denn sie stolperte über eine Schiene, fiel und wurde, als sie sich aufrichtete schwer von einem Puffer des vorbeifahrenden Zuges am Kopf getroffen. Schwer verletzt blieb sie mit ihren Kleidern hängen und wurde noch mehrere Meter mitgeschleift. Das entsetzte Schwesterchen hatte mit starrem Auge dem entsetzlichen Vorgang zugeschaut und rief jetzt jammernd Leute herbei, die das unglückliche Kind in die elterliche Wohnung trugen. Wohl riefen die erschreckten Eltern sofort einen Arzt aus Schwerte herbei, aber auch dieser konnte nur noch den eingetretenen Tod konstatieren. Man soll Kindern immer einschärfen, unter allen Umständen die geschlossene Eisenbahnschranke zu respektieren.“
[Schwerter Zeitung, 02. 07. 1907]

 

1908 

Im Januar nimmt die Pumpstation Hengsen mit einer 1000 PS starken "Wasserhebemaschine" ihren Dienst auf. Diese Dampfmaschine arbeitete bis 1964 bevor sie durch Elektropumpen ersetzt wurde. 

Die Gemeinde Geisecke und die Eisenbahndirektion schließen den Vertrag zum Bau des Verschiebebahnhofes, bei einer Beteiligung in Höhe von 70.00000 Mark, davon übernehmen die städtischen Wasserwerke Dortmund 60.000,00 Mark. 

In Lichtendorf wird bei dem Wirt Hauske [heute Sievert] von dem Schwerter Bauunternehmer Kohl für 796,01 Mark ein Spritzenhaus gebaut. Die Spritze „Höing No. 10a“, eine Saug- und Druckspritze, kostet mit „Wagenschere für ein Pferd und doppelter Radbremse“, 960 Mark.

 Die Feuerspritze von 1908 für Lichtendorf 

 Bauzeichnung vom Spritzenhaus (Ausschnitt)

 

In Hengsen wird die Keller-Schule eröffnet, bisher besuchten viele Kinder aus dem Keller die Schulen in Geisecke-Lichtendorf.

 

1908-1918 

Unsere Gemeinden werden nach und nach an die Wasserversorgung angeschlossen. 

 

1909 

Im Januar stiftet Herr ten Homfeld, ein Fabrikant aus Recklinghausen und Eigentümer des Gutes Ostberge, vier Morgen Land für den katholischen Friedhof in Ostberge. 

Im Mai unterstütz ten Homfeld in einem Schreiben, den Antrag der Lichtendorfer Landwirte auf Einrichtung einer Haltestelle an der im Bau befindlichen Bahnstrecke Schwerte-Dortmund. Eine Haltestelle, auf der Schwerterheide, wird auch von der Stadt Schwerte gewünscht. 

Am 10. August kommen Kaiser Wilhelm II. und Kaiserin Auguste Victoria nach Schwerte um auf der Hohensyburg die 300jährige Zugehörigkeit der Grafschaft Mark zu Preußen zu feiern. Auch die Schulkinder aus Lichtendorf und Geisecke standen Fähnchen winkend am Bahnhof Spalier.

 

1910 

In Geisecke wird der erste Fernsprechanschluss bei dem Gemeinde-vorsteher gelegt.

 

1911 

Im September wird mit dem Bau des Verschiebebahnhofes begonnen und zwar mit der Brücke über die Ausfahrgeleise bei Lappenhausen. 

Die Brandwehr Geisecke-Lichtendorf wird gegründet. Brandmeister wird Wilhelm Hosang aus Lichtendorf, Stellvertreter Friedrich Naust aus Geisecke. Die Brandwehr besteht jetzt aus 20 dienst pflichtigen Mitgliedern, eingeteilt in eine Steigermannschaft und eine Spritzen-mannschaft. Die Wehrmitglieder sind jetzt einheitlich uniformiert und halten regelmäßig Übungen ab.

 

1912 

Im Zuge des Neubaus des Verschiebebahnhofs wird die Strecke vom Block Grüntal bis Geisecke viergleisig ausgebaut, ein neues Station-sgebäude wird errichtet und aus den fünf beschrankten Bahn-übergängen werden drei Unterführungen. An der Geisecker Talstraße und an der Brunnenstraße entsteht eine Eisenbahnersiedlung. An der heutigen Kreuzung Talstraße, zum Kellerbach und zum Wellenbad werden das Bahnmeisterhaus und ein Beamtenwohnhaus gebaut. 

In diesem Jahr werden am Bahnhof Geisecke 27.480 und im nächsten Jahr 36.214 Fahrkarten verkauft. 

Am 01. Oktober schließt die Zeche Freiberg in Rausingen wird geschlossen. (zuletzt 218 Mitarbeiter, 1905 etwa 540) 

Der Gemeinderat von Lichtendorf erneuert den Antrag auf Ein-richtung einer Eisenbahnhaltestelle und biete eine Kostenbeteiligung an. Vorgeschlagen wird die Haltestelle in der Nähe der Besitzung Carl Renzing anzulegen. Die endgültige Ablehnung einer Haltestelle am Schwerter Wald durch die Eisenbahndirektion erfolgt im Dezember 1920.

 

1912-1922 

Unsere Gemeinden werden an die öffentliche Stromversorgung angeschlossen. Der Anfang wird mit dem Bahnhof in Geisecke gemacht.

 

1913 

In Lichtendorf wird der Turnclub "Germania" gegründet, der heutige TC 1913 Lichtendorf e.V. 

Am 1. Oktober wird der Geisecke Verschiebebahnhof mit zuerst 20 Gleispaaren in Betrieb genommen. 

Am Wellenbad wird der Geisecker Lehrer Beckmann in einer Feierstunde verabschiedet. 

Einwohner: Lichtendorf 1093, Geisecke 294

 

1913/14 

In der Krümmde, an der neu angelegten „Hohenzollern Straße“ werden, mit Hilfe der Eisenbahnwohnungsbaugesellschaft Holzwickede, sechs private Wohnhäuser für Eisenbahnbeamte gebaut.

 

1914 

Mit dem neuen Bahnhofsgebäude bekommt die Station einen neuen Namen, statt wie bisher Geisecke ist der neue Name ab dem 1. Oktober „Geisecke (Ruhr)“. 

Am 28. Juni 1914 wurden der Thronfolger Österreich-Ungarns, Erzherzog Franz Ferdinand, und seine Gemahlin bei ihrem Besuch in Sarajevo, ermordet.

 Der Turnclub Germania Lichtendorf

 

1914 

„Die bisherige Brandwehr Geisecke-Lichtendorf ist auf ihren Antrag in eine freiwillige Feuerwehr umgewandelt. Zum Brandmeister wurde gewählt der Zimmermann Wilhelm Hosang in Lichtendorf und zu dessen Stellvertreter der Schuhmachermeister Friedrich Naust in Geisecke.“ 

[Schwerter Zeitung vom 7. Oktober 1914]

 Der Bahnhof in Geisecke von 1914

 

1916 

Der Verschiebebahnhof in Geisecke erreicht seine größte Aus-dehnung mit 42 Gleispaaren?, (dies entspricht der Planung), auf 2,8 km Länge und einer Breite von 300 m werden täglich 2000 Waggons rangiert. Es waren ca. 140 Beamte beschäftigt. 

„Die Polizeiverwaltung hat mitgeteilt, dass der Bahnarbeiter Eduard Dreyer, 17 Jahre alt, ledig, Sohn der Eheleute Berginvalide Heinrich Friedrich Dreyer und Caroline Lisette geborene Brauckmann wohnhaft in Lichtendorf, zu Geisecke auf dem Eisenbahnkörper, am 07. Oktober 1917 tot aufgefunden worden ist. Der Tod ist unmittelbar vorher eingetreten.“

 

1918 

Am 1. Juli werden die lutherische und die reformierte Kirche in Schwerte zur „Evangelischen Gemeinde Schwerte“ uniert [vereinigt]. 

In Schwerte Ost wird mit dem Bau des Eisenbahnausbesserungs-werkes begonnen. 

Mit dem Waffenstillstand von Compiègne am 11. November 1918 endet der 1. Weltkrieg. Am 28. November 1918 dankt Wilhelm II als deutscher Kaiser ab.

 

Im ersten Weltkrieg verloren 34 Soldaten aus Lichtendorf und 16 Soldaten aus Geisecke ihr Leben. 

[nach oben]

 

1919 

Für ein Schuljahr bestand eine zweiklassige katholische Schule. Die Jahrgänge 1-3 in Overberge und die Jahrgänge 4-8 in der Heilig-Geist Schule. Sie wurde, wohl wegen zu weiter Wege im nächsten Jahr wieder aufgelöst.

 

1920 

Mit dem Bau der Wohnsiedlung am „Kreinberg“ für die Arbeiter des Ausbesserungswerks wird begonnen.

 

1921

 

Im November wird ein Standesamt für die Gemeinden Lichtendorf und Geisecke eingerichtet. Standesbeamter wird Josef Pingel, der Lehrer der katholischen Feldschule in Overberge.

 

1922 

Am 1. Oktober wird, nach Verzögerungen durch die Auswirkungen des 1. Weltkrieges, das Ausbesserungswerk Schwerte in Betrieb genommen. 

Am 7. Juli gründen die katholischen Eingesessenen von Geisecke, im Wartesaal des Bahnhofes, mit Unterstützung des Schwerter Pfarrers Schnurrbus einen Kirchenbauverein.

 

Am 19. November wird zum ersten Mal und dann regelmäßig im Saal bei Schulte-Höppe die heilige Messe gelesen.

 

1923 

In der Versammlung vom 31. März beschließt die freiwillige Feuer-wehr Lichtendorf-Geisecke ihre Auflösung. 

Die Hyperinflation der letzten Jahre machte in Deutschland alles Geld wertlos. Am 15. November kommt die Währungsreform die alte Papiermark wird von der Rentenmark zum Kurs von 1 Billion zu 1 abgelöst. 

Die Franzosen besetzten das Ruhrgebiet, die Grenze verlief nördlich des Schwerter Waldes (Schlagbaumstraße in Sölde), zum Über-schreiten wurden besondere Ausweise benötigt. 

Mit dem Gemeinderundfunk der deutschen Welle nimmt der Rund-funk seinen Betrieb auf. Laut Auskunft des Gemeindevorstehers im Jahr 1925 besteht in der Gemeinde Geisecke kein Interesse. 

Einwohner: Lichtendorf 998, Geisecke 552

 

1924 

Im Februar wird die Bande der Eisenbahnräuber um den Bergmann Ludwig H. in Lichtendorf und um den Bergmann Wilhelm W. in Geisecke verhaftet. Bei dem sichergestellten Diebesgut handelt es sich jeweils um mehrere Wagenladungen. 

Am 30. August wird die Reichsmark [RM], ebenfalls zum Kurs von einer Billion zu eins und damit wertgleich zur Rentenmark, eingeführt. Die RM bleibt in Deutschland bis Juni 1948 gültiges Zahlungsmittel. 

Am 7. Oktober scheitert der Versuch einer Neugründung der freiwilligen Feuerwehr Lichtendorf-Geisecke.In der Sitzung vom 13. Oktober beschließt die Gemeindevertretung Lichtendorf den Versuch zu unternehmen, eine eigene freiwillige Feuerwehr zu gründen. „Es wurden die Herren Pingel, Brauckhoff und Schröer damit beauftragt.“

 

1925 

 Am 15. Februar wird beim Wirt Karl Hauske auf dem Eichholz die freiwillige Feuerwehr Lichtendorf gegründet. Erster Brandmeister wird August Thiemann, Wilhelm Brune sein Stellvertreter. 

In dem Protokoll einer gemeinschaftlichen Sitzung der Gemeinderäte von Lichtendorf und Geisecke vom 7. Juli heißt es: „Nachdem der frühere gemeinsame Feuerlöschverband sich aufgelöst hat und in eine freiwillige Feuerwehr in Lichtendorf und eine Pflichtwehr in Geisecke gespalten ist, fand heute eine gemeinsame Sitzung beider Vertretungen zum Zwecke der Vermögensauseinandersetzung statt.“ 

In Aplerbeck schließt die Zeche Vereinigte Schürbank-Charlottenburg und in Schüren Freie Vogel & Unverhofft (Die beiden Unternehmen beschäftigten in der Spitze zusammen rund 2.000 Bergleute) 

Am 5. und 6. Juni feiert der Schützenverein nach 27 Jahren wieder ein Fest. Das Vogelschießen fand wieder im Aplerbecker Wald auf dem Eichholz statt. Das, 1200 m2 große, Festzelt stand auf der Wiese bei Hohenschwert, der Verein hatte 260 Mitglieder. Die Nachfeier wurde montags unter „Kötters Linde“ in Lichtendorf, abgehalten. Schützenkönig wird Hugo Stamm, der damalige Pächter des Wellenbades in Geisecke. 

„Die Polizeiverwaltung in Westhofen hat mitgeteilt, dass der Hemm-schuhleger Hans Heinrich Biesterfeld, 28 Jahre alt, wohnhaft zu Hengsen im Keller, geboren in Elberfeld, zu Geisecke im Rangier-bahnhof am 8. August 1925, vormittags um zwölf ein viertel Uhr tot aufgefunden ist. Der Tod ist unmittelbar vorher eingetreten.“ 

Einwohner: Lichtendorf 969, Geisecke 724

 

1926 

Am 6. Mai erfolgt die Neugründung der freiwilligen Feuerwehr Geisecke. Zum ersten Brandmeister wird Wilhelm Brinker gewählt, er wird im Juni von Wilhelm Schulte abgelöst. 

Der SV Geisecke 26 wird am 8. Mai gegründet. Erstes Vereinslokal wird das „Wellenbad“, der Vereinswirt, Hugo Stamm, stellt seine Wiese an der Ruhr als Sportplatz zur Verfügung und stiftet einen Fußball. 

Am 15. Juni wird auf der Zeche Margarete in Sölde, der wichtigste Arbeitgeber für die Lichtendorfer Bergleute, die letzte Kohle gefördert. (1050 Mitarbeiter, davon 77 aus dem Amt Westhofen, der Höchststand war 1923 mit 1390 Beschäftigten). 

Auf dem Kellerkopf wird der Grundstein für das Denkmal für die Gefallenen des Infanterie-Regiments Nr. 130 gelegt.

 

1926/27 

In Geisecke wird an der Straße zum Kellerbach eine zweite Eisen-bahner Siedlung errichtet. 

Die Dortmunder Stadtwerke bauen den Hof am Wellenbad zu einem Gutshof aus.

 

1927 

In beiden Gemeinden wird eine erste öffentliche Fernsprechstelle angelegt. 

In Overberge vernichtet ein Großfeuer die Scheune des Gehöftes Brinkmann, früher Wortmann, die Ursache des Feuers ist Brandstiftung.

Am 1. Mai wird die Autobuslinie von Schwerte über Lichtendorf nach Unna eröffnet. 

Wegen Wechsel des Pächters am Wellenbad (der neue Pächter, Karl Rohling „mochte“ den Sportverein nicht mehr) wird Schulte-Höppe neues Vereinslokal des SV Geisecke, er stellt ebenfalls eine Wiese als Sportplatz zu Verfügung, er wird wegen seiner Hanglage scherzhaft „Bergauf-Kampfbahn“ genannt.

 

1928 

Im März wird der Unterricht an die evangelische Schule zum „Heilig-Geist“ in Lichtendorf aufgehoben, nachdem zuletzt nur noch 12 Schüler die einklassige Schule besuchten. Die Einwohnerzahl in Lichtendorf war, bedingt durch die Zechenschließungen in der Nachbarschaft, stark gesunken. 

Die evangelische Kirchengemeinde Geisecke-Lichtendorf weiht im Mai das Gemeindehaus und den Friedhof ein. 

Die Dortmunder Stadtwerke planen 1925 am Wellenbad in Geisecke die Hängebrücke durch eine 2,80 m breite Holzbrücke zu ersetzen. Sie stellen bei der Regierung in Arnsberg einen Antrag auf Genehmigung zur Erhebung von Brückengeld. Der Antrag scheitert am Wiederstand des Iserlohner Landrats. Auf dessen Initiative wird dann die Kreisstraße von Geisecke nach Rheinen mit der modernen Ruhrbrücke am Wellenbad gebaut.

 Bau der Ruhrbrücke 1928 in Geisecke

 

In diesem Jahr wird auch in Lichtendorf ein Fußballverein gegründet, der VFB 28. Er soll nur bis etwa 1933 bestanden haben.

 [nach oben]

 

1929 

In diesem herrscht ein außergewöhnlich kalter Winter, in Lichtendorf werden drei Monate keine Messen gelesen, die Taufen in der Sakristei durchgeführt. 

Wegen der Weltwirtschaftskrise wird der Verschiebebahnhof in Geisecke geschlossen. 

Am 10. Juni wird die neue Schule in Geisecke eingeweiht. Die katholische Feldschule in Overberge wird geschlossen und der Unterricht in die neue Schule verlegt. Den zweiten Klassenraum nutzen die Jahrgänge 1–4 der alten evangelischen Schule, die Jahrgänge 5–8 bleiben in der alten Schule, damit gibt es erstmalig eine zweistufige Schule im Schulverband. 

Am 20. Und 21. Juni feiern die Schützen wieder ein Fest, König wird Theodor Wachholz aus Geisecke. 

„Die Polizeiverwaltung in Westhofen hat mitgeteilt, dass der Eisen-bahnarbeiter Franz Heinrich Werner, Sohn der Eheleute Wilhelm Werner und Elisabeth geborene Röthlin, ersterer verstorben letztere wohnhaft in Sölde, Wilhelmstraße 18, ledig, 24 Jahre alt, wohnhaft in Sölde, Wilhelmstraße 18, geboren zu Sölde am 6. August 1905, zu Geisecke am Wellenbad am 18. August 1929 um 16:00 Uhr tot aus der Ruhr geborgen ist. Der Tod ist unmittelbar vorher eingetreten.“

1. August, nach der Eingemeindung der Stadt Hörde nach Dortmund wird der Landkreis Hörde aufgelöst. Die Stadt Schwerte und das Amt Westhofen, mit Geisecke und Lichtendorf werden dem Lndkreis Iserlohn angegliedert.

 

Am 1. September wird auf dem Kellerkopf wird das Denkmal geweiht.

 Das Denkmal auf dem Kellerkopf

 

1930 

Am 14. und 15. Juni wird in Geisecke ein neues Spritzenhaus eingeweiht. 

Lichtendorf verzeichnet über 70% Arbeitslose. 

Einwohner: Lichtendorf 938, Geisecke 758

 Das Geisecker Spritzenhaus 1930

 

1933 

30. Januar: 1933 Adolf Hitler wird deutscher Reichskanzler.

 

1934 

Der Schützenverein Lichtendorf-Geisecke feiert am 30. Juni und 1. Juli in der „Baggerkuhle“ in Geisecke sein Schützenfest, König wird Friedrich Bährensmann, Pächter der Bahnhofswirtschaft in Geisecke.

 

1935 

In Geisecke wird am 29. September der Grundstein für die Antonius Kirche gelegt.

Die Antonius Kirche in Geisecke

 

1936 

Am 20. Februar verurteilt die Strafkammer am Landgericht Hagen den Wilhelm W. aus Geisecke, wegen schweren Diebstahls im strafverschärfenden Rückfall, zu einem Jahr Gefängnis. W. war folgender Tat für schuldig befunden:
"In der Nacht zum 28. Oktober 1935 wurde in die Bahnhofswirtschaft in Geisecke eingebrochen. Der  Täter entfernte den Kitt an einer Scheibe eines Küchenfensters, entriegelte dieses, von außen hineingreifend, und stieg ein. Aus dem Wirtschaftsraum stahl er je eine Flasche Cognac, Fleischhauer, Doppelkorn, Forstmeister, 3 Flaschen Patenwein, eine halbvolle Flasche Pfeffermünz, bis zu 15 Tafel Schokolade und etwa 5 RM Kleingeld. ..."

Am 23. Februar wird die katholische Antonius Kirche in Geisecke geweiht. 

Vom 20. Bis zum 22. Juni feiert der Schützenverein sein Fest, König wird der Bergmann Wilhelm Frohne aus Lichtendorf. 

Am Samstag den 22. August wird am Wellenbad die Fahne der NSDAP Ortsgruppe Geisecke-Lichtendorf geweiht.

 

1935/37 

Die Dortmunder Stadtwerke legen östlich des Pumpstation Hengsen einen Stausee an. Das Wehr am Wellenbad in Geisecke wird von Pionieren aus Höxter gesprengt.

 

1938 

16. bis 20. Juni. Beim letzten Schützenfest vor dem Krieg feiert der Verein sein 100jähriges Jubiläum. Aus diesem Anlass wird am Freitagabend vom „Gaudietwart“ [weltanschaulicher Aufpasser der Nationalsozialisten in Vereinen] die neue „Reichsbundfahne“ geweiht. König wird Hans Heide aus Geisecke.

 

1938/39 

Der Verschiebebahnhof in Geisecke wird wieder in Betrieb genommen.

 

1939 

Zu Ostern werden alle Schulen des Schulverbandes Geisecke von Konfessionsschulen zu Gemeinschaftsschulen umgewandelt. Aus der evangelischen Eichholzschule und der katholischen Heilig-Geist-Schule wird die Volksschule Lichtendorf, als zweiklassige Schule in den Räumen der ehemaligen Heilig-Geist-Schule. Die Eichholzschule schließt nach 56 Jahren. Die Schule von 1929 in Geisecke wird um zwei Klassenräume erweitert. Die neue Gemeinschaftsschule wird die erste dreiklassige Schule im Schulverband und in „Dietrich-Eckhart Schule“ umbenannt. Die Schule von 1846 wird nach 93 Jahren geschlossen. 

[Der 1923 verstorbene Dietrich Eckhart war Chefredakteur des Völkischen Beobachters, er prägte den Ausdruck vom „Dritten Reich“ und galt als Mentor Hitlers.] 

Mit dem deutschen Überfall auf Polen am 1. September 1939 beginnt der Zweite Weltkrieg. 

Einwohner: Lichtendorf 979, Geisecke 696

 

1940 

Erste Luftangriffe auf den Verschiebebahnhof Geisecke. 

Die ersten Kriegsopfer unserer Gemeinden sind der Kanonier Heinrich Falkenberg (gef. 27. 05., Belgien), der Unteroffizier Karl Göb (gef. 28. 05., Frankreich) beide aus Lichtendorf und der Schütze Otto Wachholz (gef. 19. 06., Frankreich) aus Geisecke. 

„Das Kind Helmut Hermann Roth, wohnhaft in Lichtendorf, Overbergerheide 47, ist am 27. April 1940 um 16:00 Uhr in Lichtendorf, Overbergerheide 47 in dem auf der elterlichen Besitzung befindlichen Brunnen gefallen und ertrunken. Die Leiche wurde gegen 18:00 Uhr im Brunnen liegend aufgefunden.“

 

1943 

Mit der Vernichtung der deutschen 6. Armee in Stalingrad Anfang 1943 wird die Wende  im 2. Weltkrieg eingeleitet.

 

In der Nacht zum 17. Mai zerstören britische Bomber die Sperrmauer der Möhnetalsprerre und lösen damit eine etwa 12 Meter hohe Flutwelle aus. 

Gegen 4:15 Uhr erreicht die Flutwelle Geisecke, gegen 5:00 Uhr hatte das Wasser seinen Höchststand erreicht. Bei Rettungseinsätzen kamen zwei Geisecker Feuerwehrleute, Helmut Schulte und Johann Hildebrand [in Fröndenberg], ums Leben. Der Bauer Klüting aus Altendorf wurde in Geisecke von einem Feuerwehrmann gerettet, der Wachtmeister der Schutzpolizei Wilhelm Cordes aus Geisecke in Villigst aus der Ruhr geborgen, er war in der Nähe des Wellenbades von den Fluten erfasst worden. 

Das Wellenbad und Gut Ruhrfeld waren total überflutet, die unteren Räume und das Inventar stark beschädigt, bei Rohling (Wellenbad) stand das Wasser 2m hoch in den Räumen, der Wintergarten wurde zerstört, bei Reddemann (Gut Ruhrfeld) wurde der Hühnerstall fortgerissen. 

Verluste an Vieh in Geisecke: 

Reddemann (Gut Ruhrfeld):
2 Rinder, 14 Kälber, 45 Schweine, 10 Schafe,
25 Hühner, 265 Küken
 

Rohling:
3 Kälber, 6 Schweine, 1 Mutterschwein mit
6 Ferkel ,55 Federvieh

 Die Ruhrbrücke in Geisecke nach dem Möhnehochwasser

 

1944 

Angriffe auf Schwerte am 31. Mai mit der Bombardierung der Schwerter Nickelwerke forderten 217 Menschenleben.

 

1945 

Am 22. Februar wurden die oberen Stockwerke des Geisecker Bahnhofgebäudes durch drei leichte Bomben zerstört. 

Am 14. März, gegen 11:00 Uhr, führen 24 amerikanische Jagd-bomber einen Tiefangriff mit Bordwaffen sowie mit insgesamt 72 Spreng- und Splitterbomben durch. Der Angriff richtet erhebliche Schäden an und fordert zwei Todesopfer. Neben Weichen und Gleisanlagen werden 120 Waggons beschädigt wovon 30 total ausbrennen. 

Den zweiten großen Angriff auf den Bahnhof Geisecke fliegen am 20. März die Amerikaner mit 96 zweimotorigen B-26 Mittelstrecken-bombern. Sie werfen 276 t Sprengbomben ab. Nach diesem Angriff ist der Bahnhof total zerstört, der Schienenverkehr nach Osten ist unterbrochen. Nach den Sterbe-urkunden des Standesamtes fordert der Angriff 16 Todesopfer, davon neun in Overberge und fünf in Hennen. 

Einen letzten verheerenden Angriff fliegt die amerikanische Luftwaffe am 23. März. 137 viermotorige B-17 Langstreckenbomber fliegen Richtung Geisecke, von den 19 das Ziel mit rund 240 t Spreng- und Brandbomben das Ziel bombardieren konnten. Der Rest musste auf Zweit- bzw. Gelegenheitsziele ausweichen, da dichter Rauch das Zielen behinderte. Der Standesbeamte verzeichnet 5 Todesopfer, davon 4 Zwangsarbeiter.  

Am 12. April gegen 20:00 Uhr erreichen die Amerikaner den Eichholz. 

Am 13. April treffen die Amerikaner gegen 6:00 Uhr von Hengsen kommend und gegen 9:00 Uhr von Lichtendorf kommend in Geisecke ein. Die Wehrmacht sprengt die Ruhrbrücke in Geisecke.

 

Die letzten Kriegsopfer unter der Zivilbevölkerung sind am 11. 04. in Lichtendorf das Ehepaar Lindert und die drei Kinder Huppertz bei der Bombardierung eines Panzerabwehrgeschützes und in Geisecke am 13. 04. Josef Heuduck und am 14. 04. der Schüler Wilhelm Bücker, beide durch Granatsplitter. (Beim Artillerieduell zwischen den Amerikanern und den deutschen Verbänden südlich der Ruhr.) 

30. April, Selbstmord Adolf Hitlers.

 

Kriegstote aus und in Lichtendorf und Geisecke: 

  • 45 gefallene oder vermisste Soldaten aus Geisecke
  • 63 gefallene oder vermisste Soldaten aus Lichtendorf
  • 30 Zivilisten aus Lichtendorf und Geisecke

17 Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene
[Aktueller Stand der Nachforschungen]

 Der Bahnhof in Geisecke am 25. März

 

Am 1. Oktober wird in Geisecke die Schule wieder eröffnet. Albert Weiberg ist zu Beginn der einzige Lehrer, er tritt seine erste Stelle an und hat 72 Kinder zu unterrichten. 

Am 5. Oktober ereignet sich in Geisecke, auf Höhe der Brunnenstraße, ein schweres Eisenbahnunglück mit 13 Toten.

 

1946

Der SV Geisecke errichtet in Eigenhilfe in der Baggerkuhle seinen neuen Sportplatz. 

In Schwerte wird am 12. Juni die wiederaufgebaute Ruhrbrücke wieder für den Verkehr freigegeben. 

Am 18. November gründet der SV Geisecke eine Damen-Handball-abteilung (sie besteht bis 1949).

 

1948 

Am 21. Juni wird in den Westzonen wird die D-Mark eingeführt [in Westberlin 3 Tage später]. Die neue Währung wurde an den Ausgabestellen für die Lebensmittelmarken ausgegeben. Pro Person wurde nur ein so genanntes „Kopfgeld“ von 60 DM ausgezahlt; 40 DM sofort und weitere 20 DM zwei Monate später.

  

1949 

In nur 4 Monaten, vom 18. Juli bis zur Freigabe am 22. Dezember, wird in Geisecke die Ruhrbrücke wieder aufgebaut.

Am 24. Oktober erscheint die erste Nachkriegsausgabe der Schwerter Zeitung.

Am 7. Dezember wird der Schützenverein von der britischen Besatzung wieder zugelassen.

 Der Herrenreigen des Turnclub Lichtendorf 1949

 

1950 

Einwohner: Lichtendorf 1229, Geisecke 805

 

1951 

Der Sv Geisecke richtet zum 25jährigen Bestehen eine Pokalwoche aus.

 

In Ostberge kommen im April bei der Explosion eines Blindgängers der Landwirt Ernst Hugo Comberg und sein Gehilfe Vinzenz Leo ums Leben. "Tod durch völlige Zerreißung und Zerquetschung bei der Explosion eines Explosivgeschosses." [Der Eintrag des Standesbeamten Pingel]

 

1952 

Im Schulbezirk bricht ein erbitterter Streit um die zweite Schul-leiterstelle aus. Der 1. Schulleiter kommt wie immer aus Geisecke [Henneke], der 2. aus Lichtendorf, das ist soweit unumstritten. Weil aber beide Schulleiterstellen von evangelischen Lehrern besetzt wurden [in Lichtendorf Kollmann], kommt es seitens der Katholiken in Lichtendorf zu heftigen Protesten. Diese führen nach einem Elternentscheid zum Ausscheiden der katholischen Schüler aus der Gemeinschaftsschule, somit hat Lichtendorf wieder zwei Konfessionsschulen, katholischer Schulleiter wird der Lehrer Schulte. 

Im Juli wird am Landgericht Hagen der Prozess gegen die Bande von Viehdieben um den Lichtendorfer Wilhelm W. verhandelt. Die Haupt-täter werden zu hohen Zuchthausstrafen verurteilt. 

Der SV Geisecke beschließt, mit Beginn der neuen Meisterschaftsserie, den Spielbetrieb wieder aufzunehmen.

 

1953 

Zu Ostern wird nach 151 Jahren der Gesamtschulverband Geisecke-Lichtendorf aufgelöst. Danach hat Geisecke eine dreiklassige Gemeinschaftsschule und Lichtendorf eine einklassige katholische und eine zweiklassige evangelische Schule. Der Unterricht wird in Lichtendorf in zwei Klassen im Schichtbetrieb abgehalten. 

Am 18. 19. und 20. Juni feiert der Schützenverein sein erstes Schützenfest nach den Krieg. Schützenkönig wird Wilhelm Katthagen aus Geisecke.

 

1954 

An der Volksschule in Lichtendorf wird ein dritter Klassenraum angebaut, Fertigstellung 1955.

 

1955 

Schützenfest vom 16.-18. Juli, Schützenkönig wird Edmund Sievert.

 

1956/57 

In Geisecke wird an der Straße zum Kellerbach die dritte Eisenbahner-Siedlung gebaut.

 

1961 

Das Teilstück Hagen-Dortmund-Unna der A1 durch Lichtendorf wird fertiggestellt. 

Im August richtet der TC Lichtendorf das Kreisturnfest aus, mit über 1000 Teilnehmern.

Einwohner: Lichtendorf 1666, Geisecke 1047

 Festumzug beim Kreisturnfest in Lichtendorf 1961

 

1964 

In Lichtendorf weiht der Paderborner Erzbischof Jaeger am13. Dezember die neue „Bonifatius Kirche“ ein.

 

1965 

Am 5. November wird die Erweiterung der "Volksschule" Lichtendorf eingeweiht.

 

1966 

Einwohner: Lichtendorf 2484, Geisecke 1098

 

1967

Die Turnhalle an der Schule in Lichtendorf wird eingeweiht.

Die Schlüsselübergabe der Turnhalle (Bürgermeister Breer, Rektor Schulte und Konrektorin Frau Hess)

 

1974 

Bei einem Großfeuer im Geisecker Bahnhofsgelände brennt ein Reifenlager ab.

 

1975 

Zum 1. Januar tritt die kommunale Neuordnung in Kraft. Geisecke und Lichtendorf südlich der Autobahn werden Ortsteile von Schwerte, Lichtendorf nördlich der Autobahn wird zu Dortmund-Lichtendorf.

 

1976 

In Geisecke wird der neue Sportplatz fertiggestellt. 

Vom 5. - 14. Juni feiert der SV Geisecke sein 50jähriges Bestehen mit einem Jubiläumsturnier und einem dreitägigen Zeltfest.

 

1983 

Im Mai wird auf einem einfachen Stück Pappe am Eingang die Schließung des Personenbahnhofs in Geisecke bekannt gegeben. 

Achtung! 

„Ab 29. Mai 1983 halten in Geisecke keine Personenzüge mehr. 

Damit endet nach 93 Jahren die Geisecker Eisenbahngeschichte.

 

 1984 

Am 21. Oktober wird das katholische Gemeindezentrum „Antonius-Haus“ in Geisecke eingeweiht.

 

1987 

Bei Dachdeckerarbeiten wird das neue Laborgebäude der Dortmunder Stadtwerke in Geisecke in Brand gesetzt. Der Schaden beträgt über 2 Millionen DM, die Inbetriebnahme verzögert sich um ein Jahr.

 

1988 

In Lichtendorf entsteht an der Römerstraße die neue Feuerwache, im Dezember erfolgt die Einweihung.

 

[nach oben]