Geisecke und Lichtendorf in alten Zeitungsberichten

Bei dieser Auswahl an Zeitungsausschnitten handelt es sich sowohl um Zufallsfunde als auch um gezielt zu bestimmtem Ereignissen gesucht Berichte und Anzeigen. Es ist geplant, diese Sammlung weiter zu ergänzen.

Dortmunder Wochenblatt, 21. 07. 1838 und

Königlich Westphälisch-Märkisches Intelligenzblatt, 24. 07. 1838

Schützenfest zu Lichtendorf. Die Gemeinden Lichtendorf, Geisecke, Overberge und Ostberge feiern ein gemeinschaftliches Schützenfest am 28ten und 29ten Juli dieses Jahres am Hohenschwerter-Brunnen zu Lichtendorf. Freunde ländlicher Feste werden hierzu freundschaftlichst eingeladen. Lichtendorf und Geisecke, den 17. Juli 1838.

Der Schützen-Vorstand

 

Iserlohner Kreisblatt und öffentlicher Anzeiger für die Grafschaft Limburg, 11. 07. und 13. 07. 1850 und

Dortmunder Wochenblatt-Amtliches Kreisblatt, 17. 07. 1850 und

Hellweger Anzeiger und Bote, 13. 07. und, 17. 07. 1850

Die vereinigten Dorfschaften Lichtendorf, Geisecke, Overberge und Ostberge feiern am 20. und 21. dieses Monats ihr Schützenfest, wozu Freunde des geselligen Vergnügens eingeladen werden.

Der Schützen-Vorstand

 

Hellweger Anzeiger und Bote, Samstag, 13. Juni 1857

Am künftigen Samstag den 13. d. M., abends 7 Uhr, ist Generalversammlung des Schützen-Vereins der Gemeinden Lichtendorf und Geisecke am Hause des Wirts Eickmann in Geisecke.

Mehrere Schützen Mitglieder

 

Hellweger Anzeiger und Bote, Samstag, 20. Juni 1857

Verding des Schützenzeltes und Verpachtung der Restauration. Am 24. d. Mts. Nachmitttags 4 Uhr beabsichtigen wir die Erbauung zu unserem Feste nötigen Tanzzeltes wenigstfordernd, und die Restauration des hiesigen Schützenfestes meistbietend zu verdingen, wozu wir lusttragende Unternehmer zur bestimmten Zeit bei Wirt Lipps in Geisecke einladen.

Der Vorstand des vereinigten Schützenfestes, Lichtendorf, Geisecke, Overberge und Ostberge

 

Dortmunder Allgemeines Kreisblatt, 18., 4. und 11. 07. 1857

Schützenfest zu Lichtendorf. Am 11. und 12. Juli feiern die vereinigten Ortschaften Lichtendorf, Geisecke, Overberge und Ostberge ihr diesjähriges Schützenfest. Freunde des ländlichen Vergnügens werden zu demselben mit dem Bemerken eingeladen, das für gute Musik, Getränke und Speisen bestens gesorgt ist.

Der Schützen-Vorstand

 

Iserlohner Kreisblatt und öffentlicher Anzeiger für die Grafschaft Limburg, 01. 07. und 04. 07. 1857 und

Hellweger Anzeiger und Bote, 24. 06., 27. 06., 4. 07. und 11. 07. 1857

Schützenfest zu Geisecke. Am 11. und 12. Juli d. J. feiern die Eingesessenen der Dorfschaften Geisecke, Lichtendorf, Overberge und Ostberge ihr diesjähriges Schützenfest, wozu Freunde des geselligen Vergnügens eingeladen werden. Für gute Musik, prompte und billige Bedienung ist bestens gesorgt. Geisecke, im Juni 1857.

Der Schützen-Vorstand

 

Hellweger Anzeiger und Bote, 24. 06., 27. 06., 4. 07. und 11. 07. 1857

Am 11. und 12. Juli feiern die Eingesessenen der vereinigten Ortschaften Lichtendorf, Geisecke, Overberge und Ostberge ihr diesjähriges Schützenfest. Für gute Musik, prompte und billige Bedienung ist bestens gesorgt. Freunde eines ländlichen Vergnügens werden hierzu eingeladen.

Der Schützen-Vorstand

 

Iserlohner Kreisblatt und öffentlicher Anzeiger für die Grafschaft Limburg, 29. 06. 1867, und Hellweger Anzeiger und Bote, 29. 06. 1867

Am 6. und 7. Juli feiern die vereinigten Dorfschaften Lichtendorf, Geisecke, Overberge und Ostberge auf dem altbekannten Platze bei Geisecke ihr Schützenfest. Das Königsschießen findet am ersten Tage des Morgens auf dem Eichholze statt. Die Musik wird ausgeführt von der Kapelle des 15. Husarenregiments, unter persönlicher Leitung des Stabstrompeters Herrn Schiebold. Für gute Bewirtung ist auf beiden Stellen gesorgt. Lichtendorf, Geisecke, Overberge und Ostberge, im Juni 1867.

Der Schützen-Vorstand

 

Schwerter Zeitung, 17. 02. 1869

Anzeige: Meinen bekannten angekörten Hengst Mohrenschimmel empfehle ich den Herren Ökonomen zum Decken ihrer Stuten. Deckgeld mit Trinkgeld incl. 3 Taler 7½ Silbergroschen.

Geisecke, im Februar 1869, Friedrich Schulte genannt Höppe

 

Schwerter Zeitung, 29. 04. 1869

Bekanntmachung

Der Knecht Eberhard Stiernberg aus Delecke, Amt Körbecke; welcher nach dem ihm behändigten Resolute verpflichtet ist, zu Geisecke in Gesindedienst zu bleiben, hat sich heimlich entfernt. Es wird ersucht, den p. Stiernberg mittels Zwangsreolute hierher zu dirigieren. Derselbe ist 28 Jahre alt, von mittlerer Statur, hat dunkle Haare und ist kurzsichtig.

Westhofen, den 29. April 1869. Der Amtmann

 

Schwerter Zeitung, 30. 09. 1876

Geisecke, 30. Sept. Dem Schäfer Althausen in Geisecke gesellten sich, als er mit der Hut seiner Schafe tätig war, am Freitag, 24. d. Mts. nachmittags, zwei Männer zu, äußerlich ziemlich gut gekleidet; einer derselben trug einen dunklen Vollbart und der andere einen kurz geschorenen schwarzen Backenbart; sie gaben vor, aus dem Sommerberge oder Aplerbecker Holz zu Hause zu sein, was nach ihrem Dialekt auch anzunehmen; im Laufe des Gesprächsgaben die beiden Männer sich den Anschein, als ob sie nicht abgeneigt seien von dem A. Schafe zu kaufen, was dem arglosen Schäfer zwar befremdete, jedoch ihm noch nicht Anlass zu einem Verdacht gegen die Gesellschafter gab. Am Abend gegen 8 Uhr begab sich der Schäfer A. zu Herrn Wirt F. Schulte-Höppe, um sein Abendbrot einzunehmen. Bei Zurückkunft entdeckte er zu seinem Schrecken und Erstaunen, dass ein Schaf fehlt. Als er zu seiner Karre tritt findet er denselben aufgebrochen und seines Inhalts teilweise beraubt, auch seine Brieftasche, welche außer seinen Legitimationspapieren, 225 Mark in Kassenscheinen (5 und 10 Talerscheinen) 3 Goldstücke a 20 Mark enthielt, ist verschwunden. Alle Anstrengungen des schändlich missbrauchten biederen Mannes, den Dieben seines Eigentums habhaft zu werden, sind bis zur Stunde leider nicht von Erfolg gewesen. Am Montag, den 27. Fand der Schäfer A. das gestohlene Schaf mit durchschnittenem Halse blutend in einer Hecke im sogenannten Gänsewinkel wieder.

Hoffen wir, dass die Diebe sich bald festlaufen. Unsere Polizei wird gewiss alles aufbieten ihrer habhaft zu werden und dieselben zur energischen Bestrafung heranzuziehen.

 

Schwerter Zeitung, 29. 08. 1877

Geisecke, 29. Aug. Am 22. d. M. feiert der hiesige Lehrer, Herr Zimmermann, das seltene Fest des 25jährigen Jubiläums. Wer den schweren Beruf eines Lehrers kennt, der wird es zu würdigen wissen, dass es keine leichte Aufgabe ist, 25 Jahre in einer Gemeinde mit Erfolg zu wirken. Herr Zimmermann hat dieses verstanden. Jeder, der bei ihm die Schule besucht hat, wird es anerkennen müssen, dass er mit aller ihm zu Gebote stehenden Kraft dahin gestrebt hat, seine Schüler zu brauchbaren Menschen heranzubilden. Er hat in den 25 Jahren seiner Tätigkeit durch seine Pflichttreue sich nicht allein die Liebe und Achtung seiner Schüler, sondern auch der ganzen Schulgemeinde und seiner Vorgesetzten erworben. Es steht daher auch zu erwarten, dass am 22. Sept., an welchem Tage zu Ehren des Jubilars ein Festessen an der Fähre in Geisecke stattfindet, die Teilnahme an demselben eine sehr rege sein wird.

 

Schwerter Zeitung, 12. 09. 1877

Geisecke, 10. September. Der Rottenarbeiter Ludwig Steinweg, welcher am Samstag dem 8. Sept. nach Schwerte ging, um für die in den nächsten Tagen zu begehende Hochzeit einige Haushaltungsgegenstände einzukaufen, wurde auf dem Heimweg von einem schrecklichen Missgeschick heimgesucht. Zur Abkürzung des Weges hatte derselbe den Bahnkörper benutzt und war bereits wieder in der Nähe seiner Wohnung angelangt, als ihn ein heranbrausender Zug erfasst und im nächsten Augenblick so arg zurichtete, dass sein Tod sofort eintrat. Die verstümmelte Leiche wurde erst gestern Morgen von einigen Mädchen, die zur Kirche gehen wollten, neben dem Geleise liegend gefunden.

 

Schwerter Zeitung, 26. 09. 1877

Schwerte, 24. Sept. (Jubelfeier.) Dass die Tugend der Dankbarkeit noch nicht ganz auf dem Aussterbeetat gebracht ist, beweist die am 22. d. Mts. stattgehabte Jubelfeier der 25jährigen treuen Amtswirksamkeit des Lehrers E. Zimmermann in Geisecke zur vollen Genüge.

Wer Andere ehrt, ehrt sich selbst. So hat sich auch die Schulgemeinde Geisecke in der dankbaren Ehrenfeier ihres teuren Jubilars selbst ein rühmliches Ehrendenkmal gesetzt. Die Feier war in ihrer ganzen Einrichtung sinnig und innig und trug einen würdigen und erhebenden Charakter.

Die Schulfeier unter Anwesenheit sämtlicher Schulkinder, des Schulvorstandes und vieler Gemeindemitglieder, sowie sämtlicher Lehrer des Schwerter Schulinspektionskreises mit ihrem Herrn Schulinspektor an der Spitze, nahm ihren amtlichen Verlauf in schönster Übereinstimmung mit dem edlen Zweck derselben. Unter dem überzeugenden Eindruck dreier Reden, welche die hohen Verdienste des Jubilars ins Licht stellten, wurde der Jubilar selbst in seiner beweglichen Herzensstimmung und seiner Gefühle Gewalt zum beredeten Redner.

Der geordnete Festzug von der Schule durch die festlich geschmückte Dorfgemeinde gab der Feststimmung einen hohen Impuls. Das Ehrenmahl bei Witwe Scheidt an der Ruhrfähre trug die Signatur eines gemütlichen Beisammenseins. Bald entfaltete sich die Festfreude an der reichbesetzten Ehrentafel durch gewürzte Tischreden und unter den Feierklängen der Löser´schen Kapelle zur vollen Blüte.

Der erste Trinkspruch galt unserem siegreichen Kaiser und König, als Lehrer und Erzieher seines Volks, der in unserem Westfalenland Heerschau gehalten über sein Volk in Waffen und jedem seiner Untertanen sein landesväterliches Herz zugewandt. Der zweite Spruch galt dem König des Festes, unserem verehrten Jubilar, der sich durch seine langjährigen Verdienste um die Volksbildung das Recht der Bescheidenheit, die Signatur seines Wesens und Wirkens, erworben. Als seine „besondere Eigenschaft“ bezeichnete der Redner seine treue Lebensgefährtin, welche ihm Gott an seine Seite gestellt, um ihm sein arbeitsmüdes Haupt zu stützen und seine heiße Stirn zu erquicken. Ein anderer trug die Ehrenschuld des Danks gegen die Schulgemeinde ab, die ihrem Jubilar das schöne Fest bereitet, eingedenk dessen, was derselbe ihr und ihren Kindern gewesen. Ein anderer Trinkspruch pries die Verdienste der Mütter der Gemeinde in ihren einflussreichen Beziehungen zu ihren Kindern und zur Schule und gedachte in sinniger Weise der Frauen und Jungfrauen, die noch Mütter werden wollen. In einem weiteren Toaste wurde der Jubilar mit einem Kindergärtner verglichen, dessen Verdienst es sei, die Bedingungen zu einem fröhlichen Wachstum und Gedeihen der Kinderpflanzen erfüllt zu haben. Noch ein lieber Ehrengast, unser verehrter Herr Superintendant der Diözese Iserlohn, wurde gefeiert, der in seiner amtlichen Stellung die segensreiche Verbindung zwischen Kirche und Schule hegen und pflegen möge. So wurde auch der ehrenwerten Familie des Jubilars, speziell seiner drei Brüder in ihrer Berufstätigkeit in ehrender Weise gedacht und noch manches schöne Wort über die Bedeutung des Tages in ungezwungener Weise gewechselt.

Nach aufgehobener Tafel ließ auch die holde Musengöttin Terpsichore sich ihr Verdienst nicht nehmen, die fröhlichen Gäste in schönster Weise zu erfreuen, während draußen in den Gartenanlagen ein brillantes Feuerwerk bei obligatem Mondesglanz die Festfeier schmückte.

So verlief die schöne Feier in der sinnigsten und gemütlichsten Weise, und jeder ca. 200 Festgenossen teilte die Überzeugung, ein schönes Fest gefeiert zu haben unter dem einstimmigen Herzenswunsche, dass dem verehrten Jubilar nach Gottes Rath und Hülfe noch ein langjähriges, segensreiches Wirken in rüstiger Kraft und Gesundheit beschieden sein möge.

 

Schwerter Zeitung, 14. 11. 1877

Geisecke, 13. Nov. Gestern wurde hier ein Pferd von einem Güterzug überfahren, welches seinem Herren entlaufen sein soll, so wird vermutet; denn man will das Pferd als ein hinter Hengsen entlaufenes erkannt haben.

 

Schwerter Zeitung, 19. 12. 1877

Geisecke, 17. Dez. Gestern Abend feierte der hiesige Gesangverein „Sängerbund Union“ in dem schönen und geräumigen Lokale der Witwe Scheidt an der Ruhrfähre hier sein erstes Gesangskränzchen. Wiewohl der ungünstigen Witterung wegen wenige Fremde sich eingefunden hatten, fast nur die Sänger erschienen waren, so erlitt die Feierlichkeit hierdurch keinen Abbruch, indem die Sänger sich unter der vorzüglichen Leitung ihres Dirigenten, Herrn Musiklehrer Oxe‘, umso ungezwungener der Sangeslust und der Gemütlichkeit bis zur späten Nachtstunde hingaben. Im Ganzen wurden die Gesangstücke gut vorgetragen und waren es namentlich die Nr. „Elslein, liebste“ usw. „Es klingt ein hoher Klang“, „Schäfers Sonntagslied“ und ganz besonders die naive Piece: „Was hab ich denn mein Feinsliebchen getan“, welche sehr brav gesungen wurden und eine tüchtige Übung bekundeten. Der junge Verein, welcher erst seit einigen Monaten besteht, hat sich recht tüchtig gezeigt, möge derselbe auf der betretenden Bahn voran schreiten und wünschen wir ihm zu diesem Zwecke einen frohen, frohen Sang.

 

Schwerter Zeitung, 27. 02. 1878

Eichholz, 23. Febr. Gestern Abend gegen 12 Uhr brach in dem Hause des Bergmanns Christoph Lodewig ein Feuer aus, welches das Gebäude in Kurzem zerstörte. Für die gegen 6 Uhr an der Brandstätte aufgefahrene Spritze fand sich keine Arbeit mehr, da das Haus bereits niedergebrannt war. Sämtliche Möbel waren in einer halben Stunde gerettet. Über die Entstehungsart des Brandes wird Verschiedenes erzählt. Da uns nicht bekannt, in wie fern dem Gerede Tatsachen unterliegen, enthalten wir uns jeder weiteren Mittheilung.

 

Schwerter Zeitung, 11. 05. 1878

Geisecke, 9. Mai. Am nächsten Sonntag hält der Gesangverein „Union“ eine Partie nach Villigst (in die Gartenwirtschaft des Herren Schulte Großenbräuker) ab, wo derselbe jedenfalls mit Gesangsvorträgen zugleich eine Probe seines diesjährigen Wirkens abzulegen gedenkt.

 

Schwerter Zeitung, 23. 05. 1878

 

Geisecke, 23. Mai. Einen recht traurigen Anblick gewährt die am Wege nach Ostberge gelegene Waldung „Buschkamp“ des Herren Rutenborn da hier. Die gefräßigen Maikäfer haben den ca. 6 Morgen großen Wald seines Blätterschmuckes gänzlich beraubt, ja sogar die jungen Anwüchse nicht verschont. Schwarz und kahl ragen die Reste in die Höhe und geben dem Wald ein winterliches Aussehen.

 

Schwerter Zeitung, 15. 06. 1878

Geisecke, 12. Mai. Ein Unglücksfall der traurigsten Art setzte gestern Abend unseren Ort in höchste Aufregung und größte Betrübnis. Der Landwirt Spieckmann und dessen Schwager Rehfeuter von hier versuchten mit einem mit zwei Pferden bespannten Wagen durch die angeschwollene, starktreibende Ruhr zu fahren, als plötzlich eins der Pferde im Wasser scheute und fiel, wonach der Wagen umschlug und beide im Wasser begrub. Auch eins der Pferde ist mit ertrunken. Das Unglück ist umso mehr zu beklagen, als Spieckmann verheiratet und Vater von zwei Kindern ist. Rehfeuter war unverheiratet. Die beiden Leichen sind, trotz aller Anstrengung bis heute noch nicht aufgefunden.

 

Schwerter Zeitung, 19. 06. 1878

Geisecke, 17. Juni. Der Sängerbund „Union“ ist recht rührig zur Veranstaltung seines diesjährigen zu feiernden Stiftungsfestes. Nach dem Programm, das 21 Lieder enthält, scheint das Fest ein recht schönes zu werden. Mehrere auswärtige Vereine, darunter die Gesangvereine Eintracht und Männergesangverein zu Aplerbeck, Eintracht zu Hennen, Liederkranz Iserlohn, Eintracht und Cäcilia zu Schwerte, Männergesangverein zu Sölderholz, Concordia zu Dortmund, Knappen-Gesangverein zu Sölde, Männergesangverein zu Westhofen haben bereits ihre Teilnahme zugesagt. Auch für bengalische Beleuchtung der Gartenanlagen bei schönem Wetter während der Polonäse ist gesorgt. Wir hoffen hiernach einem recht angenehmen Fest beiwohnen zu können und wünschen wir dem Verein, welcher während seines kurzen Bestehens schon Tüchtiges leiste, ein gutes gedeihen.

 

Schwerter Zeitung, 20. 08. 1879

Der Fischer Wilhelm Lecking in Geisecke war so glücklich, am Mittwoch an der Ruhr, oberhalb Haus Villigst, einen Fischotter lebendig einzufangen. Eine Prämie von 5 Mark seitens des Vereins für den Schutz der Fischzucht in der Ruhr und Lenne steht ihm noch obendrein in Aussicht.

 

Schwerter Zeitung, 21. 01. 1880

Schwerte,18. Januar, Bei Gelegenheit des Ordensfestes in Berlin wurde u. a, dem Herrn Lehrer Zimmermann in Geisecke der Adler der Inhaber des königlichen Hausordens von Hohenzollern verliehen. Dem Kreis-Tierarzt Bombach zu Dortmund der königliche Orden vierter Klasse. Herr Landwirt Bedehäsing sen. zu Kalthof erhielt das allgemeine Ehrenzeichen.

 

Schwerter Zeitung, 28. 10. 1882

Vorige Woche entstand in dem Backhause der Witwe Gutsbesitzer H. zu Lichtendorf auf bisher noch unaufgeklärte Weise Feuer und brannte dasselbe, welches mit Inventar versichert war, bis auf die Umfassungsmauer nieder.

 

Schwerter Zeitung, 12. 04. 1883

Lamberg bei Lichtendorf, 12. April. Am Freitag voriger Woche gegen 10 Uhr abends brach in dem Wohnhaus des Bergmanns G. Renzing, während er zur Arbeit war, Feuer aus. Das Haus brannte vollständig nieder, ebenso konnte von den Mobilien nur wenig gerettet werden. Die Entstehungsursache des Brandes ist noch nicht bekannt. Wie wir hören, sind sowohl das Haus wie auch die Mobilien sämtlich versichert.

 

Schwerter Zeitung, 25. 09. 1890

Am 1. Oktober d. J. wird der zwischen Schwerte und Langschede gelegene Haltepunkt Geisecke für den Personenverkehr eröffnet. Folgende Züge werden an dem genannten Haltepunkte anhalten:

  • In der Richtung Schwerte-Langschede.
    Abfahrt von Geisecke 6:11, 17:34 Vm. 1:51, 4:12, 8:12 Nm.
     

  • In der Richtung Langschede-Schwerte.
    Abfahrt von Geisecke 6:11 Vm. 1:51, 7:34, 9:10 Nm.

Eine direkte Personenabfertigung von und nach Geisecke findet nach und von Stationen der Strecken Schwerte-Arnsberg-Kassel, Schwerte-Hamm bzw. Soest, Schwerte-Köln oder Deutz bzw. Düsseldorf, sowie nach den Stationen Menden, Iserlohn und Dortmund statt

Elberfeld, den 23. Sept. 1890. Königliche Eisenbahn-Direktion

 

Schwerter Zeitung, 14. 05. 1891

Schwerte, 11. 05. […] Ebenso laden uns die romantischen Gartenanlagen des Herrn Exsternbrink zu Wellenbad Geisecke am 1. Pfingsttage zum Konzert ein. Der Eintrittspreis beträgt nur 50 Pf. und ist bei nur etwas günstigem Wetter ein reger Besuch zu erwarten, zumal es jetzt möglich ist, dass die Auswärtigen den Hin- und Heimweg per Bahn zurücklegen können.

 

Schwerter Zeitung, 16. 06. 1891

Geisecke, 15. Juni. In der Schwurgerichtssitzung zu Hagen am 12. d. Mts. wurde verhandelt gegen die Dienstmagd Maria Konze von hier wegen Kindsmordes. Die Angeklagte diente als Magd auf Haus Rutenborn, war unverheiratet und stand im Alter von 29 Jahren. Am 2. April gebar dieselbe ein Kind, welches die unnatürliche Mutter eine Stunde nach der Geburt in ein Tuch wickelte und dasselbe lebend in dem dicht am Hause befindlichen Teich warf. Merkwürdigerweise ist von dem Niederkommen der Magd von den übrigen Hausbewohnern nichts bemerkt worden, zumal dieselbe auch nach der Geburt ihre häuslichen Arbeiten sofort wieder verrichtete und dadurch jeder eventuell entstehende Verdacht unterdrückt respektive ermäßigt wurde. Erst vierzehn Tage nach dem erwähnten Vorfalle wurde die Leiche durch den Polizeisergeanten Gerdsmann in Westhofen aufgefunden und die Angeklagte gestand damals, sowie auch in der Schwurgerichtssitzung, die niederträchtige Tat mit der Entschuldigung ein, sie hätte nicht gewusst, was sie mit dem Kinde machen und wohin sie dasselbe tun solle. Die Herrn Geschworenen billigten ihr mildernde Umstände zu und erhielt dieselbe 2 ½ Jahre Gefängnis.

 

Schwerter Zeitung, 10. 10. 1891

Bekanntmachung

Für die neue gebildete katholische Schulgemeinde Geisecke-Lichtendorf soll zum Neubau der Schule ein Grundstück zur Größe von 25 bis 30 Are angekauft werden, welches annährend im Mittelpunkt des Schulbezirks belegen ist. Anerbieten mit Preisangabe erbitte ich bis zum 20. dieses Monats.

Westhofen, den 8. Oktober 1891      Der Amtmann, Rebber

 

Schwerter Zeitung, 30. 01. 1892

Wellenbad Geisecke, 29. Januar. Der hiesige Gesangverein Union feiert den Geburtstag des Kaisers am 7. Februar durch Konzert, theatralische Aufführungen und Ball im Lokale des Herrn Exsternbrink.

 

Schwerter Zeitung vom 13 02. 1892

Geisecke, 8. Februar. Gestern beging der hiesige Gesangverein „Union-Geisecke“ in seinem Vereinslokal an der Ruhrfähre in festlicher Weise den Geburtstag Seiner Majestät Kaiser und König Wilhelm II. durch Konzert, Theater und Ball. Trotz der ungünstigen Witterung hatten sich die Teilnehmer so zahlreich eingefunden, dass der geräumige Saal bis auf den letzten Platz besetzt war und manche sich mit einem Stehplatz begnügen mussten. Gegen 5 Uhr begann die Feier. Zuerst feierte der Dirigent, Herr Lehrer Kretschmar aus Hennen, in zündender, mit großem Beifall aufgenommenen Rede das Geburtstagskind unseren geliebten Kaiser, und hob darin besonders hervor, dass er, treu seinem Geldnisse, stets bemüht gewesen sei, als Friedens Schirmer seinem Volke die Segnungen des Friedens zu erhalten. Nachdem der Redner noch den Wunsch ausgesprochen hatte, dass es unserem Kaiser noch recht lange vergönnt sein möge, zum Heile des gesamtem deutschen Vaterlandes das Zepter zu führen, schloss er mit einem dreifachen donnerndem Hoch auf Sr. Majestät, worin die Festversammlung begeistert mit einstimmte. Hiernach gelangten in schöner, trefflicher Weise, einige passende Lieder durch den festgebenden Verein und den Verein „Concordia-Rheinen“ zum Vortrag, die ungeteilten Beifall fanden. Besonders ansprechend war das Rheinlied, vorgetragen von dem Gesangverein Union, welches reichen Applaus zeigte, der ihm am Schlusse zuteilwurde. Gleichzeitig mit jenen Liedern kam noch ein Theaterstück, betitelt „Wurst wider Wurst“, und einige komische Couplets zur Aufführung, die besonders dazu angetan waren die Lachmuskel der Zuhörer so recht in Tätigkeit zu setzen, und soll an dieser Stelle nicht verschwiegen werden, dass manchem unbemerkt vor Lachen einige Tränen über die Wangen rollten. Sämtliche Stücke wurden mit großer Bravour gespielt und darum auch von den Zuschauern mit nicht enden wollenden Applaus aufgenommen. Besonders aber verdient hervorgehoben zu werden obiges Theaterstück: Wurst wider Wurst oder „Du sast lachen und maust lachen“, ferner „Der schöne Hahnemann“, Freund Fritze, der fidele Berliner Bäckerjunge. Darum allen wackeren Spielern die größte Anerkennung für ihre exakte Aufführung. Gegen acht Uhr erreichte das Konzert ein Ende, und ein gemütlicher Ball reihte sich daran, der die Teilnehmer in fröhlicher Stimmung zusammen hielt, wozu nicht wenig die vortreffliche Küche und der vortreffliche Keller des Vereinswirts beigetragen haben. Kein Misston trübte die Feier, und gewiss sind alle Teilnehmer geschieden mit dem schönen Bewusstsein, ein gemütliches Fest gefeiert zu haben. Dem Verein Union-Geisecke aber wünschen wir ein kräftiges vivat, crescat, floreat.

 

Schwerter Zeitung vom 04. 10. 1892

Geisecke, 29. Sept. Drei jugendliche Bergleute aus Sölde machten am Sontag Nachmittag einen Ausflug nach hier und sprachen dem Bier und Schnaps tüchtig zu. Auf dem Heimweg nach Sölde zertrümmerten sie aus purer Rauflust unter den Worten „Die Bauern brauchen keine ganzen Brocken mehr, wir haben auch keine“, einen am Wege stehenden Eggeschlitten. Von den Trümmern desselben versah sich dann jeder mit einem Stück und lustig zogen sie weiter. Die Friedsamkeit währte aber nicht lange bei ihnen. Kaum einige Schritte weiter gegangen, bekamen dieselben unter sich Streit, in welchem der eine Ausflügler derartig schwer von seinen beiden Freunden misshandelt wurde, dass er besinnungslos liegen blieb

 

Schwerter Zeitung vom 13. 10. 1892

Schwerte, 12. Okt. Am vergangenen Samstag brach in der Frühe des Morgens gegen 5 Uhr im benachbarten Lichtendorf Feuer aus. Das Haus des Landwirts Brüggemann stand im Nu in hellen Flammen, und das Feuer hatte an den eingebrachten Kornvorräten reichliche Nahrung, sodass das Gebäude bis auf den Grund niederbrannte und nur das Vieh gerettet werden konnten.

 

Schwerter Zeitung vom 06. 12. 1892

Geisecke, 5. Dez. In einem Gehölz bei Geisecke fand man am Freitagabend einen jungen Mann, Vater von 3 Kindern, mit durchschossener Schläfe vor. Die Kugel sitzt noch im Gehirn und ist aus nächster Nähe abgegeben. Der Betreffende liegt lebensgefährlich verletzt im hiesigen ev. Krankenhause. Selbst wenn er genesen sollte, dürfte er seines Augenlichts verlustig sein.

Geisecke, 5. Dez. Die am 22. Nov. hierselbst vorgenommene Stadtverordnetenwahl ergab die Wahl der Herren Fr. Exsternbrink und H. Wille von der 2. resp. 3. Abteilung.

Lichtendorf, 5. Dez. Zu Gemeindeabgeordneten wurden von der 1. Abteilung die Herren H. Wort-mann und der Wiesenbauer H. Flunkert wiedergewählt resp. gewählt.

 

Schwerter Zeitung vom 09. 02. 1893

Geisecke, 6. Febr. Der Gesangverein „Union“ feierte am gestrigen Tage den Geburtstag Sr. Majestät des Kaisers durch Konzert, Theater und Ball in den Lokalitäten des Herrn Exsternbrink. Nach einigen einleitenden Musikvorträgen der Kleff´schen Kapelle aus Aplerbeck, eröffnete der Dirigent Kretschmar, Hennen, die Feier durch eine Rede, in welcher er auf die Bedeutung des Tages hinwies und schloss mit einem Hoch auf den Kaiser, in welches die Festteilnehmer begeistert einstimmten. Nach den abwechselnden Gesang- und Musikvorträgen wurde ein Theaterstück (Nathan der Weise) gegeben, welches vorzüglich gespielt wurde und rauschenden Beifall fand. Der Ball vereinigte die Festbesucher bis zur frühen Morgenstunde.

 

Schwerter Zeitung, 07. 07. und 09. 07. 1897

Schützengilde Lichtendorf-Geisecke. Am Sonntag den 11. Juli d. Js. nachmittags 6 Uhr findet beim Wirt Eichmann zu Geisecke eine Versammlung statt, in welcher über die Feier eines nächst jährigen Schützenfestes beraten werden soll. Interessenten und der Vorstand der alten Gilde sind hierzu herzlich eingeladen.

Das provisorische Komitee.

 

Schwerter Zeitung, 14. 07. 1897

Lichtendorf,18. Juli. Die Schützengilde Lichtendorf Geisecke, die seit 30 Jahren geruht hat, das letzte Schützenfest wurde im Jahre 1868 gefeiert- soll wieder in Tätigkeit treten. Am vergangenen Sonntag, nachmittags 6 Uhr, fand im Saale des Wirts Eichmann zu Geisecke eine von 70 bis 80 Personen besuchte Versammlung statt, um über die Feier des nächstjährigen Schützenfestes zu beraten. Es waren auch noch 7 Mitglieder der früheren Gilde erschienen. Herr H. Kleff vom Lamberg eröffnete die Versammlung mit einem Hoch auf dem Kaiser. Sodann wurde ein provisorischer Vorstand gewählt, der die nötigen Vorbereitungen treffen soll. Derselbe besteht aus den Herren Kleff, Middelmann, Rosenberg und Hosang aus der Gemeinde Lichtendorf, und aus den Herren Schäfer, Ortmann, Böhmer und Bährensmann aus der Gemeinde Geisecke. Die Fahne der alten Schützengilde ist noch vorhanden und befindet sich beim Wirt Hauske; dieselbe stammt aus dem Jahre 1838 und ist von den Frauen damals angefertigt worden. Auch ist noch ein Sparkassenbuch der früheren Schützengilde vorhanden. Die Statuten sind verloren gegangen, eine Abschrift derselben befindet sich aber noch auf dem Amte Westhofen. Mit einem Hoch auf die anwesenden Mitglieder der früheren Schützengilde wurde die Versammlung geschlossen. Der provisorische Vorstand wird sich in der nächsten Zeit wieder versammeln und die noch lebenden Schützen des früheren Vorstandes dazu einladen.

 

Schwerter Zeitung, 25. 08. 1897

Bekanntmachung

Die Reparatur des Spritzenhauses oberhalb der Schule zu Geisecke, veranschlagt zu 240 Mk., soll am Sonnabend den 28 August d. Js. nachmittags um ½ Uhr im Lokale des Wirts Friedrich Schulte, genannt Höppe, zu Geisecke, öffentlich mindestfordernd verdungen werden.

Westhofen, den 14 Aug. 1897

Der Amtmann

I. V. Der Beigeordnete

Dieckerhoff

 

Schwerter Zeitung, 16. 10. 1897

Schützengilde Lichtendorf-Geisecke. Sonntag, den 17 d. M., nachmittags ½ 4 Uhr, im Lokale des Wirts Hauske zu Eichholz Versammlung. Statuten sind zur Stelle. Nachher Freibier.

 

Schwerter Zeitung, 23. 04. 1898

Schützen-Gilde Lichtendorf-Geisecke. Am Sonntag den 24. d. Mts., nachmittags 3 Uhr, beim Wirt Hauske zu Eichholz Versammlung. Nachher soll verdungen werden: 1. Lieferung des Festzeltes. 2. Verding der Restauration. 3. Böllerschießen. 4. Ladung der Büchsen. 5. Trommeln. 6. Lieferung der Mützen. 7. Lieferung der Gewehre. 8. Stellung des Clown.

Der Vorstand.

 

Schwerter Zeitung, 27. 04. 1898

Lichtendorf, 26 April. Beim Wirt Hauske zu Eichholz fand am vergangenen Sonntag, nachmittags 3 Uhr, eine Versammlung der Schützengilde Lichtendorf-Geisecke statt. Dieselbe wurde mit einem Hoch auf den Kaiser eröffnet. Dann fand der Verding für das im Juni stattfindende Schützenfest statt. Die Lieferung des Festzeltes hat ein Herr aus Westig im Preise von 625 Mark übernommen. Die Restauration erhielt Herr Feist aus Schwerte. Derselbe zahlt dem Verein 700 Mk. und hat außerdem für Abfuhr des Zeltes vom Bahnhof Schwerte und für Beköstigung der Musik zu sorgen. Das Böllerschießen übernahm Herr Pampus-Overberge für 40 Mark; die Ladung der Büchsen, Lieferung der Vogelstange nebst Vogel hat Herr Haselhoff-Berghofen angenommen, er zahlt dem Verein noch 20 Mk. Das Trommeln hat Herr Krumme-Schwerterheide angenommen. Er stellt 5 Mann und erhält 80 Mk. Die Lieferung der Mützen besorgt Herr Stern-Schwerte, das Stück zu 60 Pf, Offiziersmützen zu 75 Pf. Herr Kötter hierselbst liefert die Gewehre, das Stück zu 85 Pf. An Standgeld für Karussell und Schaukel hat Herr Isken-Schwerte 20 Mk. Das Festzelt bekommt seinen Stand, auf der Weide des Herrn Gutsbesitzers Hohenschwert und erhält derselbe eine Entschädigung von 40 Mark.

 

Schwerter Zeitung, 21. 05. 1898

Schützen-Gilde Lichtendorf-Geisecke. Am Samstag den 22. Mai, nachmittags 5 Uhr, soll beim Wirt Eichmann zu Geisecke für das am 11. und 12. Juni d. J. zu seinem Schützenfest die Hauderei und das Aufstellen von Schieß- und Schaubuden öffentlich verdungen werden.

Lichtendorf und Geisecke, 20 Mai1898. Der Vorstand.

 

Schwerter Zeitung, 18. 06. 1898

 

Schützenfest zu Lichtendorf und Geisecke

Lichtendorf, 18. Juni. Unser sorgfältig vorbereitetes Schützenfest ist in großartiger Weise verlaufen, war doch damit auch die Jubelfeier des 60jährigen Bestehens verbunden. Im Jahre 1838 wurde die Schützengilde Lichtendorf-Geisecke ins Leben gerufen und in demselben Jahre das erste Schützenfest gefeiert. Die folgenden Feste fanden in den Jahren 1850, 1857 und 1867 statt, das letzte also vor 31 Jahren. Schützenkönig war damals der verstorbene Herr Schulte-Höppe. Schon in der Frühe des Morgens wurde das diesjährige Fest durch Reveille und Kanonendonner angekündigt. Nachdem um 5 ½ Uhr die 3. Kompagnie vom Oberst Druffel die Fahne abgeholt hatte, traten gegen 6 Uhr sämtliche Schützen auf dem Festplatz an, woselbst General Berger eine Ansprache hielt und dann ein Hoch auf den Kaiser ausbrachte. Nun trat die stattliche Anzahl von Schützen, gegen 250, den Festzug durch die herrlich geschmückten Gemeinden Geisecke, Lichtendorf und Overberge an, der gegen 3 ½ Stunden dauerte. Um 11 Uhr begann in Dieckerhoffs Wäldchen bei schönstem Sonnenschein das Vogelschießen. Den ersten Schuss erhielt Herr Fritz Schulte-Höppe, der Sohn des verstorbenen letzten Königs, den zweiten Herr Amtmann Graf v. Haslingen. Die ausgesetzten Preise auf Krone, Zepter und Reichsapfel wurden von Herrn Düsing- Eichholz, Middelmann, Eichholz, und Steinweg-Lichtendorf errungen. Endlich nach heißem Kampfe fiel gegen 6 Uhr der Königsschuss. Mit lautem Jubel wurde der glückliche Schütze, Schreinermeister Ludwig Kötter aus Lichtendorf als König Ludwig der I. proklamiert. Er wählte seine Frau als Königin. Herr Lehrer Beckmann aus Geisecke hielt dann eine kernige Ansprache, die mit einem Hoch auf das Königspaar endete. Nun erfolgte der Aufbruch zum Festzelte auf der Weide des Herrn Hohenschwert, woselbst zunächst Parademarsch vor den Majestäten erfolgte. Konzert und Ball schlossen den brillant verlaufenen ersten Festtag. – Am zweiten Tage war von 11–1 Uhr Frühkonzert. Nachmittags um 3 Uhr traten die Schützen zum Abholen des Königspaares an, wonach dann der Rückmarsch zum Festzelte erfolgte. Beim Konzert der Kugel´schen Bergkapelle aus Sölde entspann sich dann ein heiteres Treiben; mehrere Karussells, Schießbuden und sonstige Schaubuden sorgten für Volksbelustigungen. Die Teilnahme der verschiedensten Ortschaften war derartig zahlreich, dass das prächtig geschmückte Festzelt nicht alle Besucher fassen konnte. Bei dem herrlichen Wetter war das Fest auch von Auswärtigen sehr rege besucht. Abends fand großer Festball statt. Beide Tage sind in schönster Weise verlaufen und kann wahrlich jeder Teilnehmer nur mit dem Bewusstsein zurückblicken, wirklich herrliche Tage verlebt zu haben.

 

Schwerter Zeitung, 13. 07. 1898

 

Geisecke, 13. Juli. Gestern Abend reizten zwei kleine Burschen 10 Alter von 6–8 Jahren den Hund eines hiesigen Schäfers. Nicht lange lies dieser sich die Neckereien gefallen, fiel über einen der Knaben her und bearbeitete dessen Waden derart, dass der arme Schelm besinnungslos in ärztliche Behandlung gegeben werden musste. Hoffentlich zieht der Fall keine schlimmen Folgen nach sich, mag aber unserer Jugend zur Warnung dienen.

 

Schwerter Zeitung, 01. 08. 1898

 

Geisecke, 1. August. Die hiesige Zuchtgenossenschaft hat vor einigen Tagen einen neuen erstklassigen belgischen Hengst erworben und trifft künftigen Freitag auf der Station ein. Derselbe ist 1,80 Meter hoch, braun mit Stern. Bei Gelegenheit der landwirtschaftlichen Generalversammlung soll derselbe künftigen Samstag beim Wirt Herrn Carl Böhmer zu Schwerte vorgeführt werden. Wir weisen auf das diesbezügliche Inserat in heutiger Nummer besonders hin.

 

Schwerter Zeitung, 15. 08. 1898

 Geisecke, 15. Aug. Am vergangenen Sonntag saßen am Wellenbad zwei witzige Jungen zusammen und unterhielten sich über das viele Wasser in diesem Jahre. Im Laufe des Gesprächs meinte der eine: „Weißt Du nit, wo eigentlich oll dat Water blit?“ Die prompte Antwort war: „Dat well eck di woll segen, do in dem grauten Meer, do daut soau ville Diere krupen, die daut dat Water olle supen!“

 

Schwerter Zeitung, 17. 08. 1898

 Geisecke, 17. Aug. Der Wirt Heinrich Exsternbrink an der Ruhrfähre hat aus Anlass der großen Hitze und des dadurch hervorgerufenen allgemeinen Verlangens die Badehäuschen, welche er wegen der Hochflut wiederholt hatte wegnehmen lassen, wieder eigerichtet, sodass wieder nach Herzenslust gebadet werden kann. Es herrscht darüber bei allen Badelustigen und Badebedürftigen große Freude; gibt es doch wohl nichts, was Körper und Geist so erquickt, als ein Wellenbad an der Ruhrfähre in Geisecke.

 

Schwerter Zeitung, 05. 11. 1898

 Geisecke, 5. Nov. Auf noch nicht aufgeklärte Weise brach heute Abend zwischen 6 und 7 Uhr in dem Wohnhause des Gutsbesitzers Rutenborn hierselbst Feuer aus. An ein Löschen war nicht zu denken und musste man sich darauf beschränken, Scheune und Backhaus kalt zu halten. Das Wohnhaus brannte bis auf den Grund nieder.

 

Schwerter Zeitung, 30. 11. 1898

 Overberge, 30. Nov. Ein Raub, der wohl seinesgleichen vergeblich suchen dürfte, passierte hier am vergangenem Freitagabend. Während der Bergmann G. sich auf Schicht befand, drangen zwei Männer in die Wohnung desselben und verlangten im frechsten Tone Geld. Die geängstigte Frau wollte ihre sauer ersparten Groschen natürlich nicht hergeben. Mit dieser Weigerung kam sie aber nicht durch. Die unverschämten Gesellen, welche sich durch Bärte anscheinend unkenntlich gemacht hatten, ergriffen die vergeblich um Hülfe rufende frau, steckten ihr, um weiteres Schreien zu verhindern, ein Tuch in den Mund und knebelten die Arme in unbarmherzigster Weise. Nachdem sie sich so Sicherheit verschafft hatten, nahmen die Räuber eine gründliche Hausdurchsuchung vor. Alles wurde durchwühlt und nicht eher ließen sie nach, bis ein Betrag von über 100 Mark in ihre verbrecherischen Hände gefallen war. Mit diesem entfernten sich die frechen Patronen dann, jedoch nicht ohne der Überfallenen noch die höhnische Aufforderung „fleißig weiter zu sparen, damit sie bei der baldigen Erneuerung ihres Besuches wieder etwas vorfänden“, zuzurufen. Mit dem baldigen Wiederkommen wird es hoffentlich nichts werden. Die Polizei ist eifrig auf der Suche und ist zu wünschen, dass die Verbrecher, von denen jetzt noch jede Spur fehlt, ermittelt werden. Etliche Jahre Zuchthaus werden dann wohl blühen.

 

Schwerter Zeitung, 21. 12. 1898

Geisecke,21. Dez. wie aus dem Inseratenteil ersichtlich ist, feiert der Gesangverein Germania Geisecke-Lichtendorf am 2. Weihnachtstage sein diesjähriges Winterkränzchen durch Konzert, Theater und Ball. Der Verein, welcher erst seit 2 Jahren besteht, hat es noch zu jedem Fest verstanden, den Teilnehmern frohe Stunden zu verschaffen. Auch zu diesem Fest sind große Vorbereitungen getroffen, sodass den Festteilnehmern ein genussreicher Abend bevorsteht. Es kommen mehrere Theaterstücke und Couplets zur Aufführung, die sicherlich ihre Wirkung auf die Lachmuskel nicht verfehlen werden. Außerdem wird der junge, strebsame Verein unter Leitung seines tüchtigen Dirigenten mehrere Chorlieder singen. Da auch der Wirt, wie bekannt, stets für gute Speisen und Getränke sorgt und derselbe noch neuerdings eine neue Theaterbühne angelegt hat, so wünschen wir zu diesem Winterkränzchen dem Verein ein recht volles Haus.

 

Schwerter Zeitung, 09. 01. 1899

Lichtendorf, 9. Jan. Vorgestern Abend brach in dem Hause des Schuhmachermeisters Göb auf dem benachbarten Lamberg Feuer aus, das bei dem Mangel an Wasser schnell um sich griff und das Haus vollständig einäscherte. Die Ursache des Brandes ist noch unbekannt.

 

Schwerter Zeitung, 22. 02. 1900

Geisecke, 22. Febr. Vor einigen Tagen haben hier und in den Ortschaften Lichtendorf und Ostberge seitens eines Postbeamten Iserlohn Erhebungen über den Brief- und Paketverkehr stattgefunden, woraus zu schließen ist, dass man sich an zuständiger Stelle mit dem Gedanken trägt, hier eine Posthülfstelle zu errichten. In der Hoffnung einer baldigen Verwirklichung können wir die Absicht der Postbehörde nur mit Freuden begrüßen, denn es ist schon sehr lange als ein Bedürfnis empfunden, hier eine Postabfertigungsstelle zu besitzen. Abgesehen von den Beschwernissen, mit denen die beiden Postboten des hiesigen Bestellbezirks, die nur durch die öftere glückliche Zufälligkeit, in den denselben Weg machenden Milchkarren bereitwilliges Pferdetransportmittel zu finden, den Adressaten den Bezug einer pünktlichen Bestellung geben können, zu kämpfen haben, sind die Adressaten in einer nicht minder misslichen Lage durch das Fehlen einer Abfertigungsstelle. Bei der Errichtung einer solchen möchten wir jedoch raten, das Verwaltungsamt nicht in private Hände zu legen, denn wir können die Befürchtung nicht verhehlen, dass vielfache Umstände einen derartigen Verwalter vielleicht oft hindern könnten, die nun einmal notwendige peinliche Pünktlichkeit innezuhalten. Wenn was geschaffen werden soll, ist es besser gleich was Ganzes, eine wohlbestallte Posthülfstelle.

 

Schwerter Zeitung, 17. 12. 1906

Lichtendorf,17. Dezember (Einweihung der katholischen Notkirche.) Ein Freudentag war der gestrige für die hiesige kleine katholische Gemeinde, wurde doch die schmucke kleine, dem heiligen Bonifatius geweihte Notkirche unter zahlreicher Teilnahme auch aus der Muttergemeinde Schwerte eingeweiht und ihrer Bestimmung übergeben. Die Konsekration wurde von Herrn Pastor Schnurrbus vorgenommen. An die Benediktion schloss sich ein feierliches Leviten Amt. Nachmittags um 5 Uhr begann im Saale des Herrn Lünschermann die sehr gut besuchte Festversammlung.

Lange schon war das Bestreben der hier wohnenden Katholiken, ein eigenes Gotteshaus und einen eigenen Seelsorger zu erhalten. Vor ca. 15 Jahren wurde ein Kirchenbauverein gegründet, der die Mittel zum Ankauf eines Baugrundstücks beschaffte. Die Zahl der in Lichtendorf und Umgebung wohnenden Katholiken beträgt ca. 900. In Lichtendorf sind zwei katholische Schulklassen mit 100 Schulkindern. Ebenso viele Schulkinder der Gemeinde Sölderholz, welche zum Missionsbezirk gehört, besuchen die katholischen Schulen in Sölde. Mit Rücksicht auf diese Seelenzahl war die Errichtung einer eigenen Seelsorge wohl ein Bedürfnis. Auch ist die Entfernung von der Pfarrkirche in Schwerte eine recht erhebliche, bis zu 1¼ Stunde. Daher war der Kirchenbesuch, besonders im Winter, den dortigen Katholiken sehr erschwert. Die Ausführung des erstrebten Werkes hatte jedoch mit vielen Schwierigkeiten zu kämpfen. Die Bewohner von Lichtendorf und Umgebung gehören größtenteils dem Arbeiterstande an, die nur kleine Beträge für diesen Zweck opfern konnten. Die Muttergemeinde Schwerte war auch anfangs nicht in der Lage, helfend eingreifen zu können, zumal dieselbe selbst mit der großen Aufgabe beschäftigt war, ein neues ausreichendes Gotteshaus zu beschaffen. Nachdem diese Aufgabe gelöst war, wurde das Augenmerk auf die Errichtung der Missionsgemeinde Lichtendorf gerichtet. Der Bonifatius-Verein griff helfend ein und in kurzer Zeit waren die Mittel gesammelt, sodass an die Erbauung eines Notkirchleins gedacht werden konnte. Bereits im vorigen Herbst wurde mit der Abhaltung von Gottesdienst an den Sonntagen in der alten katholischen Schule in Lichtendorf begonnen. Ostern diesen Jahres wurde durch die bischöfliche Behörde in Paderborn, in Person des hochwürdigen Seminarpriesters Böddeker ein eigener Seelsorger für Lichtendorf ernannt. Mittlerweile war die Genehmigung der vorgesetzten Behörde eingeholt, sodass im Sommer diesen Jahres mit der Ausführung desselben begonnen werden konnte. Nunmehr steht dasselbe vollendet da. Klein zwar ist‘s das Kirchlein auf steiler Bergeshöhe, doch genügt es vorläufig, ausreichend den vorliegenden Bedürfnissen.

 

Schwerter Zeitung, 02. 07. 1907

Geisecke, 2. Juli (Ein entsetzliches Unglück,) durch das ein junges Menschenkind getötet und eine brave Familie in tiefe Trauer je gestürzt wurde, hat sich gestern Nachmittag zugetragen. Als nachmittags die beiden Mädchen des Schmiedemeisters Stricker zur Schule gingen, auf welchem Wege sie die erste Schranke vor dem Bahnhof Geisecke nach Schwerte passieren mussten, war diese geschlossen, weil ein Güterzug heran nahte. Die 9jährige Anna sagte nun zu ihrer Schwester, sie käme noch hinüber und, ehe diese si zurückhalten konnte, war sie unter der Schranke hindurch geschlüpft und lief eilends nach drüben. Vor dem schnell sich nähernden Zuge mag sie dann wohl aufgeregt worden sein, denn sie stolperte über eine Schiene, fiel und wurde, als sie sich aufrichtete schwer von einem Puffer des vorbeifahrenden Zuges am Kopf getroffen. Schwerverletzt blieb sie mit ihren Kleidern hängen und wurde noch mehrere Meter mitgeschleift. Das entsetzte Schwesterchen hatte mit starrem Auge dem entsetzlichen Vorgang zugeschaut und rief jetzt jammernd Leute herbei, die das unglückliche Kind in die elterliche Wohnung trugen. Wohl riefen die erschreckten Eltern sofort einen Arzt aus Schwerte herbei, aber auch dieser konnte nur noch den eingetretenen Tod konstatieren. Man soll Kindern immer einschärfen, unter allen Umständen die geschlossene Eisenbahnschranke zu respektieren.

 

Schwerter Zeitung, 12. 03. 1913

Geisecke,11. März. (Industrielle Ansiedlung.) Schon wieder schwirren hier bestimmte Gerüchte in der Luft, welche von großen Grundstücksankäufen in hiesiger Gemeinde zwecks Errichtung eines Eisen- und Stahlwerkes etwas wissen wollen. Hoffentlich verdichten sich diese schon so oft aufgetauchten Gerüchte endlich zu Tatsachen.

 

Schwerter Zeitung, 15. 05. 1913

Geisecke, 15. Mai. (Wahlmänner.) Für die Gemeinden Geisecke, Lichtendorf und Villigst, welche bekanntlich zusammen einen Wahlbezirk bilden und in der evangelischen Schule in Geisecke wählen sind von nationaler Seite folgende Wahlmänner aufgestellt worden: In der 1. Abteilung Landwirt Ewald Dieckerhoff, Lichtendorf, und Landwirt Heinrich Spaemann, Geisecke; in der 2. Abteilung Betriebsingenieur Wilhelm Hidding, Villigst, und Landwirt Heinrich Poth, Lichtendorf; in der 3. Abteilung Lehrer Wilms, Lichtendorf und Schachtmeister Theodor Wachholz, Geisecke.

 

Schwerter Zeitung, 06. 06. 1913

Geisecke, 5. Juni. (Blitzschlag) Bei dem gestrigen Gewitter wurde dem Landwirt Berge von hier ein wertvolles Pferd auf der Weide vom Blitz erschlagen.

 

Schwerter Zeitung, 10. 06. 1913

Geisecke, 10. Juni 1913 (Schadenfeuer) Schon wieder musste gestern Abend unsere junge Feuerwehr eine Probe ihres Könnens ablegen. In einer großen Scheune des Schulte-Höppeschen Anwesens war Feuer ausgebrochen, welches mit unheimlicher Schnelligkeit um sich griff, sodass das ganze Gebäude in ganz kurzer Zeit einen gewaltigen Feuerherd bildete. Die hiesige Feuerwehr, welche sehr prompt zur Stelle war und auch die alsbald auf der Brandstätte eintreffende Feuerwehr Schwerte bekämpften das Feuer zwar sehr energisch, doch war an ein Retten des Gebäudes nicht mehr zu denken; man musste sich auf das Kalthalten eines angebauten, zu Wohnzwecken benutzten Gebäudes, dessen Dachgiebel auch bereits Feuer gefangen hatte, beschränken, welche Bemühungen denn auch von Erfolg gekrönt waren. Die Scheune ist total niedergebrannt, auch sind größere Heu und Strohvorräte, sowie verschiedene landwirtschaftliche Maschinen und Geräte ein Raub der Flammen geworden. Der Schaden ist jedoch durch Versicherung gedeckt. Über die Entstehungsursache des Feuers ist nichts bekannt.

 

Schwerter Zeitung, 04. 08. 1913

Lichtendorf, 3. Aug. (Großfeuer.) In der vorletzten Nacht entstand auf der Besitzung des Bergmanns A. Kramer zu Lamberg Feuer, welches sehr schnell um sich griff und in kurzer Zeit das ganze Anwesen bis auf die Grundmauern zerstörte. Über die Entstehungsursache des Feuers ist noch nichts bekannt. Der Schaden ist ziemlich bedeutend, jedoch durch Versicherung gedeckt.

 

Schwerter Zeitung, 14. 04. 1914

Geisecke,14. April. (Aus dem Schulvorstande Geisecke-Lichtendorf) In der letzten Sitzung des Gesamt-Schulvorstandes Geisecke-Lichtendorf wurde u. a. beschlossen: Das Schreiben des Königlichen Spezialkommissars Melchior zu Dortmund vom 24. März d. J. betreffs Errichtung von Rentengütern in der Gemeinde Geisecke durch den gemeinnützigen Bauverein zu Holzwickede wurde zur Kenntnis mitgeteilt und eingehend erörtert. Der Schulvorstand hat gegen die beabsichtigte Ansiedlung keine Einwendungen zu machen, da eine Änderung oder Neuordnung der Schulverhältnisse hierdurch nicht erforderlich erscheint, zumal ohnehin schon infolge der Bahnerweiterungsbauten ein Schulneubau in Aussicht genommen ist und die dazu erforderlichen Vorbereitungen bereits schon eingeleitet sind. Die alte Schule in Geisecke soll mit Wasserleitung versehen werden.

 

Schwerter Zeitung, 16. 04. 1914

 (Überfall.) Auf der Kreisstraße in Geisecke wurde gestern Abend der Arbeiter Wisnowski von hier, von zwei Strolchen überfallen, schwer misshandelt und seiner Barschaft beraubt. Von den Räubern fehlt noch jede Spur.

 

Geisecke,16. April (Aus dem Gemeinderat.) In der letzten Sitzung der Gemeindevertretung wurde u. a. folgendes verhandelt und beschlossen: Gegen die geplante Errichtung von Rentengütern für Arbeiter auf dem Gockel´schen Grundstück fand sich nichts zu erinnern. Die Errichtung eines Standesamtes wurde einstimmig abgelehnt. Weiter wurden die Kosten für die Versetzung von vier Reichstelegraphenstangen bewilligt. An der Bahnhofstraße hierselbst wird ein Fußsteig gewünscht, und ist die Gemeinde bereit, den hierzu erforderlichen Landstreifen abzutreten, wenn die Eisenbahnverwaltung den betreffenden Bürgersteig herstellen lässt.

 

Schwerter Zeitung, 22. 04. 1914

Geisecke,22. April (Schulpersonalien.) Der für die hiesige einklassige evangelische Schule gewählte Lehrer Kötter [gemeint ist Lehrer Pötter] aus Hohenlimburg hat mit Beginn des neuen Schuljahres sein Amt übernommen. Der bisherige Vertreter Herr Lehrer Schnell, ist nach Eiserfeld versetzt worden.

 

Lichtendorf,22. April. (Hohes Alter.) Am heutigen Tage kann der Herr Gutsbesitzer Dieckerhoff, der früher lange Jahre als Vorsteher die Geschicke unserer Gemeinde geleitet hat, in voller Rüstigkeit und Frische seinen 80. Geburtstag feiern. Wir sprechen dem allseits beliebten Geburtstagskinde, welches sich trotz seines hohen Alters noch vielfach im öffentlichen Leben betätigt, u. a. ist D. Beigeordneter des Amtes Westhofen, unsern besten Glückwunsch aus. Möge er sein Wiegenfest noch manches Jahr feiern können.

 

Schwerter Zeitung, 04. 05. 1914

Geisecke, 4. Mai. Verschwunden ist seit Donnerstag der Schlosserlehrling, Heinrich Vetter von hier. V. wollte an dem genannten Tage mit dem Zuge 8:34 Uhr von Schwerte nach Magdeburg fahren, ist jedoch in Magdeburg bisher noch nicht angekommen. V. ist zirka 1,70 Meter groß, von schlanker Figur, hat blaue Augen und hellblondes Haar. Er trug braunen Filzhut, hellgrauen Anzug, schwarze Schuhe. Ob ihm ein Unglück zugestoßen ist, konnte bisher noch nicht festgestellt werden.

 

Schwerter Zeitung, 24. 07. 1914

 (Unfall.) Im Bahnhof Geisecke erlitt der Arbeiter Johann Urban dadurch einen schweren Unfall, dass ihm beim Abladen von Eisenschienen eine derselben auf die Brust fiel. Der Verunglückte wurde ins katholische Krankenhaus gebracht.

 

Schwerter Zeitung, 15. 08. 1914

Geisecke,14. August. (Statistisches.) Im Jahre 1913 wurden auf der hiesigen Eisenbahnstation 36 214 Fahrkarten verkauft, gegen 27 480 im Vorjahr.

 

Schwerter Zeitung, 16. 08. 1914

Geisecke,16. August (Schulvorstand.) In der Sitzung des Schulvorstandes des Gesamtschulverbandes Geisecke-Lichtendorf wurde Folgendes verhandelt und beschlossen: Die an den Schulen notwendigen Reparaturen sollen ausgeführt und die Arbeiten öffentlich vergeben werden. Die Erhöhung der Ortszulagen wurde bis zur Etats Beratung zurückgestellt. Das Protokoll der Kommission für den Neubau einer Schule wurde mitgeteilt. Es wird in Aussicht genommen, zum Herbst d. Js. einen weiteren Lehrer anzustellen, wenn ein geeigneter Unterrichtsraum beschafft ist Der Handarbeitsunterricht an den Schulen wird anderweitig geregelt.

 

Schwerter Zeitung, 20. 08. 1914

Geisecke,19. August. (Bahnhofsbezeichnung.) Vom 1. Oktober erhält der hiesige Bahnhof die Bezeichnung Geisecke (Ruhr).

 

Schwerter Zeitung, 01. 10. 1914

Geisecke, 1. Oktober. Das eiserne Kreuz hat auch ein Sohn unserer Gemeinde erworben, der Gefreite der Reserve, Kaufmann Heinrich Bährensmann. Derselbe hat an den Kämpfen bei Reims teilgenommen und wurde wegen seiner Tapferkeit mit dem Ehrenzeichen dekoriert. Wir sprechen dem wackeren Krieger unseren herzlichen Glückwunsch aus.

 

Schwerter Zeitung, 07. 10. 1914

 

Geisecke, 6. Okt. (Freiwillige Feuererwehr.) Die bisherige Brandwehr Geisecke-Lichtendorf ist auf ihren Antrag mit Genehmigung des Königlichen Landrats in eine freiwillige Feuerwehr umgewandelt. Zum Brandmeister der Wehr wurde gewählt der Zimmermeister Wilhelm Hosang in Lichtendorf und zu dessen Stellvertreter der Schuhmachermeister Friedrich Naust in Geisecke.

 

Schwerter Zeitung, 12. 10. 1914

 

Geisecke,11. Oktober. (Unfall.) Von einem schweren Unfall wurde gestern Abend im hiesigen Bahnhof der Weichensteller Danielowitsch betroffen. Der Wagen eines ausfahrenden Zuges traf den etwa 45 Jahre alten Mann so unglücklich an den Kopf, dass er eine schwere Schädelverletzung erlitt, außerdem trug er einen Rippenbruch davon. Der Verunglückte wurde nach Schwerte ins Krankenhaus gebracht.

 

Lichtendorf,10. Oktober. (Kriegsliebesgaben.) Die hiesige Gemeindevertretung bewilligte 500 Mk. zur Unterstützung der Hinterbliebenen der auf dem Felde der Ehre Gefallenen. Durch Sammlungen in der Gemeinde wurden für die Pflege verwundeter Marinemannschaften 53 Mk. aufgebracht, ferner ein Betrag von 400 Mk, der dem Hilfsausschuss überwiesen wurde.

 

Schwerter Zeitung, 28. 10. 1914

Geisecke,27. Oktober. (Kriegsliebesgabe.) Eine bei der hiesigen Einwohnerschaft veranstaltete Sammlung zur Unterstützung der notleidenden Ostpreußen ergab den stattlichen Betrag von 144,85 Mark. Bravo!

 

Schwerter Zeitung, 30. 10. 1914

Geisecke,30. Okt. (Doktorwürde.) Vor der philosophischen Fakultät der Münster´schen Wilhelms-Universität erwarb sich die Doktorwürde Herr Kandidat phil. Theodor Beckmann [F 10. 09. 1915], Sohn des von hier nach Münster verzogenen Lehrers Wilhelm Beckmann. Wir gratulieren.

 

Schwerter Zeitung, 20. 11. 1914

Geisecke,19. November. (Im Goldkranz.) Am gestrigen Tage konnten die Eheleute Schneider Hermann Ortmann und Frau Sophie geb. Stöhring, das schöne und seltene Fest der goldenen Hochzeit feiern. Dem Jubelpaare wurde ein kaiserliches Gnadengeschenk von 50 Mk. bewilligt; außerdem erfreute die ev. Kirchengemeinde Schwerte die alten Leute durch Überreichung einer prächtigen Bibel. Auch wir sprechen dem Goldbrautpaar unseren herzlichen Glückwunsch aus; möge ihm noch ein recht langer sonniger Lebensabend beschieden sein.

 

Geisecke,30. Dezember. (Bautätigkeit.) Um dem durch vermehrte Anzahl von Bahnbeamten bedingtem Wohnbedürfnis abzuhelfen, hat der gemeinnützige Eisenbahnbauverein an der Hohenzollernstraße, welche neu offengelegt ist und von der „Krümmde“ südlich von der Kreisstraße zum Bahnkörper abzweigt, sechs hübsche Einfamilienhäuser ausführen lassen. Die anderthalbstöckigen Gebäude, die mit einem geräumigen Stallanbau versehen sind und durchweg sechs bis acht Zimmer enthalten, auch Gartenland in Größe von einem halben Morgen haben, sind teilweise schon bezogen bzw. stehen unmittelbar vor der Bezugsfähigkeit. – Neben der alten, evangelischen Schule hat der Bahnbeamte Küppermann ein Wohnhaus mit Stall erbauen lassen, welches im nächsten Monat bezogen werden kann.

 

Schwerter Zeitung, 02. 02 1924

Lichtendorf, 1. Februar. Auf der Zeche „Margarethe“ in Sölde sind die Belegschaften wegen Mangel an Kohlenabsatz gezwungen, die Arbeit auszusetzen. In dieser Woche musste die Verwaltung genannter Zeche drei Feierschichten einlegen. Auch auf den benachbarten Zechen „Potsdam“, „Schleswig“, sowie „Karoline“ müssen die Bergleute und Angestellte mehrere Schichten von der Arbeit fernbleiben. Diejenigen Fuhrleute und Landwirte, die Kohlen von den genannten Zechen holen wollen, werden gut daran tun, wenn sie vorher telefonisch anfragen, ob die Zeche an dem betreffenden Tage in Betrieb ist, da an den Tagen wo der Betrieb feiert, keine Kohlen ausgegeben werden.

 

Schwerter Zeitung, 06. 02. 1924

Bewaffnete Eisenbahnräuber verhaftet.Montagabend in der Zeit von 7–9 Uhr ist eine Bande von Eisenbahnräubern auf der Eisenbahnstrecke von Holzwickede-Ostbergertunnel-Schwerte auf zwei fahrende Eisenbahngüterzüge gesprungen und hat an diesen Zügen mehrere Eisenbahnwagen während der Fahrt erbrochen und beraubt und beraubt. Schupo Beamte vom Bahnhof Schwerte begaben sich sofort zum Tatort, um die Eisenbahnräuber zu fassen. Sie wurden von den Tätern beschossen, worauf die Polizei das Feuer erwidern musste. Einer der Eisenbahnräuber konnte am Tatort festgenommen werden. Weitere drei Mittäter wurden im Laufe der Nacht und im Laufe des Tages von den hiesigen Landjägern und von den Polizeibeamten in Lichtendorf festgenommen und der hiesigen Polizei zugeführt. Ein weiterer Beteiligter von dem Polizeikommissar Berlitz in Holzwickede festgenommen worden. Die hier festgenommenen Personen sind sofort dem Untersuchungsgefängnis in Hagen zugeführt worden. Sie haben bereits ein Geständnis abgelegt. Drei der Eisenbahnräuber sind mit Schusswaffen versehen gewesen. Den Tätern wird eine Reihe von Eisenbahnberaubungen in fahrenden Zügen, die seit längerer Zeit fortgesetzt auf der angegebenen Strecke durchgeführt sind, zur Last gelegt. Ein Teil der geraubten Sachen konnte herbeigeschafft werden. Beweismaterial aus früheren Eisenbahnberaubungen ist gleichfalls gefunden worden. Als Täter sind ermittelt, Wilhelm Sch. aus Opherdicke, Ewald P. und Wilhelm H. aus Lichtendorf ferner Gustav und Emil St. aus Sölderholz.

 

Schwerter Zeitung, 13. 02. 1924

Bewaffnete Eisenbahnräuber.

Unter dieser Spitzmarke brachten wir in Nr. 31 der „Schwerter Zeitung“ einen Bericht über die Verhaftung jugendlicher Eisenbahnräuber. Hierzu wird uns von gutunterrichteter Seite noch mitgeteilt: Ein Teil der Spitzbuben gestand beim Untersuchungsrichter viele Diebstähle ein. Ein besonders umfangreiches Geständnis legte der Arbeiter Wilhelm Sch. aus Opherdicke ab; auf Grund dieser Aussagen konnten die Polizeiorgane den Anführer der großen Diebesbande, Bergmann Ludwig H. , Lichtendorf, Schulstraße wohnhaft, verhaften. Gleichzeitig wurde eine genaue Untersuchung des Hauses, in dem H. wohnt, vorgenommen. Anfänglich schien nichts Verdächtiges vorhanden zu sein, bis die Polizei dazu überging die Schränke von den Wänden zu abrücken; in einem Zimmer stieß man auf ein gewaltiges Warenlager. Märchenhaft waren die einzelnen Sachen hier in einem Geheimfach, das durch eine spanische Wand, die mit Tapete überklebt, war, von dem großen Zimmer abgetrennt war, aufgestapelt. Von der enormen Diebesbeute, die hier lagerte, sei nur einiges erwähnt: 15 Zentner Schmalz, eine große Anzahl Tuchballen, besonders Manchesterstoffe, Klubsesseln, 18 Kisten Margarine, usw. Unter Heu versteckt fand man einen großen Kübel verdorbenes Fett. Auch in einem tiefen Keller wurden große Vorräte gefunden. Allein aus diesem Hause wurden mehrere Wagen voll Diebesgut abgefahren. Aber auch in dem P.‘schen und .H. ‘schen Hause wurden viele Sachen beschlagnahmt, so allein in der L.‘schen Wohnung fünfzehn Gehrockanzüge. Der Bergmann L., der schon lange Zeit schwunghaften Handel trieb, ist jetzt flüchtig geworden, alle Häuser der Schulstraße wurden durchsucht, ebenso fanden auf dem Lamberg viele Hausdurchsuchungen statt. In einem Hause war Frau H. beim Verbrennen von Packpapier in zwei Öfen, als die Polizei erschien. Im Sölderholz wurden in einem Haus eine große Anzahl Säcke mit Roggen und Weizen beschlagnahmt; in einem anderen Hause fand man hundert Paar Schuhe und Pantoffeln; ja sogar in einem Brunnen, den die Feuerwehr durchsuchte, fand man mehrere Rollen Linoleum und Nessel. Trotzdem eine sehr große Anzahl von Polizeibeamten der umliegenden Gemeinden aufgeboten war, scheinen die Spitzbuben noch viele Ware, die aus den früheren Jahren herstammen musste, auf die Seite geschafft zu haben. Etwa dreißig Personen, Männer und Frauen, konnten bereits verhaftet werden, weitere Verhaftungen stehen bevor. Es befinden sich Familien darunter, von denen man wirklich nicht erwartet hätte, dass sie sich an so unsauberen, lichtscheuen Gewerbe beteiligt hätten. Der Anführer der Diebesbande, Ludwig H. , stand schon jahrelang in dem üblen Verdacht, Diebstähle zu verüben, aber er hat es meisterlich verstanden, sich so lange herauszureden, bis nun auch ihn das Schicksal ereilt hat. Das alte Sprichwort: „Es ist nichts so fein gesponnen, es kommt doch an die Sonnen“ bewahrheitet sich auch hier wieder. Die ehrliche Bevölkerung von Lichtendorf und Umgebung atmet erleichtert auf, sie ist durch die Verhaftung der raffinierten Räuberbande, die jahrelang die Gegend unsicher machte und die Diebstähle besonders bei kleinen Leuten vornahm, von einem schweren Druck befreit. Hoffentlich bekommen die Räuber die ihnen gebührende Strafe.

Wir erfahren noch: Inzwischen wurde Wilhelm W. aus Geisecke, der schon jahrelang als Anführer von Diebesgesellschaften in Verdacht stand, verhaftet und in das Gerichtsgefängnis Hamm überführt. Bei diesem wurden umfangreiche Vorräte, wie Ballen Seide, Stoffe aller Art, Wolle, die aus Eisenbahndiebstählen, besonders von den im Bahnhof Geisecke seit Monaten fortgesetzten Eisenbahnberaubungen herrühren, vorgefunden. Es wurde u. a. ein Küchenherd, in einer Kiste verpackt, aus der Erde ausgegraben, ein gestohlenes Klavier konnte beschlagnahmt werden. Wiederholt fanden Feuergefechte mit der Bande statt, deshalb war es bisher auch nicht möglich gewesen, diesen Räubern vollständig Einhalt zu gebieten. Selbst hier in Schwerte wurden gestohlene Fahrräder, Nähmaschinen beschlagnahmt. Man versteht, dass dadurch die Eisenbahnverwaltung ungeheuren wirtschaftlichen Schaden seit Jahren davontrug. H. , W. und . sind aus dem Gefängnis Holzwickede entwichen und flüchtig.

 

Schwerter Zeitung, 15. 02. 1924

Lichtendorf,15. Februar. (Aufklärung der Kirchendiebstähle.) Die in den letzten Wochen in der hiesigen katholischen Kirche ausgeführten Einbrüche haben durch die Verhaftung der Eisenbahnräuber Hemke, L. und Genossen jetzt gleichfalls ihre Aufklärung gefunden, da die Räuberbande auch diese Schandtaten auf dem Kerbholz hat. Hoffentlich wird den Raubgesellen eine recht exemplarische Strafe zuteil.

 

Schwerter Zeitung, 26. 08. 1924

Geisecke,25. August. (Umfänglichen Eisenbahndiebstählen) ist die Eisenbahn-Kriminalabteilung auf die Spur gekommen, teilweise reichen diese bis ins Jahr 1922 zurück. In der Angelegenheit sind bereits 11 Verhaftungen vorgenommen, weitere stehen kurz bevor. Die Sache zieht anscheinend sehr große Kreise.

 

Schwerter Zeitung, 28. 08. 1924

Lichtendorf, 28. August. Einen bösen Unfall erlitt gestern ein bei einem hiesigen Landwirt beschäftigter jugendlicher Arbeiter. Beim Schneiden von Häcksel geriet er mit der linken Hand so unglücklich zwischen die Messer der Maschine, dass ihm zwei Finger der Hand glatt abgeschnitten wurden. der Verunglückte fand Aufnahme im Krankenhaus. 

Schwerter Zeitung, 13. 09. 1924 

Geisecke,13. September. Der Bau des großen Lokomotivschuppens in der Nähe des hiesigen Bahnhofs, der nun bald eine greifbare Gestalt annimmt, mit den umfangreichen Erdbewegungsarbeiten ist man schon seit geraumer Zeit eifrigst beschäftigt, wird auch sonst noch große bauliche Veränderungen und Neuanlagen im Gefolge haben. So werden außer dem Lokomotiveschuppen selbst vorläufig etwa 120 Wohnungen für das erforderliche Maschinenpersonal eingerichtet, weiter eine neue zweiklassige Schule in der Nähe der jetzigen einklassigen ev. Schule. Eine umfangreiche Arbeit ist die geplante Verlegung der Schützenstraße zwischen Eichmann und Beckensträter, um die starke Steigung der Straße an dieser Stelle zu beseitigen, eine Anlage, die für die Bewältigung des Fuhrwerksverkehrs auf genannter Straße von der allergrößten Bedeutung ist. Gegenwärtig ist man dabei, die gewaltigen Bodenmassen, die von zwei Dampfbaggern auf dem eigentlichen Baugelände des Schuppens ausgehoben werden, zur Auffüllung der Talmulde zwischen der Eichmann‘schen Besitzung und dem Gehrenbach nach dort zu transportieren, zu welchem Zweck mehrere Feldbahngeleise eingebaut sind. Die Straße wird direkt hinter Eichmann nach links verlegt werden. Die umfangreichen Arbeiten dürften allerdings noch längere Zeit in Anspruch nehmen, unserem sonst so stillen Dörfchen, aber ein ganz anderes Gesicht geben.

Auch die beiden Kirchengemeinden, zu denen bekanntlich Geisecke gehört, tragen der Vergrößerung der Gemeinde insofern Rechnung, als sowohl von evangelischer wie auch von katholischer Seite der Bau von eigener Gotteshäuser erwogen wird und von beiden Seiten hier bereits Kirchenbauvereine gegründet sind; die ev. Gemeinde hat sich auch schon vor einiger Zeit ein 8 Morgen großes Grundstück für den Kirchenbau und Anlage eines Friedhofes gesichert. Geisecke geht jedenfalls einer großen Zukunft entgegen.

 

Schwerter Zeitung, 18. 09. 1924

Lichtendorf, 18. September. Der Schachtmeister Stanislaus Paluschek aus Lichtendorf und ein mit ihm an derselben Baustelle tätiger Vorarbeiter suchten sich gegenseitig aus der Arbeit zu verdrängen. Darüber kam es zu gelegentlichen Streitereien, die am 29. Juni in Tätlichkeiten ausarteten. Hierbei griff der heißblütige Stanislaus zum Messer und brachte seinem Gegner einige, zum Glück nur ungefährliche, Stiche in den Rücken und dessen Verlängerung bei. Das Hagener Schöffengericht brummte ihm für diese leichtsinnige Tat 3 Monate Gefängnis auf, die bei guter Führung mit 90 Mark Geldbuße abgelöst werden können.

 

Geisecke, 17. September. Ein tödlicher Unfall ereignete sich gestern auf dem Neubaugelände des Maschinenschuppens. Der etwa 20 Jahre alte Arbeiter Ewald Bader, der in Diensten der Firma Seippel-Oberbrügge stand, stürzte so unglücklich von einem Bau Zuge ab, dass mehrere Kleinbahnen über den Unglücklichen hinweggingen. Der Schwerverletzte wurde ins Krankenhaus nach Schwerte gebracht, wo er nach wenigen Stunden seinen Verletzungen erlag.

Schwerter Zeitung, 06. 10. 1924 

Geisecke, 6. Oktober. Die Untersuchung in der großen Eisenbahndiebstahlsache kann als abgeschlossen betrachtet werden. Gegen 30 Personen von hier, Lichtendorf und Umgegend, darunter zahlreiche Eisenbahner, ist Anklage wegen fortgesetzter Beraubung von Eisenbahnwagen erhoben worden. Die Diebstähle gehen bis in das Jahr 1918 zurück und reichen bis in den Juli dieses Jahres hinein, gestohlen wurde alles, was nicht niet- und nagelfest war, vor allen Dingen Lebensmittel und Kleider. Unter den Dieben befanden sich Leute die über 20 Jahre und länger bei der Eisenbahn tätig gewesen sind.

 

Schwerter Zeitung, 21. 10. 1924

Lichtendorf, 20. Oktober. Bei Ausübung ihres gefahrvollen Berufes verunglückten auf Zeche „Margarethe“ in Sölde die Bergleute Eickelmann und Fritz Most genannt Wigger durch herabfallen schwerer Gesteinsmassen aus dem Hangenden. Beide Bergknappen, die Ernährer großer Familien sind, wurden schwer verletzt in das Krankenhaus nach Schwerte gebracht

 

Schwerter Zeitung, 07. 02 1925

Lichtendorf,den 7. Februar.

Die Schützengilde von Geisecke-Lichtendorf, die nach 26 langen Jahren wieder zu regen Tätigkeiten zusammengefunden hat, will bekanntlich in diesem Jahre wieder ein großzügiges Schützenfest begehen. Es sind bereits weit über 100 Mitglieder, die sich gemeldet haben, und soll heute Abend 8 Uhr im Lokale des Gastwirts Friedrich Schulte-Höppe in Geisecke eine außergewöhnliche Versammlung stattfinden, in der auch wieder weitere Mitgliederanmeldungen getätigt werden können. Auch soll in dieser Versammlung die Vorstandswahl erfolgen.

 

 Schwerter Zeitung, 16. 02 1925

Lichtendorf, 15. Februar 1925

Gründung einer freiwilligen Feuerwehr. Am gestrigen Sonntag fand im Lokale des Wirts C. Hauske auf dem Eichholz unter Leitung von Amtmann Arndt, Westhofen, eine allgemeine Versammlung statt, in der die Gründung einer freiwilligen Feuerwehr beschlossen wurde. Amtmann Arndt schilderte in einem längeren Vortrage, wie außerordentlich wichtig eine gut ausgerüstete Wehr für eine Gemeinde ist, die besonders wie hier von „kleinen Leuten“ bewohnt ist. Er versprach, sich an maßgebender Stelle dafür einzusetzen, dass die junge Wehr die noch fehlenden Ausrüstungsgegenstände in aller Kürze geliefert bekommt; ebenso sollen die Schlaumaterialien ausgebessert werden. Als erster Brandmeister wurde August Thiemann, als stellvertretender Brandmeister Wilhelm Bruhne gewählt.

 

Geisecke, den 15. Februar.

Einen bedauerlichen Unfall erlitt der Hilfsförster Franz Lammert von der Kellerstraße in Hengsen, der beim Landwirt Fritz Krümmer in der Krümmde eine vom starken Sturm verursachte Dachreparatur ausbessern wollte. Beim Abstieg vom Dache tat Lammert einen Fehltritt und stürzte aus beträchtlicher Höhe, wobei er sich schwere Verletzungen am Kopfe und am rechten Arme zuzog. Der sofort hinzugezogene Dr. Goecke, Schwerte, verordnete die Überführung des Verunglückten in das Schwerter Krankenhaus, wohin ihn Landwirt Krümmer mit seinem Kutschwagen brachte. Es wird befürchtet, dass der Verletzte auch noch innere Verletzungen erlitten hat 

 

 Schwerter Zeitung, 23. 05. 1925

Eisenbahnräuber vor Gericht

Ende des Jahres 1923 wurden besonders auf der Strecke Holzwickede-Schwerte nachts Güterzüge beraubt. Vor der Einfahrt in den Ostberger Tunnel haben die Züge eine große Steigung zu überwinden und sind deshalb zu langsamer Fahrt gezwungen. Dies benutzten Diebesbanden, um auf die Züge zu springen, die Plomben von den Wagen zu reißen und aus dem gewaltsam geöffneten Wagen herauszuwerfen, was ihnen unter die Hände kam. Hilfsbereite Genossen sorgten dafür, dass die entwendeten Waren schleunigst in Sicherheit gebracht wurden. Manch Beutestück wurde auch liegen gelassen, wenn es den Geschmack der Eisenbahnräuber nicht entsprach oder unverwertbar schien. Wer in jener Zeit das Gelände beiderseits der Bahnstrecke abstreifte, konnte immer etwas finden, was von den Dieben im Stich gelassen worden war. Natürlich setzte die Eisenbahnverwaltung und die Polizeibehörden alle Hebel in Bewegung, um die Bande auf frischer Tat zu erwischen, das war aber nicht leicht, denn es waren gerissene Burschen, die sich zur Beraubung der Eisenbahnzüge verbunden hatten. Da gelang es am 1. Februar 1924, eine Bande auf frischer Tat zu überraschen, als sie gerade an die Arbeit gegangen war. So ohne weiteres ließen sich die Räuber, die bewaffnet waren, nicht festnehmen. Es entstand beim Ostberger Tunnel ein Feuergefecht zwischen ihnen und den Polizeibeamten, das mit Festnahme verschiedener Burschen endete. Zum Glück ist die Schießerei ohne Treffer verlaufen. Am 5. Juli 1924 hatten sich deswegen die Bergleute Wilhelm Sch. aus Hengsen, Ewald P. aus Lichtendorf, Wilhelm H. aus Lichtendorf, die Brüder Gustav St. und Emil St. aus Sölderholz vor dem Schwurgericht zu verantworten, dies hat den Sch. zu 1½ Jahren, den P. und den H. zu je 8 Jahren, den Gustav St. zu 6 Jahren und den Emil St. zu 4 Jahren Zuchthaus verurteilt. Bei den vier letzten brachte das Schwurgericht zum Ausdruck, dass sie sich zur gemeinsamen Verübung von Eisenbahndiebstählen verbunden gehabt hätten.

Gestern standen diese 5 Leute sowie die Bergleute Ludwig H. aus Lichtendorf, Heinrich Jungblut aus Aplerbeck, der Rangierarbeiter Heinrich St. jr. und der Bergmann Wilhelm Z. aus Lichtendorf vor dem Schöffengericht Dortmund, um sich wegen verschiedener anderer Eisenbahndiebstähle bzw. Hehlerei, Begünstigung und verbotenen Waffenbesitzes zu verantworte. Heinrich St. jr. wandte sich gegen die wider ihn erhobene Anklage wegen verbotenen Waffenbesitzes mit der Behauptung, dass er deswegen schon vom Amtsgericht Schwerte mit 20 Mark bestraft worden sei. Da sich diese Behauptung als richtig herausstellte, musste das Verfahren gegen ihn eingestellt werden. Die Angeklagten H. , P., Gustav und Emil St. waren geständig, Oktober bis Ende Dezember 1923 viermal Eisenbahnzüge beraubt zu haben. Da dem H. in Bezug auf die hier zur Aburteilung stehenden Diebstähle nichts Strafbares nachgewiesen werden konnte, musste er freigesprochen werden. Die Verteidiger verlangten Einstellung des Verfahrens gegen diese vier Angeklagten. Das Schöffengericht schloss sich der Ansicht der Verteidiger an, da die hier in Frage kommenden Straftaten schon durch das Hagener Urteil erledigt seien, und erkannte auf Einstellung des Verfahrens gegen diese Angeklagten.

Damit ist das Strafverfahren gegen die Eisenbahnräuber aus der Schwerter Gegend noch nicht abgeschlossen. Am 24. Juni wird vor dem Schöffengericht gegen H. und 21 Genossen verhandelt werden. Wie man hört, dürfte da H. bei weitem nicht so gut abschneiden.

 

Schwerter Zeitung, 09. 06 1925

Lichtendorf-Geisecke, 9. Juni. Fest der Schützengilde. Von prachtvollem Wetter begünstigt feierte die hiesige Schützengilde nach 27jähriger Ruhepause am 5., 6. und 7. Juni ihr Fest, das in allen seinen Teilen recht harmonisch verlief. Gewissermaßen den Auftakt zu den Festlichkeiten bildete das Aufrichten der Vogelstange am Freitagabend in dem nach dem Eichholz zu gelegenen Waldzipfel des Aplerbecker Waldes. Am Samstag frühmorgens bewegte sich der Schützenzug vom Festzelte aus nach der Wohnung des Herrn Heinrich Kötter, Lichtendorf. Derselbe trug als Nachfolger seines Vaters, des leider im vorigen Jahre verstorbenen Schützenkönigs, Herrn Louis Kötter, den Königsschmuck und nahm mit seiner Mutter, der früheren Königin, die Parade ab. Nach vorzüglicher Bewirtung durch den „Kronprinzen“ ging`s unter Vorantritt des Trommler- und Pfeiffer Korps Viktoria-Düsseldorf und der Blaurock´schen Kapelle zum herrlichen, schattigen Walde, zum Königsschießen. Den Meister- und Königsschuss tat Herr Hugo Stamm, Besitzer des Wellenbades Geisecke. Derselbe wurde in festlichem Zuge zum Zelt geleitet, woselbst durch den 1. Vorsitzenden der Gilde, Herrn Heinrich Schäfer, Ostberge, die Proklamation des neuen Königspaares erfolgte. Der Sonntag brachte nun eine Menge auswärtiger Gäste auf die Beine, sodass die große Weide des Herrn Hohenschwert einem echten Kirmestrubel-Platze glich und das 1200 Quadratmeter große Zelt dicht besetzt war. Nach Einholung des neuen Königspaares hielt der 2. Vorsitzende, Herr Lehrer Pingel, eine wohldurchdachte und glänzend ausgeführte Ansprache, in der der Redner u. a. auch den historischen Werdegang der Gilde streifte und zur Einigkeit und echtem Deutschtum ermahnte. Nicht unerwähnt sollen die musikalischen Darbietungen des Düsseldorfer Trommler- und Pfeiffer Korps sowie die gediegenen Leistungen der Blaurock‘schen Kapelle bleiben. Ein gutbesuchter Festball hielt an beiden Tagen die Festteilnehmer noch lange beisammen. Die sogenannte Nachfeier am Montag unter Kötters Linde in Lichtendorf wird allen Teilnehmern in bester Erinnerung bleiben und gibt gutes Zeugnis für die Einmütigkeit in der Schützengilde und für die Großzügigkeit des früheren König-Stellvertreters. Die Schützengilde Lichtendorf Geisecke mit ihren 260 aktiven Mitgliedern birgt die Kraft des Wachstums in sich; sie wird auch in Zukunft blühen und gedeihen.

 

 

 

Schwerter Zeitung, 21. November 1925

Geisecke, 21. Nov. Sitzung des Gesamtschulverbandes. Es wurde einstimmig beschlossen, ab 1. Dezember d. Js. die evgl. Schule (Hl. Geist) mit der Eichholzschule zu vereinigen. Die Aufsichtsbehörde soll um Verwendung des stellenlosen Lehrers gebeten werden. Ferner wurde beschlossen, dass die Reparatur des Daches der Schule zu Geisecke baldigst erfolgen soll. Es ist die Instandsetzung des Daches der Hl. Geist-Schule erforderlich. Schulvorstand ist damit einverstanden, dass die festgestellten Mängel beseitigt werden. Es wird abgelehnt, einen unmittelbaren Zugang von der Lehrerwohnung zum Boden zu schaffen, es soll vielmehr der bisherige Zugang verbessert werden. Die Beschaffung von Turngerätschaften für die Hl. Geistschule und Eichholzschule wird im Hinblick auf die Kosten bis zum Frühjahr verschoben.

 

Schwerter Zeitung 16. Dezember 1925

Lichtendorf, 16. Dez. Sitzung der Gemeindevertretung. Unter dem Vorsitze des Amtmanns Arndt wurden folgende Beschlüsse gefasst: 1. Zu den zahlreich vorliegenden Anträgen der Erwerbslosen wurde eingehend Stellung genommen, die Not der einzelnen Antragsteller wurde anerkannt. Dem Landrat soll eingehend Bericht erstattet und ersucht werden, an zuständiger Stelle sich dafür einzusetzen, dass die Unterstützungen den Teuerungsverhältnissen entsprechend erhöht und diese unter Wegfall der Wartezeit vom ersten Tage an und während der Dauer der ganzen Erwerbslosigkeit gezahlt werden. Wenn angängig soll die Kontrolle der Erwerbslosen in Zukunft im Orte selbst stattfinden. Als weitere Mitglieder der Wohlfahrtskommission wurden die Vertreter Brauckhoff und Höwing gewählt. Der Kommission wird beauftragt, die Einzelgespräche schleunigst zu prüfen und Entscheidung zu treffen.

Lichtendorf, 16. Dez. Einen schweren Unfall erlitt der Knecht Konrath von hier, welcher bei dem Gutsbesitzer C. in Stellung ist. K. wolle in Gemeinschaft mit einem Sohn des Besitzers zwei Pferde in den Stall treiben, in der Stalltür sprang nun der Knecht vor die Pferde, um anscheinend vorher in den Stall zu kommen. Hierbei kam eins der Pferde zu Fall und ebenfalls der Knecht. Das Pferd sprang jedoch sofort wieder auf und traf hierbei den Knecht o unglücklich, dass dieser einen doppelten Unterschenkelbruch des linken Beines erlitt.

 

Schwerter Zeitung, 18. Dezember 1925

Geisecke-Lichtendorf, 18. Dez. Kirchliche Nachrichten. Samstag, den 19. Dezember findet abends 8 Uhr bei Hauske die Generalprobe für die Weihnachtsfeier des Evangelischen Volksvereins statt; vollständiges Erscheinen aller Mitwirkenden ist erforderlich. Die Weihnachtsfeier des Volksvereins selbst findet Sonntagnachmittag 3:30 Uhr bei Hauske statt. Für ihre Ausgestaltung werden ein gemischter Chor und verschiedene Darbietungen des Jungmädchenvereins sowie der Schulkinder sorgen. Alle Gemeindemitglieder sind zu dieser Weihnachtsfeier herzlich eingeladen.

Lichtendorf, 18. Dez. Den beiden Knechten des Gutsbesitzers Hohenschwert wurden am 16. v. Mts. abends, in der Zeit von 7 – 9 Uhr, je ein Lodenanzug gestohlen. In dringendem Verdacht steht ein dort früher beschäftigter Knecht, dem die Polizei auf der Spur ist.

 

Schwerter Zeitung, 24. Dezember 1925

Lichtendorf, 24. Dez. Beim Dreschen wollte der Landwirt F. Bährensmann an dem Selbstbinder den Bindfaden in Ordnung bringen; hierbei kam er dem Getriebe zu nahe und wurde das erste Glied des Mittelfingers abgequetscht.

 

Schwerter Zeitung, 06. Januar 1926

Overberge, 6. Jan. Die älteste Einwohnerin zu Grabe geleitet. Ein Leichenzug, wie ihn unsere Ortschaft zweifellos noch nicht gesehen hat, bewegte sich am gestrigen Nachmittag von hier nach dem evgl. Friedhof in Schwerte. Galt es doch, unserer älteste Mitbürgerin, Frau Ww. Luise Haumann, die letzte Ehre zu erweisen. Besonders hatte es sich auch der evgl. Frauenverein Lichtendorf angelegen sein lassen, die Verdienste der Verstorbenen um den Verein durch Absingen zweier hübscher Chöre am Sterbehause sowie durch Spenden eines prachtvollen Kranzes mit entsprechender Widmung zu feiern; war doch Frau Haumann Mitbegründerin des sich so schnell entwickelnden Vereins. Dass die Verstorbene durch ihr zuvorkommendes und stets freundliches und hilfreichen Wesens weit über die Grenzen der Gemeinden Lichtendorf und Geisecke beliebt und geachtet war, das bewies die überaus große Zahl der Leidtragenden und die Menge der gespendeten Kränze und Blumen, sowie die anerkennenden und trostreichen Worte des Herrn Pfarrers Ruwwe. Nun darf die Nimmermüde, die noch eine echt westfälische Frau von schlichtem, aber sehr strebsamen Schlage war und von einer tückischen Krankheit in wenigen Tagen dahingerafft wurde, ausruhen von ihrer vielen Mühe und segensreichen Arbeit. Möge ihr die Erde leicht sein.

 

Schwerter, Zeitung, 09. Januar 1926

Geisecke, 9. Jan. (Grober Unfug.) Der frühere Schulpfad wird zu einem öffentlichen Wege ausgebaut, ebenso ist die Straße unter der Eisenbahnunterführung aufgebrochen. Die Straße welche kurz hinter Schulte-Höppe abzweigt, ist deshalb gesperrt, und ist dieser halb ein Sperrbaum bzw. Gestell angebracht worden, letzteres wird des Abends mit einer Laterne beleuchtet. Trotzdem diese Sperrvorrichtung mit eisernen Stangen befestigt wurde, haben ruchlose Hände es dennoch vermocht, diese Vorrichtung nicht einmal, sondern öfter zu beseitigen bzw. ganz zu zerstören. Die Laterne wurde entzwei geschlagen usw. sodass Fuhrwerke, Automobile usw. welcher von dieser Sperre nichts wussten, der größten Gefahr liefen. Über die Folgen ihrer ruchlosen Handlungsweise haben diese mutwilligen Zerstörer aber anscheinend nicht nachgedacht. Leider konnte man diesen Übeltätern bisher das Handwerk nicht legen. Hoffentlich wird die Polizei von den Einwohnern zwecks Ermittlung der Täter unterstützt.

 

Schwerter Zeitung, 27. Januar 1926

Lichtendorf, 27. Jan. (Gemeindeversammlung.) In der letzten Sitzung wurden unter dem Vorsitze des Amtmanns Arndt folgende Beschlüsse gefasst: 1) Abnahme der Gemeindekassen-Rechnung 1924. Der Prüfungsbericht wurde verlesen und es wurde sodann die Rechnung in ihren einzelnen Posten geprüft und festgesetzt. Da Erinnerungen nicht zu machen waren, wurde dem Rendanten Entlastung erteilt. Die bei den einzelnen Posten vorgekommenen Überschreitungen wurden, soweit nicht bereits geschehen, nachträglich genehmigt. 2) Beschaffung von Feuerwehrausrüstungsgegenständen. Da die Beschaffung einiger Ausrüstungstücke dringend notwendig geworden ist, wird ein Betrag bewilligt und dem Brandmeister überlassen die erforderlichen Gegenstände selbst zu beschaffen. 3) Erhöhung des Gemeindebotenlohnes. Mit Wirkung vom 1. Nov. v. Js. wird die Vergütung erhöht. 4) Notstandsarbeiten (Wegebau). Vertretung beschließt die sofortige Inangriffnahme von Notstandsarbeiten, und zwar soll der Eichholz- und Römerweg ausgebaut werden. Seitens der Gemeinde muss eine größere Summe als Zuschuss geleistet werden und zwar rund 10 000 Mark. Die Summe soll bei der Sparkasse oder einem Kreditinstitut zum üblichen Zinssatze angeliehen werden. Soweit die übrigen Baukosten vom Staat nicht als verlorener Zuschuss bewilligt werden, sollen diese als Staatsdarlehen aufgenommen werden.

 

Schwerter Zeitung, 06. Februar 1926

Lichtendorf, 6. Febr. Sitzung des Schulvorstandes des Gesamtschul-Verbandes Geisecke-Lichtendorf. 1. Abnahme der Schulkassenrechnung 1924. Die Prüfung der Jahresrechnung der Schulverbandskasse ergab keine Erinnerung und wurde diese vorliegend festgesetzt und dem Rendanten Entlastung erteilt. Die bei den einzelnen Abschnitten vorgekommenen Überschreitungen wurden (soweit nicht bereits geschehen) nachträglich genehmigt. 2. Gastweise Einschulung. Schulvorstand ist mit der gastweisen Einschulung einer Schülerin von Hengsen nach Geisecke einverstanden unter der Bedingung, wenn sich der Vater zur Zahlung des Gastschulgeldes in der früheren Höhe verpflichtet. 3. Anlegung einer Druckpumpe bei der kathl. Schule zu Overberge wird beschlossen. Ein Installateur aus Schwerte wird mit der sofortigen Aufstellung dieser Pumpe beauftragt.

 

Schwerter Zeitung, 10. 05. 1926

Geisecke-Lichtendorf,10. Mai. Einen großen Tag hatte am gestrigen Sonntag der evgl. Verein junger Männer, der im Saale des Herrn Eichmann sein erstes Jahresfest feierte. Der geräumige Saal war bis auf den letzten Platz gefüllt, ein Beweis welcher Wertschätzung sich der junge Verein in allen Kreisen der Gemeinde erfreut. Zur Mitwirkung war auch der gemischte Chor Geisecke und der evgl. Posaunenchor aus Schwerte erschienen. Die Mitglieder hatten tüchtig geübt und alles was geboten wurde: „Der Fluch des Mammons“, ein saftiges Stück aus dem Leben, Deklamationen, Gesang- und Musikvorträge, zeugten vom regen Fleiß. So dehnte sich die Feier bis gegen 9 Uhr aus, ohne den Eindruck von Langeweile zu bekommen, ein Zeichen, dass die Stunden gut ausgefüllt waren. Mit dem Gefühl, einen schönen Nachmittag verlebt zu haben, schied man abends voneinander. Dem Verein ein herzliches Heil!

 

Schwerter Zeitung, 16. 06. 1926

Geisecke, 16. Juni. Ertrunken. Gestern Nachmittag gegen 4:30 Uhr befuhr der Redakteur Josef Wiesemann mit noch einem Freunde mit einem Paddelboot die Ruhr, abwärts nach Geisecke zu. Kurz vor dem Stauwehr wurde W. ängstlich, sprang aus dem Boot und verursachte dadurch ein Kentern desselben. Der Freund, welcher des Schwimmens kundig war, konnte sich retten, während W. von den Fluten über das Wehr getragen wurde. Ein Arbeiter Vetter, welcher versuchte Wiesemann zu retten, wurde von diesem so festgehalten, dass mit in die Tiefe gezogen wurde. Doch konnte sich Letzterer noch eben retten. Die Leiche ist noch nicht gefunden worden.

 

Geisecke,16. Juni. Unglücksfall. Gestern Abend gegen 10:30 Uhr wurde der Geschäftsreisende Wilhelm Spratte aus Dortmund. Uhlandstraße 61, in der Nähe des Gehrenbaches bewusstlos mit einer schweren Kopfwunde aufgefunden. Schüler fanden ihn, die ihn in diesem bewusstlosen Zustand zu dem Polizeiassistenten Duberow brachten. Der Heilgehilfe vom Ausbesserungswerk Schwerte legte die Notverbände an, worauf er dem Evangelischen Krankenhaus in Schwerte zugeführt wurde.

 

Schwerter Zeitung, 23. 06. 1926

Geisecke,23. Juni. Einen schweren Zusammenstoß hatten zwei Radfahrer und zwar zwischen der Eisenbahnunterführung und dem Hause Küppermann. Auf der abschüssigen Straße fuhren sich die Radfahrer im schnellen Tempo an, sodass diese zu Fall kamen, Der Bergmann H. blieb besinnungslos liegen und musste zum evgl. Krankenhaus transportiert werden. Dr. Becker aus Schwerte stellte einen doppelten Schädelbruch fest. Wer die Schuld an diesem Zusammenstoß trägt ist noch nicht festgestellt.

 

Schwerter Zeitung, 01. 09. 1926

Alemannia feierte hohe Siege über Sportverein Geisecke und S. S. C Union.

[Das Spiel Alemannia 2 gegen Union 2 endete 8:2. Alemannia Schwerte 1921 und Union Schwerte 1919 fusionierten 1933 zu VFL Schwerte]

[…] Hiernach standen sich die 1. Mannschaften von Alemannia und dem neugegründeten Sportverein Geisecke gegenüber. Diese Spiel wurde noch Samstagabend vereinbart, sodass die Gäste nicht in der vollständigen Aufstellung antreten konnten. Ferner hatten sie auch noch am vorigen Tage ein scharfes Spiel gegen Iserlohner Heide ausgetragen. Mit dem Anstoß setzten sich die Alemannen in Geiseckes Spielhälfte fest, einige Durchbrüche wurden von der Verteidigung unterbunden. Nach kurzen Abständen kann der Halblinke mehrere Male einsenden[?]. Beim Halbzeitpfiff lautet es bereits 4:0. Mit dem 6.Tore klappen die Rot-Weißen sichtlich zusammen und die Hiesigen fügen noch drei hinzu.

 

Schwerter Zeitung, 07. 05. 1927

Geisecke-Lichtendorf,07. Mai. Herr Pastor Ruwwe, der über 2 Jahre lang in unserer Gemeinde rastlos wirkte, ist, wie bereits bekannt, nach Hiddenhausen bei Herford versetzt worden und hat unsere Gemeinde bereits verlassen. Für die treuen Dienste, die er unserer Gemeinde erwiesen hat, sei ihm auch an dieser Stelle herzlich gedankt. Als Nachfolger wird Herr Pastor Quest aus Witten die Arbeit Hierselbst übernehmen. Seine Einführung wird am morgigen Sonntag um 10 Uhr im Gottesdienst, der diesmal im Eichmann‘schen Saale abgehalten wird, stattfinden. Hierzu sind alle Gemeindeglieder freundlichst eingeladen.

 

Schwerter Zeitung, 21. 05. 1927

Geisecke-Lichtendorf,21. Mai. Der Krieger- Landwehrverein begeht am morgigen Samstag seine 45jährige Jubelfeier in einem großen Festzelt. Auf der Wiese des Wirtes Bährensmann, auf der das Festzelt steht, wird sich eine reges Leben und Treiben abspielen, den für Volksbelustigungen aller Art ist bestens gesorgt. Bei gutem Wetter wird ein großer Ballon abgelassen und abends ist großes bengalisches Feuerwerk. Der Kommers beginnt heute Abend um 5 Uhr.

 

Schwerter Zeitung, 11. 05. 1928

Einweihung des evangelischen Gemeindehauses in Geisecke-Lichtendorf

Geisecke-Lichtendorf,den 11. Mai 1928. Schon seit langer Zeit war die Raumfrage zur Abhaltung religiösen Gemeinschaftslebens der Außenbezirke Geisecke-Lichtendorf eine Sorge der evangelischen Kirchenvertretung in Schwerte.

Der Entschluss, bald einen Neubau zu errichten, reifte daher immer mehr heran, doch waren in der augenblicklichen schweren Not allerlei Schwierigkeiten nach der finanziellen Seite hin zu überwinden. Ganz besondere Tatkraft und gemeinschaftlicher Opfersinn halfen schneller als man gedacht über alle Hindernisse hinweg und so konnte bereits vor Jahresfrist der Auftrag zur Entwurfsbearbeitung erteilt und am16. Oktober 1927 der Grundstein gelegt werden.

In meisterhafter Weise hat dann der bauleitende Architekt Conrad Pieper aus Letmathe die Aufgabe gelöst. Eine reizende Baugruppe, enthaltend Kirchenraum und Chor und Sakristei, Gemeindesaal, Konfirmandenzimmer, bei größeren festlichen Anlässen zusammen zu benutzen, mit getrennten Toilettenanlagen, Kaffeeküche mit Aufzugsverbindung, einer Wohnung für einen unverheirateten Pfarrer und einer Kastellan Wohnung, nebst allem Zubehör, ist hier geschaffen.

Das Äußere, in rotem Terranovaputzton, mit seinen weißen Fenstern und weißen Fensterläden, mit seinen grünen Dachrinnen und dem altschwarzen Hochfalzziegeldach, große, grüne Rasenflächen mit Baumpflanzungen, von abschließender lebender Hecke, eingerahmt, ist ein Bild von ganz besonderem Reiz. Weithin von allen Seiten sichtbar, ein gleich schönes Bild.

Der Hauptfront zum Friedhofswege hin ist eine Wandelhalle mit spitzbogenförmigen Öffnungen vorgelagert. Hier liegen auch die Haupteingänge, welche noch besonders durch einen schweren viereckigen Turm mit aufgesetztem verjüngtem Glockenturm betont werden. Alles in allem eine einfache vornehme Linienführung, bei Vermeidung jeglichen überflüssigen Schmuckes.

Was das Äußere verspricht, wird beim Betreten des Gebäudes in seinem Inneren gehalten. Ruhige Formen und gut gelungene Farbenabstimmung wirken hier wohltuend auf den Besucher, überall schlichte Einfachheit und Gediegenheit, das Produkt gereiften Könnens des bauleitenden Architekten, bei Aufwendung allerbescheidenster Mittel. Die Baukosten betragen rund 50 000 Rm. einschließlich Niederdruckdampfheizung für alle Räume.

So möge das evangelische Gemeindehaus in Geisecke-Lichtendorf, welches am Sonntag, den 13 d. M. geweiht und seiner Bestimmung übergeben wird, allezeit Gott zur Ehre und der Gemeinde zur Freude und Erbauung erhalten bleiben.

 

Schwerter Zeitung, 14. 05. 1928

Einweihung des evangelischen Gemeindehauses in Geisecke-Lichtendorf

Geisecke, 14. Mai. Der gestrige Sonntag Rogate war für unsere evangelische Gemeinde Geisecke-Lichtendorf ein freudiger und ein wichtiger Tag. Unser schönes und prächtig gelegenes Gemeindehaus, von dem aus man einen herrlichen Blick in das weite Ruhr Tal und auf die schönen südländischen Berge genießt, ist gestern eingeweiht, nachdem erst am 12. Oktober vorigen Jahres der Grundstein zu diesem Hause gelegt wurde, das nach den Plänen des Architekten Pieper aus Letmathe mit einem Kostenaufwand von rund 50 000 Mark errichtet worden ist. Um 10 Uhr versammelten sich die Gemeindemitglieder und die Gäste von nah und fern in großer Zahl vor dem Haupteingange. Nach der üblichen Schlüsselübergabe durch den Bauleiter und die Vertreter der kirchlichen Behörden an den Herrn Pfarrer Quest, begleitet von passenden Worten, wurde dann die Einweihung in feierlichen Gottesdienst, verschönt von dem Posaunenchor Schwerte und gemischten Chor Geisecke-Lichtendorf, vollzogen. Die Einweihungsrede hielt anstelle des verhinderten Generalsuperintendanten Konsistorialrat Lic. Hymmen aus Münster, während Herr Pfarrer Quest in seiner Predigt seiner Freude über die Fertigstellung des Hauses, das als Bethaus ein Mittelpunkt kirchlichen Lebens werden soll, beredten Ausdruck gab. Als Vertreter der Muttergemeinde Schwerte war Pastor Florin anwesend. Nach der feierlichen Einweihung fand eine Besichtigung des Gebäudes statt.

Um 3 Uhr begann in den Räumen des neuen Hauses eine Gemeindefeier. Nach einem Vorspiel des Posaunenchors Schwerte und dem gemeinsam gesungenen Liede „Lobe den Herren, o meine Seele“ folgte ein von Fräulein Niermann vorgetragener Vorspruch. Der gemischte Chor Geisecke-Lichtendorf unter Leitung des Lehrer Wilms sang „Gott grüße dich“, und dann hieß Herr Pfarrer Quest im Namen der Gemeinde Geisecke-Lichtendorf die Vertreter der kirchlichen Behörden, Superintendent D. Winkhaus-Dortmund, Superintendent Winkelmann-Essen, Pfarrer Florin-Schwerte und vor allem Pfarrer Beckmann, des Sohn des verstorbenen Lehrers Beckmann, als Kind der Gemeinde herzlichst willkommen. Der frühere Pfarrer Ruwwe der wegen Amtsgeschäfte leider nicht erscheinen konnte und Pfarrer Klinker-Westhofen hatten brieflich Grüße und Wünsche gesandt. Im Anschluss an das Bibelwort: „Wer Dank opfert, der preiset mich, und das ist der Weg, dass ich ihm zeige mein Heil“ überbrachte Superintendent D. Winkelmann aus Essen die Grüße der Kreissynode mit dem Wunsche, dass das neue Gemeindehaus ein Bethaus und ein Haus des Dankes des Dankes sein möge. Superintendent D. Winkhaus aus Dortmund, der dann namens der westfälischen Provinzialkirche und in Vertretung des Präses dieser Kirche das Wort nahm, betonte, dass das neue Haus als Ausdruck des Willens der Gemeinschaft und als Stätte der Gemeinsamkeit dastehe. Pfarrer Florin gab als Vertreter der Muttergemeinde Schwerte seine Mitfreude darüber Ausdruck, dass in schwerer Zeit so schnell ein Mittelpunkt kirchlichen Lebens und evangelischer Wortverkündigung in Geisecke-Lichtendorf entstanden sei. Er dankte allen, die mit großen Opfern zu dem Bau des Hauses beigetragen. Sein Dank galt besonders dem Bauleiter Architekt Pierper, dem Volksverein Geisecke-Lichtendorf und insbesondere dem rührigen Vorsitzenden desselben, Herrn Schröer. Er gedachte auch des Herrn Pfarrer Nell, der als früherer Seelsorger dieses Bezirks sich selber um das Zustandekommen dieses Hauses bemüht habe. Dem Pfarrer Beckmann, der jetzt Pastor im Ravensbergischen ist, war es eine besondere Freude, diesen Ehrentag der Gemeinde miterleben zu dürfen. Er gedachte in humorvoller Weise und vielfach im hiesigen Dialekt seiner schönen Heimat, seiner Jugendzeit und der alten Zeiten mit den alten kraftvollen, schlichten und kernigen patriarchalischen Persönlichkeiten, von denen ein Strom des Segens ausgegangen sei. Eine Aufführung des Jüngling Vereins: „Was wir an unserer Kirche haben“, Gedichtvortrag, gemeinsam gesungene Lieder, ein Musikstück des Posaunenchors, Schlusswort, Vaterunser und Segen beschlossen die erhebende Gemeindefeier. Möge das neue Gemeindehaus ein Mittelpunkt des gesamten kirchlichen Gemeindelebens sein, zur Ehre Gottes und zum Segen der evangelischen Kirchengemeinde Geisecke-Lichtendorf.

 

Schwerter Zeitung, 11. 06. und 14. 06. 1929

Schuleinweihung in Geisecke-Lichtendorf

Der gestrige Tag war für die beiden Schulgemeinden Geisecke und Lichtendorf ein Festtag, ein Freudentag, umrahmt von dem goldenen Licht der Sonne. Vom Schulhaus grüßten die Fahnen, in den Reichs- und Landesfarben, und Lorbeerschmuck und Tannengrün rief den zahlreichen Festteilnehmern, Alt und Jung, ein herrliches Willkommen zu der bedeutenden Feststunde entgegen. Sämtliche Schulkinder beider Konfessionen und die Eltern der beiden Schulgemeinden nahmen an der Festfreude teil. Eingeleitet wurde die schöne Feier durch eine von Herrn Lehrer Pingel geleiteten Kinderchor: „Jubelgesang“. Dann sprach ein Knabe zur Weihe des neuen Schulhauses folgenden Prolog recht eindrucksvoll:

Sei uns gegrüßt du holder Tag der Weihe!
Sei uns gegrüßt, der lau‘tren Freude Tag!
Enthülle uns, was reiner, starker Wille,
vereinter Kräfte Streben doch vermag!
Der Himmel Segen diesem Haus verleihe!
Sei uns gegrüßt du holder Tag der Weihe!

Wie kraftvoll dieses Hauses Mauern streben
empor aus unserm heimatlichen Sand:
So mög auch unser aller Schaffen, Streben
fest verwurzelt tief im teuren Vaterland.
In schwerster Zeit wir dieses Haus nun weihen,
mög Gott drum zwiefach Segen ihm verleihen!

Wir nahen ihm, dem Ziele uns‘rer Wünsche,
das Herz voll Andacht und von Dank erfüllt.
Mit Wohlgefallen ruhen still die Blicke
auf seinem würd‘gen, schön umrahmten Bild.
Zu ihm nun wird die frohe Jugend wallen,
Zu seinen stillen Räumen seinen Hallen.

Der ernsten Arbeit und der frohen Feier
sei nun des Hauses hoher Dienst geweiht!
Ja geist‘ge Kräfte mögen schaffend wirken
im edlen Wettstreit kühn durch Raum und Zeit!
Doch dürfen dann die Musen auch nicht fehlen,
soll Arbeit sich und Feier still vermählen.

Gesunder Geist und ein gesunder Körper,
das ist des deutschen Volkes alte Art.
Sie fördern sich im engen, trauten Bunde,
das Kraft mit Anmut schön gepaart.
Drum mögen Jugendkräfte sich hier stählen,
im Turnen, Spiel und Sport ihr Ziel sich wählen.

Hier führt der Weg zum Guten, Wahren, Schönen,
das Reich des Geistes, weit ist‘s aufgetan.
Hier können laben sich die durst‘gen Seelen
aus einem Quell, der nie versiegen kann.
So mögen Wissensdurst und Kunst erblühen
zu allzeit dauernd reinen Harmonien.

Ein Meisterwerk so ragt das Haus vor allen,
ein steinern Mahnwort mög‘ es allzeit sein
für unsre Jugend, ja der Opfer würdig,
mög‘ sie sich ihren Pflichten weih´n!
Dann schreitet Segen durch des Hauses Hallen,
dann ruht auf ihnen Gottes Wohlgefallen.

Mög‘ wahre Menschenliebe stets hier wohnen,
die Liebe, die aus Gott geboren ist,
Damit für Anmut, Schwachheit, Elend rege
ein reich Erbarmen sich zu jeder Frist.
Mög‘ sozialer Geist hier siegend schaffen
mit seiner reinen Liebe gold‘nen Waffen.

Lass deine Vateraugen, offen stehen
zu Schutz und Schirm, Herr, über diesem Haus!
Sprich selber zu dem Werk den Weihesegen
für alle, die hier gehen ein und aus!
Dann ist sie recht geweiht die Feierstunde,
dann wirkt das Heil auch unseren schönen Bund.

Ein Kinderchor sang dann: „Sei gegrüßt, du frohe Stunde“ und dann folgte noch ein Prolog zur Schulweihe, von einem Mädchen schön vorgetragen:

Zu der Jugend Wohl begründet,
für das werdende Geschlecht -
Dass in ihm die Pflegstatt findet
was da wahr und schön und recht -
Das von ihm sei Heil gespendet
über weites Land hinaus:
So zum stolzen Bau vollendet
ragt es heut‘ das neue Haus.

Seht, wie fest die Mauern streben
aus dem heimatlichen Sand!
So auch unser aller Leben
wurzelt tief im Vaterland!
Wack‘re Arbeit Allerwegen
bracht‘s zum Ziel in kurzer Zeit;
selbst nun heißt‘s die Hände regen,
das uns Segen Gott verleiht!

Wie‘s der Meister klug ersonnen,
Zweck und Mittel wohl bedacht,
unterm Friedensschutz begonnen,
friedlich ward‘s zu Werk gebracht!
Nur wo Fried‘ und Ordnung walten,
findet jedes Werk Gedeih‘n!
Viel müssen schaffend schalten,
einer nur kann Meister sein.

So, ein steinern Mahnwort, Dauer
mög‘s durch alle Zeiten fort!
Tön‘ hinaus aus seinen Mauern
fruchtbar stets der Lehre Wort!
Schirm dich Gott mit seinem Segen,
Hort der Jugend, neues Haus!
Heil begleite Allerwegen,
die hier gehen ein und aus.

Nun nahm der Vorsitzende des Schulvorstandes, Herr Bürgermeister Arndt aus Westhofen, das Wort zur Weiherede. Er führte ungefähr Folgendes aus:

„Ich begrüße zur Weihe des neuen Schulhauses alle, die sich hier vereint haben, den Schulvorstand, die Eltern der Schulkinder und die Bewohner der beiden Gemeinden. Insbesondere begrüße ich die beiden Schulräte Dr. Appens und Dr. Schmeck zu Hörde, den Vertreter des Landrats, Herrn Kreisoberinspektor Büscher, die Geistlichen und Lehrer, die Gemeindevorsteher der benachbarten Gemeinden und die Vertreter der Presse. Der neue Schulbau hat eine lange Vorgeschichte. Im Jahre 1921 teilte die Eisenbahndirektion Elberfeld mit, dass sie in der Nähe des Bahnhofs Geisecke eine Wohnsiedlung, umfassend 156 Wohnungen, zu errichten gedenke und dass die Gemeinde mit einem Zugang von etwa 200 Kindern zu rechnen habe. Die Ausführung dieses Planes bedingte eine wesentliche Neuordnung der Schulverhältnisse. Der Schulvorstand stand vor der Frage der Schaffung von fünf neuen Schulklassenzimmern und der Beschaffung von ebenso viel Lehrkräften. Von seinem Recht, die Eisenbahnverwaltung zur Leistung eines Zuschusses zu den neuen Schulklassen heranzuziehen, machte der Schulvorstand Gebrauch. Jahrelang zogen sich die Verhandlungen hin, bis endlich der Verbandsrat des Siedlungsverbandes Ruhrkohlenbezirk zu Essen die Zuschusskosten der Eisenbahn endgültig festsetzte. Den Schulvorstand befriedigte die Festsetzung keineswegs; er besaß aber keine Rechtsmittel mehr, seine Ansprüche weiter zu verfechten.

Inzwischen war die Eisenbahnverwaltung von dem ursprünglichen Bauprogramm wieder abgegangen. Die allgemeine wirtschaftliche Lage zwang die Eisenbahn, den Betrieb auf dem Bahnhof Geisecke teilweise abzubauen und die bereits begonnene Bautätigkeit einzustellen, sodass nur 31 Wohnungen neu errichtet worden sind. Dieses hatte den Bau von nur je einer evgl. und kath. Schulklasse zur Folge. Endlich konnte nach Überwindung aller Hindernisse in der Frage des Bauplatzes, der Gestaltung und Finanzierung des Baues Anfang 1928 der Grundstein zu dem Neubau gelegt werden. Eine frühere Fertigstellung des Baues hat der lange, harte Winter unmöglich gemacht.

Freudig und dankbar blicken wir auf den heutigen Tag, an dem wir den Bau in so schöner Vollendung schauen dürfen. Er ist eine wahre Zierde des Ortes. Heute besonders wird der Wunsch laut, dass unsere liebe Jugend wachse, reife und stets in der Wahrheit wandeln möge. Uns gehört die Gegenwart, der Jugend die Zukunft. Sie muss ein festes Fundament sein, damit sich eine gesunde und kraftvolle Zukunft darauf erbauen kann. Ein alter Dichter hat gesagt: „Auf Größe muss der Mensch verzichten, die Güte aber, ist der Kern seiner Pflichten“. Dass in jeder Schule große Menschen erzogen werden, können wir nicht erwarten, aber das brave und gute Menschen daraus hervorgehen, dürfen wir wünschen und erhoffen. Auch in dieser Schule mögen stets auf der Seite der Lehrenden Verständnis und Güte, auf der Seite der Lernenden Vertrauen und Dankbarkeit herrschen“.

Es folgen anschließend Worte der Weihe, die in dem Wunsche ausklingen, dass die Kinder die dieser Schule anvertraut werden, körperlich stark und geistig tüchtig aus ihr hervorgehen, damit sie später als nützliche Glieder der menschlichen Gesellschaft zu wirken und in Ehren den schweren Kampf ums Dasein zu kämpfen vermögen zum Glück der Kinder, der Eltern und zum Heil unseres geliebten Vaterlandes.

Nun folgen weihevolle und zu Herzen gehende Worte des Lehrers der evangelischen Schule zu Geisecke, Herrn Pötter:

„Verehrte Festteilnehmer! Zum ersten Mal sind wir mit unseren Kindern an dieser neu erbauten Schule versammelt. Eine seltene Feier ist es, die uns zusammen gerufen hat, gilt sie doch der glücklichen Vollendung eines Werkes, das unserer Jugend, das der Zukunft von Volk und Vaterland gewidmet ist.

Ein neues Schulhaus ist stets ein Ehrenmal für alle Freunde und Förderer. In demselben Grade, in dem die Mitglieder einer Schulgemeinde den Wert einer guten Schule und der Arbeit in ihr anerkennen, in demselben Grade sorgen sie auch für gute Schulen. Und es gibt in der Tat keine Ausgabe, welche sich besser lohnt als die, welche für Unterricht und Erziehung verwendet wird. Viele tausend Schulen führen so in unzählbaren Quellen unserem Volke Nahrung zu für Herz und Geist, Beruf und Kunst, Glück und Wohlstand, Tugend und den Weg zu Gott.

Nur wenige in unserem Kreise dürfen auf dieses Werk hinblicken, als auf eines, das sie schaffen halfen. Ihnen, dem Baumeister, den Handwerkern und ihren Gehilfen, allen, die an dem Werke hier arbeiteten, sei unser erster Dank. Sie haben keine Mühe und Arbeit gescheut, um dieses neue Haus zur Vollendung zu bringen. Insonderheit aber wende ich mich mit meinem Dank an die Vertreter der Regierung, die Schulräte, an den Bürgermeister und an die Mitglieder des Schulverbandes. Sie haben mittelbar mitgewirkt an der Vollendung dieses Werkes, indem sie den Beschluss zum Bau fassten und zur Ausführung bringen ließen. Wir haben ja manchen Wunsch zurückstecken müssen, aber immerhin geben wir uns der angenehmen und leisen Hoffnung hin, dass sich noch hier und da eine Hand öffnen möge, das Innere dieses schmucken Heimes mit dem Äußeren in harmonischen Einklang zu bringen.

Doch nicht nur die, die am Hause gebaut haben, dürfen sich dieses Augenblicks freuen, auch wir Lehrer, die wir von nun an in diesen Räumen wirken sollen, die wir weiter bauen sollen am Werk der Schule, fühlen etwas von der Freude, die die Vollendung denen gewährt, die zu dem Werke geholfen haben. Mit frischer Kraft und neuem Mut werden wir hier das Werk fortsetzen, das wir in der alten Schule begonnen haben und mit der Hoffnung, auch zu schönen Zielen zu gelangen, so wie dieses Bauwerk zum Ziel gelangt ist. Tief ist die ungeheure Verantwortung des Pädagogen und die Macht, die ihm über junge Menschen gegeben ist. Wir sind uns dieser Bedeutung allzeit wohl bewusst und wir sind bestrebt, rastlos zu schaffen und nicht müde zu werden, noch zu verzagen, wenn wir Enttäuschungen erleben.

Wir gehen heute in der Schule neue Wege. „Der Verstand eines Kindes ist nicht ein Gefäß das gefüllt werden soll, es ist ein Feuer, das entzündet werden soll“! Mit diesen Worten Fichtes können wir ungefähr den Weg zeichnen, den wir heute schreiten. Nun haben wir nichts absolut Neues in die Schule getragen, sondern noch heute gilt das alte Lehrerideal „Erziehung der Menschen zu Persönlichkeiten, zu verantwortungsvollen Mitgliedern der menschlichen Gesellschaft“, dieses Ziel, das Wesentliche, ist dasselbe geblieben, nur die Wege dahin sind neu. Aus unserer früheren Lernschule hat sich folgerichtig die Arbeitsschule entwickelt; diese ist eine Frage der Entwicklung unserer Kultur und der Erziehungswissenschaft. In der Arbeitsschule wird in erster Linie Wert auf die Mitarbeit des Kindes gelegt; das Kind soll mitarbeiten, mit schaffen, mittun und so zu Erkenntnissen kommen. Dabei soll vor allem, wo es eben angängig ist, das praktische Leben mit dem Schulstoff in Verbindung gebracht werden, sodass, wenn das Kind ins Leben hinaus tritt und vor Aufgaben gestellt wird, es diese zu meistern weiß. Wir Lehrer freuen uns von Herzen, dass wir diesen Weg mitwandern können, getrieben von der Hoffnung, unseren Kindern die Arbeit zu erleichtern, getrieben von der Liebe zu unserm Beruf, zu unseren Kindern, zu unserm Volk.

Und wenn wir Gelegenheit hätten, in 100 verschiedene Arbeitsschulen Einblick zu tun, so würden wir sicher nur eins als gemeinschaftlich herausstellen können, es wird mit mehr Freude gearbeitet. Hell und licht sind die neuen Räume, Sonne und Luft haben reichlich Zutritt. Da gibt es keine staubigen Ecken und Winkel mehr, da herrscht kein Düster und Dunkel mehr. So soll es auch mit unserer Arbeit in der neuen Schule sein. Kein mittelalterlicher Zwang, keine strenge Knechtschaft soll in ihr herrschen, und wir Lehrer können und wollen keine strengen Fronvögte sein, sondern Freunde und Weggenossen. Lust und Freude am Erleben sollen neben dem Ernst der Arbeit herrschen.

Und nun ihr Kinder, ihr habt gesehen, wie dieses Werk entstanden ist, wie Stein zu Stein gefügt ist, bis zur Vollendung dieses Hauses. Heute, in dieser Stunde soll nun das Haus seiner Bestimmung übergeben werden, und all das Schöne wird in eure Hand gelegt. Ihr sollt von nun an hier aus- und eingehen und hier schaffen, ihr sollt aber auch das Haus verwahren. Welche Verantwortung damit auf eure Schultern gelegt wird, werden die Älteren unter euch wissen, die Kleineren aber verstehen es noch nicht so recht, und da wollen wir ihnen helfen, dass sie hineinwachsen in die Verantwortung. Wir alle würden uns sehr freuen, wenn man noch nach Jahren feststellen würde, sie haben erfüllt, was wir von ihnen erhofft haben. Wenn ihr so mit Lust und Freude zur Arbeit kommt und das Haus innen und außen gut verwahrt, dann wird euch diese Fleckchen Erde ein Kindheitsland umschließen, in das ihr gern hineineilt, wenn ihr schon längst der Schule entwachsen seid, dann werdet ihr noch oft goldene, sonnige Jugenderinnerungen erleben.

Wie oft hört ihr die Eltern aus der Zeit erzählen, da sie noch selbst die Schulbank drückten. Da kann man gerade hier in unseren Gemeinden die erhebende Wahrnehmung machen, dass die ehemaligen Schüler mit Hochachtung von ihrer Schulzeit sprechen. Das ehrt sowohl sie selbst als auch die Lehrer, die hier im stillen Winkel ihre pflichttreue Arbeit erfüllen. Sie haben Segen gestreut, sie ruhen aus von ihrer Arbeit, aber der Geist lebt unter uns fort. Wir wollen ihrer auch in dieser Feierstunde dankbaren Herzens gedenken. Mein Wunsch: Möge auch von dieser neuen Schule reicher Segen ausgehen; Segen für unsere Eltern und Erzieher, Segen für unsere Kinder, für unsere Gemeinden, für unser Land. Im neuen Hause „Aus Notzeit hinauf zu Glanz und Glück und Freiheit“.

Nach der mit Beifall aufgenommenen Ansprache des Herrn Pötter überbrachte Kreisoberinspektor Büscher die Glückwünsche im Auftrage des verhinderten Landrats und im Auftrage der Regierung zu Arnsberg. Er gab seiner Freude Ausdruck, dass der Bau jetzt vor uns stehe, in herrlicher Lage mit dem Blick zu dem schönen Ruhr Tal und zu den süderländischen Bergen. Möge in diesem Bau ein guter Geist einziehen und erhalten bleiben zu Nutz und Frommen der Gemeinde und der Kinder.

Vorsteher Jacobs, Holzen übermittelte die Grüße der benachbarten Schulverbände, während Schulrat Dr. Schmeck aus Hörde herzliche Worte der Begrüßung im Namen der Schulverwaltung fand. Diese Schule sei in einer Zeit entstanden, wo es kocht und gärt und ringt. Man rufe nach Frieden. Diese Schule solle ein Werk des Friedens bedeuten. An diesem Schulhause passe eine Tafel mit drei Sätzen, erstens: Sei Christ! Ein Christentum der Tat möge in diesem Hause erstehen, ein gegenseitiges Achten und Verstehen beider Konfessionen, Friede und Verstehen der ganzen Gemeinde. Zweitens: Sei deutsch! Deutsche Kinder mögen hier erzogen werden mit einer deutschen Seele und deutschen Verstand, mit einem gesunden Körper. Hier sollen die Kinder lernen, was ihre Väter für sie getan, was sie in dem großen Weltkriege von 1914 bis 1918 für sie erlitten und erstritten haben. Zur Dankbarkeit und Treue sollen die Kinder in diesem Schulhause erzogen werden. Drittens: Sei Geisecker! Ihr Kinder sollt voll Dank sein, dass ihr eine so schöne Heimat habt und dass euch eure Eltern ein so schönes Schulhaus bescherten. Möge das Schulhaus ein Mahnzeichen sein, euch stets für euren herrlichen Heimatboden einzusetzen. Sei ein Christ, sei deutsch, sei ein Geisecke! Das ist der heiße Wunsch der Schulaufsichtsbehörde.

Lehrer Koch aus Holzen überbrachte die Grüße der Lehrerschaft des Amtes Westhofen zur Schuleinweihung. Die neue Schule erfordere reg´ste Unterstützung der Lehrerarbeit seitens der Eltern und der Gemeindeverwaltung. Dann würde es Segen bringen, und dann würde auf Kinder und Eltern Glück ausströmen.

Nun folgte die Schlüsselübergabe. Der Erbauer des Hauses, Amtsbaumeister Ebbinghaus, überreichte den Schlüssel mit passenden Worten dem Vorsitzenden des Schulvorstandes, Bürgermeister Arndt und dieser dem Lehrer Pötter, der dann das Haus mit folgenden Worten öffnete:

„So tue dich den auf, du neues Haus, du Haus der Arbeit und der Freude, du Haus des Friedens und der Liebe. Wir treten in dich ein und nehmen von dir Besitz im Namen dessen, dem wir alle dienen. Gottes Segen sei mit unserem Eingang, Segen mit unserem Ausgang. Segen sei mit unserer Arbeit. Gott schütze dieses Haus in Sturm- und Wetterzeiten; er schütze es vor Feuer und jeglicher Gefahr. Holder Friede süße Eintracht weilet, weilet über dieser Statt“.

Nun folgte die Besichtigung der wirklich schönen Schule mit ihrem prächtigen äußeren Anstrich in wohltuenden Farben für das Auge und mit einem freundlichen Portal. Das Gebäude besitzt zwei luftige und helle Klassenzimmer, die ihr Licht von der Ost- und Südostseite empfangen. Im zweiten Stockwerk ist auch ein Lehrer- und Lehrmittelzimmer eingebaut. Im Dachgeschoss befindet sich eine recht geräumige Dreizimmerwohnung mit Nebengelassen für den Schuldiener. Im Keller des baulich gut ausgenutzten Gebäudes befindet sich ein Planschbecken mit 8 Brausen, 2 Zellen für Wannenbäder und die Dampfheizung.

Das Haus, welches mit einem Kostenaufwand von rund 50 000 Mark errichtet worden ist, hat einen geräumigen Schulhof, der von einer lebenden Hecke eingefasst wird. Es wird eine evangelische Klasse mit den drei untersten Jahrgängen und die katholische Klasse des Lehrers Pingel aufnehmen.

Nach der eindrucksvollen Weihefeier am Schulhause wurden im Gemeindehause die Kinder mit Kaffee und Kuchen bewirtet. Auch die Mütter der Kinder und die übrigen Festteilnehmer nahmen dort an der Festfreude der Kleinen teil. Um 6:30 Uhr fand dann in der Wirtschaft Schulte-Höppe ein gemeinsames Abendessen statt, das der Küche des Festwirts alle Ehre machte. Vikar Winter aus Schwerte überbrachte eingangs des Abends noch die Grüße und Glückwünsche der katholischen Pfarrgemeinde Schwerte. Der Vertreter der evangelischen Gemeinde war leider an der Teilnahme verhindert und hatte ein Entschuldigungsschreiben gesandt. Noch manches gute und launige Wort wurde geredet und hielt die Festteilnehmer noch manche Stunde beisammen.

Möge nun das neue Schulhaus, dessen Weihe erfolgt ist, eine Heimstätte wahrer Religiosität, ungefälschter Menschenliebe und des ungetrübten Friedens sein!

 

Schwerter Zeitung, 20. 06. 1929

Geisecke. Unfall. Der Landwirt D. lässt z. Zt. größere Dachdeckerarbeiten an seinen Wohngebäuden ausführen. Der bei dieser Arbeit beschäftigte Dachdecker Ernst H. fiel plötzlich vom Dach. Er zog sich schwere Verletzungen am Kopfe und Knochenbrüche zu. Augenzeugen des Unfalls berichten, dass H. einen Eimer voll Mörtel auf das Dach gestellt habe. Hierbei soll er einen falschen Tritt getan haben und abgestürzt sein.

 

Schwerter Zeitung, 24. 06. 1929

Geisecke. Unfall. An der Baustelle Geisecke (Wellenbad) erlitt ein Arbeiter einen bedauerlichen Unfall, welcher hoffentlich keine allzu schweren Folgen für den Verletzten nach sich ziehen wird. Der Verletzte war mit der Montage eines Baggers beschäftigt. Als der Bagger vorgezogen werden sollte, löste sich die Kurbel und schlug den Verletzten an den Kopf.

 

Schwerter Zeitung, 30. 08. 1929

Lichtendorf.Hohes Alter. Am morgigen Tage vollendet der Invalide Wilhelm Riedel in Lichtendorf, Ostberge 3½, sein 87. Lebensjahr. Trotz seines hohen Alters erfreut sich der greise Herr noch reger körperlicher und geistiger Rüstigkeit. Man sieht ihn heute noch mit seiner 83jährigen Ehefrau kleinere Gartenarbeiten verrichten. Bemerkenswert ist, dass die bejahten Eheleute im Jahre 1923 noch eine gemeinsame Reise über das große Wasser nach Amerika, zu ihren dort lebenden Kindern unternommen haben, von der sie im Jahre 1926 nach hier zurückkehrten. Bereits im vergangenen Jahre konnten sie das seltene Fest der Diamantenen Hochzeit feiern. Den vielen Glückwünschen, die dem allseits beliebten Herrn Riedel zugehen werden, schließen wir die Unsrigen herzlichst an.

 

Schwerter Zeitung, 02. 09. 1929

Einweihung des Kriegerdenkmals der 130er 

auf dem Kellerkopf in Hengsen

Hengsen, den 2 September 1929. Kein Tag wäre so dazu angetan gewesen, ein Ehrenmahl einzuweihen, wie der gestrige erste Septembersonntag über dem der Sommer mit einem lieben hellen Leuchten stand. Strahlend blau lachte der Himmel einer schönheitstrunkenen Welt, die westfälischen Lande blühten noch einmal auf in all ihrer sommerlichen Pracht und wenn nun auch bald der Herbst mit seinen bunten Gesellen den Einzug hält, ist doch dieser Abgesang von grünen Waldwipfeln, ährengelben Feldern und satter Blumenfülle überaus versöhnender Natur.

Daher war es eigentlich selbstverständlich, wenn am gestrigen Tage einmütig hinauszog in die freie verlockende Gotteswelt, um einem der Wunder offenbar zu werden, die ein guter Vater über uns schuf.

Am landschaftlich reizvollen Kellerkopf bei Hengsen vereinten sich gestern tausende von deutschen Frauen und Männern, um Zeuge jener denkwürdigen Stunde zu sein, in der das Ehrenmahl des 130. Infanterieregiments für die 5 000 gefallenen Söhne im Weltkriege seiner Bestimmung übergeben wurde. Der Künstler, Fritz Richter-Elsner, ein Berliner Bildhauer, hat mit diesem Denkmal etwas Vollendetes geschaffen und den Kellerkopf zum „Heiligland“ gemacht. Zehn Meter Höhe erhebt sich auf hohem Sockel ein in Stein gemeißelter Soldat, einen 130er darstellend, umgeben von einem hohen Wallring. Ein Kunstwerk monumentaler Architektur. Die Vorderseite des Denkmals trägt ein eisernes Kreuz, das den Sockelquader schmückt, auf der Rückseite steht der Schwur der Gefallenen. Zwei Feuersäulen mit Schalen schließen die Ringmauer ab und tragen die Bildnisse der Kommandanten, des Grafen Haeseler und des Obersten von Lengerke. In einer Nische in der Ringmauer steht ein uralter Schrein, der die Namen der 5000 Gefallenen birgt. Darüber in Bronze Bild der Stadt Metz. Zwei Hochreliefs im Mauer Rondel die noch geschaffen werden müssen, werden dem ganzen einen weihevollen Abschluss geben.

Bei der Denkmahlweihe sprach zunächst der Sohn des gefallenen Kommandeurs Pfarrer von Lengerke. Unter anderem sagte er, dass Erinnerung das ewige Paradies sei, aus dem man nicht vertrieben werden könne. Die ganz Umgebung sei in Erinnerung getauft. Vor den Augen hätten die ruhmreichen Feldzeichen der 130er Aufstellung genommen, die in Kampf, Not und Tod seien. Die erschienene Abordnung Traditionsregiments sei als Truppenteil der Gegenwart das Verbindungsglied zwischen Gegenwart und Zukunft.

Redner knüpfte an das Prophetenwort Jeremias, Kapitel 31, Vers 21, an, zumal dieses Wort auf die Vergangenheit hinweist. Es stünde nicht schlecht um unser Volk, wenn der Geist des Erinnerns durch die Reihen ginge. Leider seien es heute nur vereinzelte Volksgenossen, die nach dem Wort des Propheten handeln würden. Man habe keine Erinnerung, kein Hoffen mehr und die Toten vergesse man. Man möge in dieser Stunde versuchen, sich den Klauen des Zeitgeistes zu entwinden. Heute vor 59 Jahren habe die Schlacht um Sedan getobt, vor 14 Jahren überschritten die 130er Regimenter die Maas. Der Befehl des Propheten habe sich heute erfüllt: Richtet Denkmale auf! Hier sei keine Stätte des bleiernen Todesschlachtens, sondern des Stolzes und der Ehre. Redner erinnerte an die Gefallen. Es habe sich bei ihnen um kein gewöhnliches Sterben gehandelt, sondern um den Opfertod. Der Ehrensegen sei unvergänglich.

Der Geist der Einigkeit sei leider gesunken. Aber man solle sich nicht täuschen, der Geist von 1914 sei nur schlafen gegangen. Unsere Pflicht sei es, diesen Geist bei Kindern und Kindeskindern wieder zu neuem Leben zu erwecken.

General Stachow nahm die Enthüllung des Ehrenmals vor. Er fand hierzu packende und mitreißende Worte. Unter anderem betonte er, dass das deutsche Volk niemals größer, reiner und heiliger gewesen sei, als im Jahre 1914. Redner wies die Schuld am Weltkriege entschieden zurück, wie auch den Vertrag von Versailles, der nur auf Lügen aufgebaut sei. Um die deutsche Einigkeit müsse neu gekämpft werden, man müsse entschlossen sein, für sein Volk zu leben und zu sterben.

Während der Enthüllung erklang das Lied vom guten Kameraden, wie auch die Musikkapelle und zwei Gesangvereine die Feierstunde erheblich verschönten. Ein Telegramm des Offiziersbundes, Ortsgruppe Unna, kam zur Verlesung, dann erfolgte die Übergabe des Denkmals durch den Denkmalsausschuss an den Reichsbund. Viele Kränze wurden am Fuße des Denkmals niedergelegt, so unter anderem von dem Reserveregiment 130, dem Reichsbund ehemaliger 98er, dem schleswig-holsteinischen Dragonerregiment 19, dem Haeselerbund, dem Krieger- und Landwehrverein Opherdicke-Hengsen, der Gemeinde Hengsen, den militärischen Vereinen Holzwickede, dem Kriegerverband der Stadt Schwerte und dem Reserve-Infanterie-Regiment 67. Der Künstler, der das Werk geschaffen hatte, erfuhr eine hohe Ehrung. Mit dem Deutschlandlied fand diese eindrucksvolle Feier ihren Abschluss.

Auf dem Festplatz, wo zwei große Festzelte erstanden waren, entwickelte sich das bei solchen Veranstaltungen übliche Leben und Treiben. Man litt unter der brütenden Hitze, ließ sich aber immer wieder von den Menschenmassen drängen und schieben. Karussell, Los- und Schießbude sowie mehrere Verkäufer bunter, begehrenswerter

 

Schwerter Zeitung, 16. 06. 1930

Feuerwehrfest in Geisecke 

Verbunden mit der Einweihung des neuen Steigerturms

Nicht nur Schwerte, sondern auch unsere Nachbargemeinde Geisecke hatte gestern ihren großen Tag, galt es doch, den neuerbauten Steigerturm der dortigen freiwilligen Feuerwehr, seiner Bestimmung zu übergeben. Äußerst zahlreich hatten sich die Festteilnehmer zu dieser Feier in dem schönen westfälischen Dorfe, das Flaggenschmuck angelegt und Willkommenstransparente errichtet hatte. Als Festlokal hatte man die Wirtschaft Schulte-Höppe gewählt. Hier war hinter einer großen Scheune, die mitbenutzt wurde, ein großes Festzelt errichtet worden, das am Samstagabend anlässlich des Kommerses bis auf den letzten Platz besetzt war. Dieser Kommers, der den eigentlichen Auftakt zu dem eigentlichen Feste bildete, nahm in jeder Hinsicht einen würdigen Verlauf. Mitwirkender war der Gesangverein „Germania“ Geisecke, der mit einigen schönen und ansprechenden Liedervorträgen aufwartete. Brandmeister Schulte hielt eine herzlich gehaltene Begrüßungsansprache. Unter anderem begrüßte er die Ortsvereine, sowie die Gemeindevorsteher Spaemann, Geisecke, und Hohenschwert, Lichtendorf. Bis zu vorgerückter Stunde blieben die Teilnehmer bei Konzert, Tanz und einem guten Schoppen in bestem Einvernehmen zusammen.

Der Sonntag war dann ganz der eigentliche Festtag. Zur Einweihung des neuen Steigerturms hatten sich die Vereine der umliegenden Ortschaften eingefunden, um dieses denkwürdige Ereignis mitzuerleben. Viele auswärtige Feuerwehrleute waren in Geisecke erschienen und gruppierten sich nachmittags an der Festwirtschaft Schulte-Höppe zu einem stattlichen Festzug.

 […] Hier war ein größerer Abschnitt bei der Verfilmung abgedeckt und ist nicht lesbar.

Der Bau des neuen, schlichten Gerätehauses steht vollendet da und ihm angefügt erhebt sich stolz und stattlich der ebenfalls neu errichtete Übungsturm, beides dazu bestimmt, Gefahr und Unglück abzuwehren. Heute soll der Neubau feierlich seiner Bestimmung übergeben werden. Mit Freuden begrüßt die Gemeinde Geisecke das Erscheinen so zahlreicher wackerer Feuerwehrleute, die vom nah und fern gekommen sind, um am Feste ihrer Geisecker Kameraden teilzunehmen.

Die Erkenntnis von der Bedeutung der Feuerwehr hat sich im Laufe der Jahrzehnte stark gewandelt. Früher kaum beachtet steht sie heute als eine der wichtigsten aller Vereinigungen anerkannt da.

Die zerstörende Macht des Feuers wütet überall, es überfällt die kleinsten Hütten und macht nicht Halt vor Riesenbauten und Palästen. Ob reich oder arm, alle bedürfen der helfenden und schützenden Hand der Feuerwehr. In ihr ist alles nur von dem Wunsch beseelt, in der Stunde der Not, wenn plötzlich das Feuer in die Mitte des Geschehens tritt, in dienender Liebe seinen Mitmenschen beizustehen, für sie die Hand zu rühren, was Menschenhand nur zu tun vermag. Solch ein Amt hat die Feuerwehr in allen Kulturstaaten, von der Hauptstadt bis zu dem kleinsten Dorf, von der festorganisierten Berufsfeuerwehr bis zum freiwilligen Dienst der kleineren Orte. Aber gerade die Freiwilligkeit ist etwas Großes und Edles, denn der Wert des Menschen beweist sich am sichersten nach dem Maß, in dem er für seine Mitmenschen Opfer zu bringen gewillt ist.

Der Bürgermeister schilderte dann die Entstehung und Entwicklung der Geisecker Wehr bis zum heutigen Tage und hob hervor, dass sie es verstanden habe, in verhältnismäßig kurzer Zeit zu einer beachtenswerten Feuerschutzorganisation im Amte Westhofen heranzubilden. Die Liebe der Mitglieder zur Feuerwehr habe auch darin ihren Ausdruck gefunden, dass man schon lange ein neues Gerätehaus anstelle des Bisherigen herbeigesehnt habe, und wenn diese Wehr heute befriedigt auf die Erfüllung ihres Wunsches schauen könne, so sei es eine schuldige Pflicht, allen die am Bau mitwirkten, den verdienten Dank auszusprechen. Dank für die Förderung des Baues gebühre vor allem dem Landrat Dr. Loos in Iserlohn, der zu seinem Bedauern heute nicht anwesend sein könne, der ihn, den Bürgermeister, aber beauftragt habe, seine besten Grüße und Wünsche zum heutigen Tage und zur Vollendung des Baues zu übermitteln. Dank gebühre ferner dem Kreisbrandmeister Baurat Blume in Hennen für seine wertvollen Vorschläge in Beziehung auf die Gestaltung des Baues. Dank der Gemeindevertretung, die nicht nur das Baugelände erworben, sondern auch noch in opferwilliger Weise beträchtliche Mittel für den Bau zur Verfügung gestellt habe. Dank sei endlich gesagt allen sonst beteiligten Gesellen, den Handwerkern und Arbeitern, die mit ihrer Hände Fleiß den Bau aufrichteten. Der Bürgermeister schloss seine weiteren Ausführungen mit dem Wunsche, dass das neue Haus wie der Übungsturm, das nunmehr seiner Bestimmung übergeben werde, dazu beitragen möge, die Schlagfestigkeit der Geisecker Wehr zu erhalten und zu erhöhen, das Band der helfenden Liebe unter den Mitgliedern der Wehr fester zu knüpfen und die Brüderlichkeit, die Kameradschaftlichkeit zu stärken.

Einer für alle, alle für einen, sei euch künftig die Losung, wenn die Glocke des Alarms ertöne und zum Dienst ruft.

Gemeindevorsteher Spaemann übergab anschließend den Schlüssel des Gebäudes, in dem gleichzeitig die Gräte Unterkunft finden, dem Brandmeister Schulte zu treuen Händen. Er sprach die Hoffnung aus, dass Gott die Gemeinde vor Brand und gefahrbringenden Naturereignissen bewahren möge. Er wünschte allen Teilnehmern ein frohes und heiteres Fest. Brandmeister Schulte brachte dann noch ein Hoch auf unser Vaterland, dem das gemeinsam gesungene Deutschlandlied folgte.

Die sich daran anschließenden Übungen der Geisecker Wehr bewiesen, dass sich diese in Form befindet. Steigerübung sowie die Übung mit den Spritzen löste allgemeine Anerkennung aus. In einer äußerst kurzen Frist waren die Gerätschaften zur Stelle und hatte man die erforderliche Wassermenge gepumpt. Zu erwähnen ist noch, dass der Steigerturm, von einer Westhofener Firma errichtet, einen schmucken und sauberen Bau darstellt, der dem Ortsbild nur zur Zierde gereichen kann.

Alle Teilnehmer marschierten dann wieder im geschlossenen Zuge zum Festlokal Schulte-Höppe zurück, wo das eigentliche Fest begann. Eine äußerst fidele Stimmung ließ nicht lange auf sich warten, Konzertstücke und Tanz wechselten miteinander ab und jeder Teilnehmer bedauerte es aufrichtig, als die Abschiedsstunde schlug. Die freiwillige Feuerwehr Geisecke kann auf eine wohlgelungene Veranstaltung mit Freude zurückblicken.

 

Schwerter Zeitung, 30. 06. 1934

Geisecke, 30. Juni. Die Schützen marschieren wieder – Heute Vogelschießen. Nach wochenlangen Vorbereitungen findet heute und morgen das große Fest des Bürgerschützenvereins Geisecke-Lichtendorf statt. Es soll in den traditionellen Formen und im Geiste neuer Volksgemeinschaft begangen werden. Das Vogelschießen wird heute auf dem Schießstande im Aplerbecker Walde abgehalten. Die Spannung ist groß, wer diesmal der glückliche Königsschütze sein wird. Der Festplatz liegt in der Nähe des Bahnhofs Geisecke auf einem Grundstück der Reichsbahn, wo ein großes Festzelt aufgebaut ist. Wie in früheren Jahren, werden es sich die Schützenbrüder aus der Nachbarstadt Schwerte auch diesmal nicht nehmen lassen, die nachbarliche Gemeinschaft durch einen Besuch zu erneuern und weiter zu fördern.

 

Kirchlicher Anzeiger für die katholische Pfarrgemeinde Schwerte (Ruhr), 23. Februar 1936

St. Antonius-Kirche Geisecke

Eine heilige Gottesfeste, nicht wuchtig nicht groß, aber ernst und charaktervoll erhebt sich aus der Dorfgemeinde Geisecke.

Würde und Kraft kündet die Kirche, die in ihrer Grundform im gotischen Stil erbaut ist. Der helle Putz mit dem blaugrauen Schieferdach verleiht dem Gotteshause eine eigenartige Freundlichkeit.

Die Gesamthöhe der Kirche einschließlich Chor und Sakristei beträgt 15/ 20 m.

Betreten wir nun das Innere der Kirche. Hier erregt zunächst die Dachkonstruktion unsere Aufmerksamkeit. Diese Zollbaukonstruktion wurde gewählt, weil sie im Rahmen der Mittel lag, aber, auch der gotischen Form am meisten entspricht, hallenartig wirkt den Luftraum erheblich erweitert. Die innere Ansichtsfläche diese Zollbaukonstruktion, die durch sichtbar bleibende Rauten gebildet ist, ist farbig behandelt, dagegen die zurückliegenden Felder mit einer Holzfaser-Isolierplatte ausgelegt. Diese geben durch ihren Grundstoff, Holz, so wie durch ihre natürliche Färbung dem Ganzen ein harmonisches Gepräge. Auch ermöglichte diese Dachkonstruktion die Anlage eines hohen Chors. Sechs Stufen führen insgesamt zum Opferaltar, der aus Holz gebaut, mit künstlerisch farbiger Behandlung versehen ist. Seine gesamte Form ist äußerst schlicht, aber durchaus ansprechend. Der Rückwand des Altarraums konnte leider noch nicht jenes Gepräge gegeben werden, wie es einer vollendeten Kirche entsprechen würde. Später einmal soll Künstlerhand dieser Wandfläche ein Gruppenbild auftragen. Das Chor und die Sakristei sind unterkellert. In diesem Keller ist eine Warmluft-Umluft-Heizung eingebaut, die bereits schon seit mehreren Wochen ihren Dienst angetreten hat.

Auf die Verglasung der Kirchenfenster wurde besonderes Gewicht gelegt. Sie bestehen aus reinen Antikgläsern, in künstlerischer Form verteilt. Im Gegensatz zu gemalten oder gewischten Fenstern spenden dies reinen Antikgläser eine ganz besondere Fülle von Licht und Wärme. Die sechs seitlichen Chorfenster, die im leuchtenden Goldton gehalten sind, geben dem Altarraum eine weihevolle Stimmung. Die übrigen Kirchenfenster, die im gleichen goldenen Ton gehalten sind, zeigen uns in den Spitzbögen die sieben Sakramente.

Der Kirchenboden ist betoniert und mit Zementestrich versehen. Das Gestühl, aus Kiefernholz gebeizt, steht auf einem Holzplanum. Die Turmumfassungswände im Innenraum der Kirche sind in Höhe der Orgelbühne, die über dem Windfang angebracht ist, in Spitzbogenform durchbrochen. Diese sind unterhalb der Decke wieder geschlossen und bilden außerhalb des Gebäudes den Turm, der dem Ganzen die Festigkeit gibt. Dieser Turm, in dem schon jetzt zwei von edlen Wohltätern gestiftete Glocken hängen, ist so groß bemessen, dass später einmal größere Glocken darin hängen können. Die Töne der einzelnen Glocken ist cis und gis. Und nun rufen uns die Glocken von St. Antonius am kommenden Sonntag zum ersten Mal. Ihr Klang ruft freudige Botschaft in die ganze Umgebung hinaus. Das Kirchlein soll seiner Bestimmung übergeben, es soll geweiht werden zum Dienst des Allerhöchsten.

Die feierliche Weihe ist um 9:30 Uhr, anschließend gegen 10 Uhr das Hochamt. Kommen wir alle! Zu den Werkleuten gehören die Herren: Entwurf und Bauleitung: Franz Stellbrink, Schwerte. Maurer und Betonarbeiten: Fritz Kremer, Baugeschäft, Schwerte. Zimmerarbeiten: Baugeschäft Stellbrink, Schwerte. Schreinerarbeiten: Ludwig Kamm, Max Großpietsch, Josef Friedrichs, Schwerte, Willi Wigger, Ergste. Dachdeckerarbeiten: Willi Cremer, Schwerte. Lichtinstallation: Kleinjohann und Fasnacht, Schwerte. Außenputzarbeiten: Friedrich Rappert, Schwerte. Malerarbeiten: Albert Schmand, Geisecke. Kunstverglasung: Arbeitsgemeinschaft Friedrich Lauten und Kunstmaler Scheffler, Köln. Heizungsanlage: Walter Pyrkosch, Essen.

 

Schwerter Zeitung, 17. 06. 1936

Geisecke, 17. Juni. Das Schützenfest ein Volksfest. Die Vorbereitungen für das am 20. und 21. Juni stattfindende Schützenfest des Schützenvereins Lichtendorf-Geisecke sind in vollem Gange. Wie sich schon jetzt sagen lässt, wird es ein Volksfest im rechten Sinne des Wortes werden. Das Königsschießen wird im Aplerbecker Walde abgehalten. Das große Festzelt, die Vergnügungsunternehmen und die Verkaufsbuden sollen auf dem Festplatz am Bahnhof Geisecke aufgebaut werden. Die Zahl der Mitglieder und Förderer des Schützenvereins hat in den letzten Jahren stetig zugenommen.

 

Schwerter Zeitung, 22. 06. 1936

Schützenfest in Lichtendorf-Geisecke

Wilhelm Frohne errang die Königswürde.

Schwerte, 22. Juni. Der Schützenverein Lichtendorf-Geisecke, der 1838 ins Leben gerufen wurde und somit in zwei Jahren sein 100jähriges Bestehen feiern kann, hatte am Samstag und Sonntag, zur Zeit der Sommersonnenwende, sein Schützen- und Volksfest. Das Regiment, das Oberst Fritz Bährensmann führt, stand am 20. Juni bereits um 7 Uhr morgens am großen Festzelt, das oberhalb des Bahnhofs Geisecke, auf der an der Straße gelegenen Wiese errichtet war, vollzählig angetreten. Schützenmajor Heinrich Zilian hatte das Kommando. Bei lachendem Morgensonnenschein zogen die drei Kompagnien zum alten König Friedrich Bährensmann sen. Dort wurde bei Konzertdarbietungen der Schützenkapelle, die unter Leitung des Kapellmeisters Robert Köppikus, Schwerte, stand, der Morgentrunk eingenommen, das Zielwasser für den neuen Vogel. Unter Voranführung des neuen Königsvogels traf der Zug gegen 10:30 Uhr am Vogelstand am Aplerbecker Wald ein. Mit einem Tusch der Schützenkapelle wurde der Vogel gehisst. Der stellvertretende Vereinsführer Schäfer hielt die Eröffnungsansprache, die mit einem dreifachen Horrido auf den obersten Protektor des Schützenwesens, Adolf Hitler, ausklang. Darauf erklärte der Oberst das Schießen für eröffnet. Den 1. Schuss tat Amtsbürgermeister Humme für den Führer. Den 2. Schuss tat König Friedrich I., dann folgte der Oberst der gleich einen kräftigen Kernschuss feuerte, und der Stab des Regiments. Das Durchschießen ging in der Reihenfolge: 3. Kompagnie, 1. Kompagnie und 2. Kompagnie. Die Leitung des Kampfes hatte der altbewährte Schießwart des Bürgerschützenvereins Schwerte, Wilhelm Brinker. Träger der goldenen Schießmeisterschaftsauszeichnung. Dieser hatte auch den Vogel aus einer alten deutschen Graseiche geschnitzt. Das Holz war technisch sehr gut verarbeitet.

Den Reichsapfel holte sich in sicherer Manier der Schütze Josef Wichardt von der 3. Kompagnie. Mit wohlgezieltem Schuss errang Oberleutnant Hermann Spaemann, ein sonnengebräunter Germane und alter Schütze der 1. Kompagnie, der seine Büchse stets zu meistern weiß, und keine Patrone vorbeischießt, die Krone. Das Zepter wurde eine sichere Beute des Schützen Johannes Hildebrand von der 3. Kompagnie. Schütze Gustav Berge hatte Lockerungsarbeit geleistet. Bald fiel dann auch der rechte und der linke Flügel. Die Wachen wurden abgelöst und kamen dann auch zum Schießen. Nach einer kurzen Gefechtspause gab der Oberst das Kommando zum

Königsschießen.

Es fehlte nicht an Anwärtern für die hohe Schützenwürde. Ein eifriger Wettbewerb entstand. Mit dem zweiten Schuss holte Hauptmann Fritz Reckermann von der 1. Kompagnie die durchlöcherte Brust des Vogels herunter. Auch der Hauptmann der 2. Kompagnie Heinrich Reckermann beteiligte sich mit wohlgezielten Kernschüssen. Ebenso kämpfte Hauptmann Wilhelm Kuhlmann erbittert um die Königswürde. Schütze Wilhelm Frohne tat sich besonders erfolgreich hervor. Mit etlichen wohlgezielten Schüssen zermürbte er den Rumpf des Vogels derartig, dass er keinen Halt mehr finden konnte. Es würde zu weit führen, auch noch die anderen Schützen aufzuführen, die mit Eifer bei der Sache waren. Noch einmal riss Schütze Frohne die Büchse an die Backe und um 13:05 Uhr fiel der kleine Rest des Vogels, der nicht mehr lebensfähig war, von der Stange. Mit kräftigen Armen wurde der neue König, Wilhelm Frohne, Lichtendorf, auf die Schultern gehoben und ein donnerndes Horrido klang dem Erringer der Königswürde entgegen. Die Adjutanten jagten auf ihren Pferden davon und bald nach 14 Uhr war der festliche Zug zusammengestellt. Die Bagage der 1. Kompagnie war dank der gütigen Vorarbeit des Verpflegungsunteroffiziers Walter Bährensmann ganz ausgezeichnet. Auch der Bagagewagen der 3. Kompagnie war gut bestellt. Verpflegungsunteroffizier Schulte und Gefreiter Künemund waren schon um 5 Uhr auf den Beinen. Die 3. Kompagnie, die zunächst das Sorgenkind des Regiments war, sie war erst letzten Winter gebildet worden, war die Fahnenkompagnie. Von Januar bis Februar hatte die Kompagnie fleißig Übungen abgehalten und Hauptmann Kuhlmann zeigte sich als Kompagnie Chef, der ganz für seine Leute aufgeht. Er war es auch der das Liederbuch der deutschen Schützen für die Kompagnie einführte.

Zur Königs-Proklamation traf der Festzug um 15:40 Uhr am Festzelt, indem der Festwirt Paul Oberschelp, Schwerte, alle Vorbereitungen getroffen hatte, ein. Vor dem Zug tänzelte, einem alten Brauch zufolge, ein Spaßmacher in ulkiger Tracht. „Heinken“ gab sich alle Mühe trotz der Gluthitze. Das ganze Regiment hatte überhaupt mit dem langen Marsch zum und vom Aplerbecker Wald bei der stechenden Sonne eine Energieleistung vollbracht.

Die Königskrönung

fand um 16:45 Uhr auf der Festwiese vor dem Festzelt statt. Major Zilian ließ das Gewehr präsentieren und der alte König mit seinem Gefolge schritt noch einmal die Front ab. Vereinsführer Pingel hielt die Ansprache. Er ging noch einmal auf das Königsschießen ein und beglückwünschte die Träger der Insignien. Mit einem wohlgezielten Schuss sei es nach heftigem Kampfe dem Schützen Wilhelm Frohne gelungen, den Vogel zur Erde zu zwingen. Der Vereinsführer dankte dem alten König Friedrich I. und der Königin Emilie für die Regentschaft, die zwei Jahre gedauert habe. Der Bürgerschützenverein Geisecke-Lichtendorf sei in dieser Zeit wohl betreut worden. Sodann rief der Vereinsführer den Schützen Frohne zum neuen König Wilhelm I aus und dessen Gemahlin zur Königin Karoline. Die Königskette wurde dem neuen König mit dem Wunsch übergeben, dass er sie in Gesundheit zum Wohle des Vereins tragen möge. Dem neuen Königspaare wurde ein dreifaches Horrido ausgebracht. Die alte Majestät ließ es sich nicht nehmen, noch einmal den Dank für die bewiesene Treue auszusprechen und damit den Wunsch zu verbinden, die gleiche Treue dem neuen König zu erweisen. Vor dem alten und dem neuen König fand dann vor dem Festzelt ein Parademarsch statt. Im Festzelt selbst herrschte bei Musik und Tanz frohes Leben. Den Thron, den es in früheren Zeiten auch im Schützenverein Lichtendorf-Geisecke gab, hatte man abgeschafft, der Schützenkönig saß inmitten seines Volkes. Gegen Abend traf eine große Abordnung des Bergerschützenvereins Schwerte, der auch der Vereinsführer und der Oberst angehörte, im Festzelt ein.

Am Sonntag strahlte Lichtendorf und Geisecke wieder im Sonnenschein. Haus bei Haus hatte geflaggt und Grünschmuck angelegt. Auch die Anlieger des neuen Mühlenwegs hatten die Häuser geschmückt. Unter Vorantritt der Schützenkapelle wurde das Königspaar in feierlichem Zuge abgeholt. In Lichtendorf wurde die 1. Kompagnie des Bürgerschützenvereins Dortmund von 1388, die, angeführt von Oberstleutnant Furcht, mit einem eigenen Spielmannzug zur Stelle war, freudig begrüßt. Nach einer Ovation, die König Wilhelm I. und der Königin Karoline galt, wurde der Festzug zusammengestellt. Nach einem Umzug durch Lichtendorf und Geisecke marschierte man zum Festzelt, wo die große Königsparade stattfand. Vereinsführer Pingel hielt eine packende Festansprache. Im Festzelt war Alt und Jung in froher Stimmung und ungezwungener Gemeinschaft beisammen. So kann der Schützenverein Lichtendorf-Geisecke mit stolzer Freude seinem 100 Jubiläum entgegensehen.

 

Schwerter Zeitung, 18. 06. 1938

100jähriges Jubelfest des Schützenvereins Lichtendorf-Geisecke

Festlicher Auftakt – Gaudietwart Ebeling weihte die neue Reichsbundfahne

Das Schützenbataillon zum Schützenregiment erhoben

Lichtendorf-Geisecke, 18. Juni. Die fröhliche Zeit der Schützenfeste hat jetzt allenthalben in Rheinland und Westfalen begonnen. In unserem heimischen Bezirk ist es Schützenverein Lichtendorf-Geisecke, der mit einem Schützen- und Volksfest den Anfang macht. Der schöne Brauch der Schützenfeste besteht in Lichtendorf-Geisecke nun schon 100 Jahre. In diesen Tagen entsteht er wieder in noch größerer Herrlichkeit und Fröhlichkeit, da mit dem alten Heimatfest zugleich die 100jährige Jubelfeier des Vereins verbunden ist.

Der festliche Auftakt

zum Jubelfest war bereits am gestrigen Freitagabend. Galt es doch die neu beschaffte Reichsbund-Fahne zu weihen.

Um 7 Uhr abends trat das Schützenbataillon beim Gasthof Schulte-Höppe an. Gegen 8 Uhr rückten die Schützen zum Festmarsch durch Geisecke ab. An der Spitze des stattlichen Zuges sah man Schützenoberst Bährensmann, Schützenkönig Wilhelm Frohne, sowie den Schützenmajor Zilian. Es folgte die Musikkapelle, die alte Schützenfahne und dann die drei Kompagnien mit Gewehren. Der Ummarsch führte durch die ganze Ortschaft, die mit Fahnen und Girlanden reich geschmückt war, bis zur Pumpstation Hengsen. Um 9 Uhr abends kam das Schützenregiment am großen Festzelt an, das auf den Wiesen des Schützenobersten Bährensmann errichtet worden war.

Im Festzelt

Nahmen die Kompagnien Aufstellung. Als ältesten aktiven Schützen sah man den 81jährigen Schützenkameraden Bährensmann.

Vereinsführer Pingel eröffnete die Feierstunde mit einem kurzen Begrüßungswort. Er hieß die Schützenkameraden willkommen; insbesondere begrüßte er die Vertreter des Schützengaues, den Gaudietwart Adolf Ebeling, Westhofen und den Gauschießwart Paul Kempke, diesen auch als Kreisführer des Lenne-Volme-Kreises und als Ortsgruppenführer des Deutschen Schützenverbandes von Schwerte-Ergste und Westhofen, ferner Ortsgruppenleiter Scholtis, Westhofen, der auch als Vertreter des Amtsbürgermeisters erschienen war.

Darauf ergriff Gaudietwart Adolf Ebeling, Westhofen, das Wort zur

Weiherede

Der Gaudietwart überbrachte zunächst zur Hundertjahrfeier des Schützenvereins Lichtendorf-Geisecke die Glückwünsche des Deutschen Schützenverbandes, dessen Führung in den Händen des Parteigenossen SA-Obergruppenführer und Schützenkameraden Jüttner liegt. Weiter übermittelte er die kameradschaftlichen Grüße zum Ehrentage vom Schützengau Westfalen-Lippe, mit seinem für die Schützensache stets einsatzbereiten Gauschützenführer Lühn an der Spitze. Zuletzt überbrachte er die aufrichtigsten, freund- und kameradschaftlichsten Wünsche der alten Reichshofschützen zu Westhofen. Sodann führte Gaudietwart Ebeling aus: „Ein Jahrhundert ist, menschlich gesehen, eine weite Zeitspanne. Ihre Kameradschaft sah in dieser sonnige und friedliche, ernste und kriegerische Tage. Sie haben sie überdauert. Das ist als ein untrügliches Zeichen für den gefundenen Kern zu werten, der in der Schützenkameradschaft mit ihrem volkstümlichen Frohsinn liegt. Nur weil das Herz der Schützen immer deutsch war, ist es durch Jahrhunderte hindurch wertbeständig geblieben, und so wird es auch erklärlich, dass es den Männern mit diesem Volksherzen nicht schwer geworden ist zu folgen, als aus des Volkes Mitte der heldische Ruf des Führers zum Sammeln um seine Fahne und zum Aufbau des Großdeutschen Reiches erscholl. Ihr inneres, einmütiges Bekenntnis, sich dem Willen des Führers ein- und unterzuordnen, bringen Sie in der Zukunft nur auch nach außen zum Ausdruck, dass Sie das vom Führer bestimmte Sinnbild des Reichsbundes für Leibesübungen Ihren Schützen voraustragen.

Fahnen waren und bleiben Spiegel ihrer Zeit, lebendige, anschauliche Symbole. Die Kenntnis darüber führt zum Erkennen der heiligen Verehrung, die diese zu allen Zeiten genossen. Bekannt ist ja, dass die fälischen Sachsen im sechsten Jahrhundert eine Fahne hatten, die im Felde einen Drachen neben einen Löwen mit fliegendem Adler darüber zeigte. im 12 Jahrhundert baute man besonders gepanzerte Fahnenwagen, mit denen man in die Reihen der Gegner fuhr, um so die eigenen Sturmkolonnen zu Nachdringen anzufeuern und den Sieg herbeizuführen. Die Geschichte nennt unzählige Fälle, in denen durch die vorangeführte Fahne eine entscheidende Wendung in den Kampfhandlungen herbeigeführt wurde. So ergriff, als am 6. Mai 1757 in der Schlacht bei Prag der linke Flügel des preußischen Korps Friedrich des Großen, den der Graf von Schwerin führte, zu wanken begann, dieser 73jährige Feldmarschall die Fahne seines Regiments, um seine Truppen erneut zum Sturme zu führen. Nach wenigen Schritten fiel er von 4 Kugel durchbohrt, aber, der Sieg der Preußen ward erstritten.

Als am 22. Mai 1809 Napoleon I. im Kampf gegen die Österreicher in der Schlacht bei Aspen schon den Sieg über die zurückflutenden Gegner errungen zu haben glaubte, ergriff Erzherzog Karl die Fahne des Regiments Zach, führte die Infanterie persönlich und schlug die Franzosen siegreich in die Flucht. Der Tag kostete den Korsen die Hälfte seiner Truppen, seiner 90 000 Mann starken Armee. Aus dem Weltkrieg 1914/ 18 sind viele hundert Fälle bekannt, wo die Fahne den Sieg unserer deutschen Soldaten entschied.

Wir können die vielen Heldentaten gar nicht alle aufzählen, wohl aber lassen Sie uns jetzt der Helden selbst gedenken, unsere Väter, Söhne und Brüder, die unter Deutschlands Fahnen stritten und den Tod für uns erlitten. Sie, die unter fremden oder heimatlichen Rasen ruhen und uns mahnend sagen: „Wir Toten sind größere Heere als alle auf dem Lande, alle auf dem Meere“ (Die Kapelle intonierte das Lied „Morgenrot, Morgenrot“ und anschließend „Ich hatte einen Kameraden“.)

Fahnen werden nur dem Würdigen verliehen!

Sie, liebe Schützen der Jubilar Kameradschaft pflegen , in Fortsetzung uralten Brauchs Ihrer Väter, freiwillig den Schießsport, der vom ältesten wehrfähigen Mann bis zur Jugend herab durchgeführt werden muss. Damit erfüllen Sie eine hohe vaterländische Pflicht und den Auftrag unseres Führers, den er dem deutschen Schützenverband gab. Darum aber auch entrolle ich dem Symbol der pflichtbewusst gewesenen Vergangenheit das neu Symbol für die Pflicht fordernde Zukunft. Ich übergebe jetzt Ihrem Kameradschaftsführer, den ich bitte, gemeinsam mit dem Träger des neuen Symbols und den Begleitoffizieren die Linke auf das Fahnentuch zu legen und die Rechte zu erheben, mit den weihenden Worten:

Ewige Treue unserem Führer!
Alle Kraft dem Volke!
Das Herz dem Vaterland

Sie, meine Kameraden, schwören für sich und Ihre sämtlichen Kameraden, dass Sie für alle Zeit den Weihespruch erfüllen. Sie bekräftigen dies laut und deutlich mit den Worten: „Ich schwöre es“ (Während des Schwurs wurde vom Schützenhauptmann von Lünen-Schwerte Salut geschossen). Es ist dies eine hehre Stunde, in der Sie zugleich 100 Jahre alt geworden sind. Sie zu erleben, verdanken wir den Tapferen der Bewegung, besonders aber dem Manne, der im Herzen eines jeden Deutschen lebt.

Der Gaudietwart schloss seine Weiheredemit dem Sieg-Heil auf den Führer, die Nationalhymnen wurden gesungen.

Dann erteilte der Vereinsführer dem Gauschießwart und Kreisschützenführer Kempke, Schwerte, das Wort. Dieser überbrachte in dreifacher Eigenschaft die Glückwünsche des Deutschen Reichsbundes für Leibesübungen und des Deutschen Schützenverbandes, nämlich als Gauschießwart, als Kreisschützenführer und als Ortsgruppenführer. Kamerad Kempke sprach dann über den Zusammenschluss aller Schützenvereine im großen Deutschen Schützenverband und über die Aufgaben, die dem Schützenverband im Reichsbund für Leibesübungen gestellt seien. Nach seinen grundsätzlichen Ausführungen überreichte der Gauschießwart dem Vereinsführer die Ehrenurkunden zum 100jährigen Jubiläum, die die Unterschrift des Führers des Deutschen Schützenverbandes, SA-Obergruppenführer Jüttner tragen, und schloss mit den Worten, die immer maßgebend für die deutschen Schützen seien: „Üb Aug und Hand, fürs deutsche Vaterland“.

Vereinsführer Pingel dankte zunächst dem Gaudietwart Ebeling für seine anerkennenden Wort und für die Überreichung der Fahne. Die Fahne soll dem Schützenverein immer ein Heiligtum sein, ein Sinnbild der Nationalflagge, der man bis zum Tode folgen müsse. Schützenoberleutnant Spaemann sprach dann den Fahnenspruch „Es zieht eine Fahne vor uns her …“

Der Vereinsführer dankte dem Gauschießwart für die Verleihung der Ehrenurkunden und gab das Versprechen, immer den Anweisungen des Deutschen Schützenverbandes zu entsprechen. Darauf erhob der Vereinsführer das Schützenbataillon Lichtendorf-Geisecke zum Schützenregiment, mit sofortiger Wirkung. Dann wurde der Tagesbefehl des Schützenkönigs Wilhelm I. vom Vereinsführer bekanntgegeben. In diesem dankt die Schützenmajestät allen Schützenkameraden und dem Schützenvolke für die treue Gefolgschaft. Am Vorabend seines Rücktritts richtet er an alle Schützen den Apell, das 100jährige Jubelfest als ein rechtes Volksfest zu feiern und damit den guten Ruf zu festigen, den die Schützenfeste in Lichtendorf-Geisecke besitzen. Mit Beifall wurde der Tagesbefehl des scheidenden Schützenkönigs entgegengenommen. Darauf gab der Vereinsführer die neuen Beförderungen bekannt:

So wurde befördert Schützenmajor Zilian zum Schützenoberstleutnant und mit der Führung des Regiments beauftragt, Schützenoberstleutnant Dieckerhoff kommandiert zum Stabe des Obersten; Kassenwart Westermann zum Schützenregimentszahlmeister, die Schützenhauptleute Kuhlmann und Reckermann zu Hauptleuten erster Klasse. Sie erhielten das große Eichenlaub, Schützenhauptmann Wachholz das kleine Eichenlaub, die Leutnants Köhler, Niederschulte, Berge und Prause wurden zu Schützenoberleutnants befördert

Einer großen Anzahl von Schützenkameraden wurde darauf für treue Dienste ein Schützenorden bzw. eine Schützennadel verliehen. Die Ehrendamen des letzten Schützenfestes befestigten die Auszeichnungen an den Schützenuniformen der Ordensträger.

Der Vereinsführer ernannte dann noch folgende Mitglieder, die seit 1898 dem Schützenverein Lichtendorf-Geisecke angehören und über 70 Jahre alt sind, zu Ehrenmitgliedern: Fritz Bährensmann, Theo Wiggers, Heinrich Kuhlmann, Gottfried Dreyer, Fritz Schulte-Höppe und August Wüstenhagen.

Zum Schluss all der Ehrungen und Auszeichnungen trat noch einmal der Gaudietwart vor und zeichnete den Mann aus, der mit starker Hand seit Jahren die Vereinsführung in Händen hat: Josef Pingel. Es wurde ihm eine wertvolle Plakette des Reichsbundes für Leibesübungen überreicht. Der Vereinsführer dankte herzlich für diese Auszeichnung. Damit war der offizielle Teil des Abends beendet. Die Kapelle Ißbrücker, Aplerbeck, spielte flotte Weisen, und auch draußen auf der Festwiese, die als Rummelplatz hergerichtet war, herrschte bis in den späten Abend hinein frohes Leben und Treiben.

 

Schwerter Zeitung, 22. 06. 1938

Volksfest in Lichtendorf-Geisecke

Schützenkamerad Hans Heide errang die Königswürde und erkor seine
Gemahlin Wilhelmine zur Schützenkönigin.

Lichtendorf-Geisecke, 20. Juni. Seit Freitag steht Geisecke-Lichtendorf im Zeichen des 100jährigen Jubelfestes des Schützenvereins. Der Vereinsführer hatte die Parole herausgegeben, es soll wieder ein rechtes Volksfest werden. Das kam durch die Ausschmückung des Ortes und durch die Teilnahme der Bevölkerung auch schon nach außen hin zum Ausdruck. Mittelpunkt der Feierlichkeiten war natürlich auch am Samstag und Sonntag das große Festzelt auf der Bährensmann‘schen Wiese, hier war, wie wir schon ausführlich berichteten, am Freitagabend der festliche Auftakt. Am Samstag früh stand das Schützenregiment vor dem Zelt angetreten. Die alte Schützenmajestät, Wilhelm Frohne, nahm noch einmal die Parade ab. Dann führte der Festmarsch durch Lichtendorf. Das Ziel war der altbekannte Schießplatz am Aplerbecker Wald. Lachender Sonnenschein schlug den Grünröcken entgegen. Der alte König gab den Ehrenschuss auf den Führer und Reichskanzler, dem Schirmherren der deutschen Schützensache, ab. Den zweiten Schuss feuerte Schützenkamerad Schäfer in Verhinderung des Vereinsführers ab, den dritten Schuss Schützenoberst Bährensmann. Um 11 Uhr wurde bereits das goldene Zepter des schwarzen Vogel durch wohlgezieltem Schuss herunter gefegt. Der Schützenkamerad Welke aus Geisecke (1. Kompagnie), war der erfolgreiche Schütze. Um 11:05 Uhr war die zweite Trophäe fällig, Kamerad August Steinweg, Geisecke (1. Kompagnie), holte sich die Krone. Um 11:30 Uhr errang Kamerad Fritz Steinweg, Geisecke (2. Kompagnie) den goldenen Reichsapfel. Immer heißer entbrannte der Kampf. Noch waren beide Flügel am Rumpf. Um 12:35 Uhr schoss Schützenleutnant Adolf Palm den linken Flügel herunter und 5 Minuten später Schützenoberleutnant Hermann Spaemann den rechten Flügel.

Nun wurde der Rumpf des Vogels aufs Korn genommen. Ehrlich wurde um die Königswürde gerungen. Kandidaten, im früheren Sinne, hat es in Geisecke-Lichtendorf nie gegeben. Wer den Rumpf herunter holt ist der König und jeder Schütze hält drauf, um diese Würde zu erringen.

Um 13:15 Uhr fiel der Königsschuss. Der Schützenkamerad Hans Heide aus Geisecke holte das noch an der Stange haftende Stück des Vogels herunter. Salut wurde geschossen, und mit großer Begeisterung und Freude wurde der neue König begrüßt und von allen Schützenkameraden beglückwünscht. Der neue König ist von Beruf Gärtner am Dortmunder Wasserwerk. Er erkor sich seine Gattin Wilhelmine Heide zur Schützenkönigin. Mit klingendem Spiel ging es zurück nach Geisecke. Es wurde eine Mittagspause eingelegt, und dann war im Festzelt die Proklamation des neuen Königspaares. Die feierliche Verabschiedung des alten und die ehrenvolle Krönung des neuen Königspaares leitete Vereinsführer Pingel. Die Schützen standen mit ihrer neuen Fahne um die beiden Königspaare geschart. Der Vereinsführer verabschiedete mit ehrenden Worten den bisherigen Schützenkönig Wilhelm Frohne und seine Gemahlin, und überreichte dann die Königskette dem Schützenkönig Hans Heide, der nun mit Königin Wilhelmine zusammen den Lichtendorf-Geisecker Schützenthron innehat. Der kurze eindrucksvolle Staatsakt klang aus mit einem dreifachen Horrido auf das neue Königspaar.

Nach der Proklamation spielte die Kapelle Ißbrücker, Aplerbeck, zum Festball auf. Auf dem Rummelplatz vor dem Zelt entwickelte sich bei herrlichem Wetter frohes Leben und Treiben.

Im Mittelpunkt des dritten Festtages stand der große Festmarsch, an dem auch auswärtige Vereinsabordnungen teilnahmen. Das neue Königspaar wurde in feierlicher Weise abgeholt, und im Triumphzuge ging es durch die im Festschmuck prangende Ortschaft. Im Festzelt nahmen die Feierlichkeiten ihren Fortgang, und nach dem offiziellen Teil gab es im Zelt allerlei Belustigung. Ein großer Schützenball hielt die Festteilnehme noch recht lang beisammen. Der heutige Montag beschließt das harmonisch verlaufene Jubelfest durch das Kinderschützenfest und den Ausklang im Festzelt.

 

Schwerter Zeitung, 23. 06. 1938

Kinderschützenfest in Lichtendorf

45 Pimpfe kämpfen um die Jungschützenkönigswürde.
Froher Ausklang der 100-Jahrfeier des Schützenvereins Lichtendorf-Geisecke.

Lichtendorf-Geisecke, 22. Juni. Am Montag fand die 100-Jahrfeier des Schützenvereins Lichtendorf-Geisecke mit einem Kinderschützenfest ihren Ausklang. Auch diese Schlussveranstaltung war von herrlichem Sonnenwetter begleitet. Frohes Leben und Treiben herrschte auf der Festwiese. Sacklaufen, Stangenklettern und andere Wettspiele brachten den Kindern manchen hübschen Gewinn ein. 45 Pimpfe kämpften indessen an einem Scheibenstand in der Bährensmann‘schen Scheune um die Würde des Jungschützenkönigs. Geschossen wurde mit dem Luftgewehr auf die 12er Ringscheibe. Die 10- bis 14jährigen Pimpfe legten schon eine tüchtige Treffsicherheit an den Tag. Als beste Jungschützen stellten sich die Pimpfe Bernhard Druffel, Heinz Hellmann, Günter […]f und Helmut Strauß heraus. Sie hatten mit je 3 Schuss 30 Ringe erreicht. Die vier Anwärter auf den Königsthron mussten untereinander stechen. Bernhard Druffel ging schließlich mit 10 Ringen als Sieger hervor und wurde damit Jungschützenkönig. Zur Jungschützenkönigin erkor er Ruth Spaemann. Es wurde ein Kinderfestzug veranstaltet der zum Zelt führte. Es fand nun wie bei den großen Schützen, eine feierliche Proklamation statt. Vereinsführer Pingel hielt die Rede, in der er feststellte, dass bereits bei der Jugend das Interesse für den Schießsport groß sei. Sie werde einst die alte Schützentradition der Vorfahren fortsetzen. Dem Jungschützenkönig Bernhard I. wurde die Königskette umgehängt, die Schützenkönigin Ruth erhielt eine Schärpe in den Schützenfarben. Dann setzte man sich an die Kaffeetafel. Schützenkönig Hans I. und Schützenkönigin Wilhelmine ließen es sich nicht nehmen, zum Fest der jüngsten Schützen zu erscheinen. Am Montagabend fanden sich noch einmal die Schützen des ganzen Regiments mit ihren Angehörigen im Festzelt ein. Die Kapelle spielte zum frohen Tanz auf, Lieder wurden gesungen, und es war auch für heitere Unterhaltung gesorgt. So nahm die 100-Jahrfeier der Lichtendorfer und Geisecker Schützen einen fröhlichen Ausklang, und alle Festteilnehmer hatten die Empfindung, ein rechtes Volks- und Heimatfest erlebt zu haben.

 

Schwerter Zeitung, 23. 06. 1938

Fahnenweihe der NSDAP in Geisecke

Eine erhebende Feierstunde unter dem Nachthimmel

Geisecke, 24 .August. Am Sonnabend hatte die Ortsgruppe Geisecke-Lichtendorf der NSDAP einen großen Tag. Es galt, der Fahne der Ortsgruppe die Weihe zu geben. Auf der großen Terrasse am Wellenbad war die Ortsgruppe vollzählig versammelt. Ferner waren die Kreisleitung der NSDAP Iserlohn, die politischen Leiter der benachbarten Ortsgruppen und Volksgenossen aus Geisecke, Lichtendorf und den angrenzenden Gemeinden erschienen. Ortsgruppenleiter Scholtis meldete dem Kreisleiter Menze die unter der Fahne angetretene Bereitschaft. In einer zündenden Ansprache wies der Kreisleiter auf die Fahne als Symbol des kämpferischen Geistes in der NSDAP hin. Erst habe die Fahne einer kleinen mutigen Schar vorangeschwebt, heute wehe sie über ganz Deutschland. Die Entwicklung der Zeit zeige nur zu deutlich, dass die Voraussehung des Führers und seine Zielsetzung einzig richtig seien. Während in Deutschland der Verlauf der Olympischen Spiele den wahren Friedenswillen gezeigt habe, wühle der Bolschewismus in Spanien und einigen anderen Ländern mit unerhörter, brutaler Gewalt, um die Welt in ein Chaos zu stürzen. Vor einem solchen Untergang werde der Nationalsozialismus Deutschland schützen und bewahren. Auch in anderen Ländern erkenne man allmählich die Gefahr, die durch den Bolschewismus droht, und so werde der Nationalsozialismus nicht nur auf Deutschland beschränkt bleiben, sondern sich weiter fortpflanzen und das einzige Ziel zur Rettung Europas sein. Der kämpferische Geist der NSDAP werde nicht erlahmen. Dann gab der Kreisleiter die neue Fahne in die Obhut der Ortsgruppe. Dem Führer wurde ein Sieg-Heil dargebracht. Die Versammelten sangen das Deutschland- und das Horst-Wessel-Lied.

Ortsgruppenleiter S. bekräftigte die Mahnung des Kreisleiters. Mehr noch als bisher müssten die Nationalsozialisten und Volksgenossen ihre Pflicht erfüllen, um der Erhaltung des Deutschen Vaterlandes willen. Wie einst unter der Blutfahne nur eine kleine Gruppe gekämpft habe, so werde auch die hiesige Ortsgruppe treu hinter der Fahne stehen. Mit diesem Gelöbnis fand die erhebende Feierstunde unter dem Nachthimmel ihr Ende.

Anschließend blieben die Partei- und Volksgenossen noch einige Stunden im kameradschaftlichen Kreise in der Gaststätte am Wellenbadbeisammen. Die musikalischen Darbietungen hatte die Kapelle Köppikus übernommen. Besonderen Beifall fand ein Musikstück mit Trompetensolo des Kapellmeisters in den Gartenanlagen.

 

Westfalenpost, 31. 03. 1950

Der Lehrerabschied in Geisecke

Ehrung des Lehrers J. Pingel durch die Jugend und das Dorf

Geisecke-Lichtendorf.Höhepunkt der Feier zu Ehren des nach 37jährigem Wirken im Schulverband Geisecke-Lichtendorf in den Ruhestand tretenden Lehrers Josef Pingel, über die die Westfalenpost bereits ausführlich berichtete, war die Überreichung eines Blumenkorbes durch ein Schulmädel, das im Kranze der Jungen und Mädchen auf der Bühne den Blümelein in seiner Hand eine sinnvolle Deutung gab, indem es die großen, schlanken und ranken, die zarten und bunten und die ganz kleinen, versteckt im Moos sprossenden Blütenkinder mit der Jugend verglich, die der scheidende Lehrer allesamt mit väterlicher Güte gehegt und betreut hat. Die Kamera hielt diesen denkwürdigen Augenblick, in dem die Festversammlung dem kindlichen Wort ergriffen lauschte, fest. Der Bildausschnitt zeigt in der Mitte von links nach rechts: Schulrat Overbeck, den aus seinem Amte scheidenden Lehrer J. Pingel, Bürgermeister Wiedey und Pastor Krasberg.

 

Schwerter Zeitung, 22. 07. 1952

Mammutprozess in Hagen

Bande stahl für 87 000 DM Großvieh

Täter arbeiteten mit allen Finessen moderner Gewohnheitsverbrecher

Nach mehrjährigen Ermittlungen eines Sonderdezernats der Kriminalpolizei Iserlohn und der Staatsanwaltschaft in Hagen begann am Dienstag vor der dritten Strafkammer des Landgerichts in Hagen ein Prozess gegen 26 Viehdiebe, die, mit Kraftwagen ausgerüstet, in den Jahren 1941–1951 in den Regierungsbezirken Arnsberg und Münster insgesamt 109 Stück Großvieh im Wert von rund 87 000 DM entwendeten

Hagen, 22. Juli. Anführer der Bande, die aus einer Schwarzhändlerclique der Vorwährungszeit hervorgegangen ist, war der 51jährige Gemüsehändler Wilhelm W. aus Lichtendorf bei Schwerte. Zu seinen engsten Mitarbeitern gehörte der 54jährige Bergmann Heinrich B. aus Dortmund-Sölde, der 37jährige Metzgermeister Gerhard Hengst aus Dortmund-Brünninghausen und der 43jährige Metzgermeister Clemens Z. aus Dortmund-Berghofen. Nach den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft arbeitete die Bande mit „allen Finessen versierter Gewohnheitsverbrecher“ und konnte sich aus den Gewinnen ihrer nächtlichen Unternehmungen zwei eigene Lastkraftwagen anschaffen.

 

Schwerter Zeitung, 23. 07. 1952

Lichtendorfer Gemüsehändler als Bandenchef

26 Mitglieder der W.-bande auf der Anklagebank

11 mittlere Bauernbetriebe haben einen beachtlichen Viehbestand. Soviel wie sie brauchen würden, nämlich 109 Stück Großvieh im Werte von rund 87.000 DM, ist den Mitgliedern der berühmten W.-bande zum Opfer gefallen, die in Jahren 1949 – 1951 die Weiden der Regierungsbezirke Arnsberg und Münster auf nächtlichen Beutezügen durchstreiften.

Insgesamt 26 Angeklagte

Auf den Anklagebänken drängten sich die 26 Bandenmitglieder. Die Hauptangeklagten sind neben dem Anführer, dem 51 Jahre alten, mit Zuchthaus vorbestraften Gemüsehändler Wilhelm W. aus Lichtendorf, die vom Staatsanwalt als gefährliche Gewohnheitsverbrecher bezeichneten Bandenmitglieder Bergmann Heinrich B. aus Dortmund-Sölde, Großhändler Friedrich M. aus Dortmund-Hörde, Metzgermeister Gerhard H. aus Dortmund-Brünninghausen und Metzgermeister Clemens Z. aus Dortmund-Berghofen. Dem Chef der Bande wird die Teilnahme an 55, Gerhard H. an 29, Heinrich B. und Friedrich M. an je 25 und Clemens Z. an 21. Bandendiebstählen zur Last gelegt.

Aus Schwarzhandel-Gemeinschaft hervorgegangen

Zwei Jahre lang hatte die aus einer Schwarzhändler-Gemeinschaft hervorgegangenen Bande mit den Mittelpunkten Lichtendorf und Dortmund ihr verbrecherisches Handwerk zum Schaden der heimischen Landwirtschaft betreiben können, bis die Kriminalpolizei am 7. November 1951 in einer Großfahndung zugriff.

Radfahrer meldete Fahrzeugnummer

Wilhelm W. war am Abend des 6. November mit mehreren Komplizen nach Alme gefahren und hatte dort aus einem verschlossenen Weidestall des Bauern Willbrand 9 wertvolle Rinder gestohlen. Sechs der Tiere waren an Ort und Stelle geschlachtet worden, drei wurden lebend auf einem Lastkraftwagen zu einem Bauern nach Lichtendorf gebracht und dort abgestellt. Ein Radfahrer, der am Tatort zwei Lkw mit den Kennzeichen BR 993 … und BR 43 … beobachtet hatte, meldete seine Feststellungen nach Bekanntwerden des Viehdiebstahls der Polizei, die in einem überraschenden Schlag die ganze W.-bande aushob

W. steht zu Geständnis

18 Verteidiger bemühen sich um die 26 Angeklagten. Der Chef der Bande, eben W., betonte gleich zu Beginn des Prozesses, dass er zu seinen Aussagen die er im Ermittlungsverfahren gemacht hatte, stehen werde. „Ich mache meine Mitangeklagten darauf aufmerksam“, so sagte er, „dass ich in keiner Weise von meinem Geständnis abweichen werde.“ Diese seine Mitangeklagten sind außer den bereits genannten Personen, der landwirtschaftliche Arbeiter Bernhard Sch. aus Lichtendorf, der Dreher Wilhelm F. aus Ergste, der Fleischermeister Josef H. aus Dortmund-Barop, der Fleischermeister Albert Sch. aus Lichtendorf, der Fleischermeister Karl K. aus Witten, der Schmied Wilhelm Sch. aus Dortmund-Hörde, die Ehefrau Hedwig H. aus Holzwickede, die Ehefrau Käthe W. aus Lichtendorf, der Landwirt Karl K. aus Hengsen, der Bauer Werner C. aus Lichtendorf, der Heimwärter Wilhelm D. aus Bönen, der Schweißer Ernst B. aus Dortmund-Hörde, der Schlosser Heinrich H. aus Dortmund-Sölde, der Lagerarbeiter Paul W. aus Lichtendorf, der Kranführer Albert B. aus Dortmund-Berghofen, der Walzer Emil R. aus Schwerte, der Landwirt Ewald Sch. aus Ergste, der Autoschlosser Josef F. aus Alme, der Schweizer Willi A. aus Lichtendorf, der Metzger Phillip St. aus Dortmund und der Landwirt Hans P. aus Witten-Stockum.

Geländekenntnis aus Schwarzmarktzeit

Schon vor der Währungsreform war Wilhelm W. als Schwarzhändler mit dem Dortmunder Großhändler Friedrich M. bekannt geworden, der im Sauerland Vieh aufkaufte und es bei W. in Lichtendorf schlachten ließ. Zu diesen beiden stießen weitere Dortmunder Metzgermeister, die am „schwarzen“ Fleisch große Gewinne erzielten. Als es nach der Währungsreform nicht mehr so einfach ging mit dem „Geld machen“, ja, da scheuten sie sich nicht aktive Mitglieder einer Diebesbande zu werden!

Die auf ausgedehnten Geschäftsreisen erworbene Ortskenntnis im Sauerland und Münsterland kam ihnen zugute, als sie sich von Schwarzschlachtungen auf Viehdiebstähle umstellten. So wurden ihre nächtlichen Beutefahrten, für die sie 1950 und 1951 besondere Lastkraftwagen anschafften, zu vollen Erfolgen. Der Absatz des gestohlenen Viehs wurde erleichtert durch den Gebrauch von Fleischstempeln des Dortmunder Schlachthofes, die das Fleisch als „tierärztlich untersucht“ kennzeichneten. Die Stempel hatten die Metzgermeister H. und Z. „besorgt“.

4 Lkw – und gutes „Handwerkzeug“

Mit Stricken, Hackmesser, Drahtscheren, Fleischerhaken, Schussapparaten und insgesamt vier Kraftfahrzeugen war die Bande „tadellos“ ausgerüstet. Da ihnen noch dazu raffinierte Verbrecher-methoden eigneten, hielt es schwer, sie zu fassen. Die Tiere wurden, wo die Situation günstig war, gleich an Ort und Stelle abgeschlachtet, ging das nicht, so verlud man sie lebend und schlachtete sie in besonderen Verstecken. Die Wohnung des Angeklagten H. in Dortmund-Sölde an der Schwerter Straße war dazu für einige Zeit besonders beliebt, damals war nämlich diese Straße noch unbeleuchtet.

Um Spürhunden zu entgehen banden sich die Verbrecher mit Petroleum getränkte Lappen um die Schuhe. Zur Vermeidung von Spuren bedienten sie sich unter anderem auch Bretter, die sie über Gräben legten.

W. – 1947 „beinahe erwischt“

Der „Chef“ wäre 1947 bereits beinahe vom Schicksal ereilt worden, als er nämlich nach einem Fohlendiebstahl mit seinem Kollegen Sch. von der Polizei gejagt wurde. Damals verbarg er sich mehrere Monate lang im Hause eines Bekannten. Als er schließlich doch vor Gericht erschien, musste man ihn aufgrund von falschen Aussagen zweier Komplizen wieder auf freien Fuß setzen. In diesem Prozess vor der Großen Strafkammer in Hagen dürfte es ihm nicht wieder so ergehen.

Wir berichten laufend über den Gang der Verhandlungen.

 

Schwerter Zeitung, 24. 07. 1952

Der zweite Verhandlungstag
brachte im W.-Prozess erste Details

Hagen. Am zweiten Verhandlungstag, dem Mittwoch, kamen eine ganze Reihe nächtlicher Unternehmungen der Bande zur Sprache. Dem Beispiel des W., nämlich im vollen Umfang geständig zu sein, folgte auch der Ergster Dreher Wilhelm F. Ein geradezu hervorragendes Gedächtnis besitzt er. Das merkte man, als er nicht nur die Zahl der Diebstähle, sondern auch genaue Einzelheiten über den Tatort, die Zeit und die übrigen beteiligten Personen angab.

Mitwisser wird Mittäter 

Fuhr sagte im Wesentlichen Folgendes: er habe, als er vorrübergehend von seiner Frau getrennt gelebt habe, bei dem „Chef“ in Lichtendorf ein Zimmer gehabt. Dabei habe er mit der Zeit auch bemerkt, was dort vor sich ginge. W. habe ihn dann gefragt, ob er nicht mitmachen wolle, und das habe er dann auch getan. Allerdings, so sagte er, „habe er nicht geahnt, dass es einen solchen Umfang annehmen würde“.

Beute in der Umgebung 

Als man dem Bauer Schleef in Sölde eine Kuh aus dem Stall holte, sie in der Nähe schlachtete und das Fleisch mitnahm, war Fuhr dabei. Dann kam die Fahrt zur Hohensyburg. Auf der Weide des Freiherrn von Finke erwischte man fünf Kühe. Seine Aufgabe habe darin bestanden, die Tiere zu fangen. Hingelangt war in LKWs der Dortmunder Metzgermeister H. und Z. Als es dann auf dem Schälk und in Hennen , den beiden nächsten Tatorten, „rundging“, war F. die Sache schon gewohnt, er sagte auch, dass man dort die Tiere durch einen Bach in den Wald führte. Denn dann gab es keine Spuren.

Die Bande war sehr „aktiv“. Nachdem man Diebstähle in Hengsen bei den Bauern Bernoth und Oberhoff, in Lichtendorf bei Heuwinkel, bei Pelzing und Stoltefuß in Westhofen, bei Nölle in Günne, bei Distelkötter und Korte-Wessel in Hentrop, ohne gefasst worden zu sein, hinter sich gebracht hatte, sollte in der Nähe Werls ein Diebstahl durchgeführt werden.

Zunächst: Lage ausgekundschaftet 

Ein „harmloser“ PKW, in dem W. mit der geschiedenen Frau H. und eben Fuhr saßen, unternahmen die Erkundigungen. Man fuhr nach Werl, fand dort in der Nähe des Flugplatzes auch eine Weide, deren Vieh für den Diebstahl „in Frage kam“. In der folgenden Nacht kehrte man mit zwei Kraftwagen nach Schleiden, so hieß der Ort, zurück und stahl dort zwei tragende(!) Rinder. Als der Vorsitzende fragte, nach welchen Gesichtspunkten man das Vieh ausgewählt habe, sagte F.: „Die Metzger wollten gutes Vieh bekommen. W. kundschaftete nur die Gelegenheit aus“.

Welche Rolle spielte Frau Heseler? 

Auf die Frage des Vorsitzenden, welcher Art die Beziehungen des W. zu der geschiedenen Frau H. waren, sagte F.; „ich hatte den Eindruck, dass sie sich gut kannten“. Der Großhändler M. meinte: Frau H. habe dem Chef ziemliches Geld gekostet, so habe sie sich einen Musikschrank für 1 200 DM und einen Ledermantel angeschafft, obschon sie von ihrem Mann getrennt lebend, kaum über große eigene Mittel verfügt haben dürfte.

F. benachteiligt und abgesprungen 

F. der sich an dem „Geschäft“ bis zum Oktober des vergangenen Jahres beteiligt hatte, zog sich dann zurück, als man ihm 1 000 DM gab. Zwar sei, so meinte er, keine bestimmte Summe vereinbart worden, doch habe er das Gefühl gehabt, man benachteilige ihn.

Immerhin hatte er sich bis dahin nicht nur an den Großdiebstählen beteiligt, sondern er hatte auch im Umkreis von Lichtendorf Hühner, Speck und Schinken entwendet. Das Diebesgut brachte man zum Bauern C., da es bei W. zu unsicher war. Wie sich in der Verhandlung ergab, hatte F. von 1948 bis Frühjahr 1950 bereits mit dem Dortmunder Albert B., der jetzt ebenfalls mitangeklagt ist, sieben Einbruchsdiebstähle, und zwar in Holzwickede, Hengsen und Lichtendorf verübt.

Auch Metzgermeister H. sagt aus

Alles, was er wusste, sagte auch Metzgermeister Gerhard H. aus Dortmund aus. Immerhin konnte er die an manchen Diebstählen beteiligten Personen nicht genau nennen. Doch kam das daher, dass er mit seinem Lkw erst am Tatort ankam, wenn die Tiere schon bereitstanden. Dann ging alles schnell, und der Fahrer, nämlich H. , konnte nicht immer genau erkennen, wer hinten hereinsprang. Wie geschickt und kaltblütig man arbeitet, geht daraus hervor, dass man in der Nacht einmal innerhalb von 10 Minuten zwei Kühe schlachtete.

Der Umfang der Beteiligung des Bauern C. aus Lichtendorf ist noch nicht festzustellen. Man weiß lediglich, dass das gestohlene Vieh mehrmals auf seinem Hof untergestellt und hin und wieder auch dort geschlachtet wurde. Die beiden Angeklagten H. und F. sagten beide aus, dass am 15. September 1951, als man drei Kühe gestohlen hatte, eine davon dem Bauern C. gegeben habe.

Dreist und ohne Skrupel

Bezeichnend für die Tätigkeit der Bande ist, dass sie sich nicht scheute, auch hochtragende Kühe zu schlachten, obschon ihr doch Metzgermeister angehörten! Im Übrigen haben sich die Mitglieder einen besonders frechen Diebstahl geleistet, als man im Oktober 1949 acht Rinder in der Nähe Bekums gestohlen und auf die Pachtwiese des M. in Asseln getrieben hatte. Beim Transport der letzten beiden Tiere kam ihnen die Polizei dazwischen und beschlagnahmte die Rinder, da die ordnungsmäßigen Papiere fehlten. Im Stall eines Hörder Metzgermeisters harrten die Kühe dann hinter verschlossenen Türen auf das Ergebnis der polizeilichen Ermittlungen. Doch nicht lange: schon in der nächsten Nacht stahl die Bande die beiden Tiere aus dem Stall. Es blieben nur die zerschnittenen Stricke zurück.

Wo blieben die Rinder 

Die Verhandlung am Donnerstag

Mit der Vernehmung des Großhändlers Friedrich M. begann die Hauptversammlung am Donnerstag. Im Wesentlichen gestand er die Straftaten, die man ihm zur Last legte, ein. Außerdem behauptete er, die bei Metzgermeister Heitmann in Hörde sichergestellten und von dort durch die Bande gestohlenen Tiere ordnungsgemäß gekauft zu haben. M. bestritt auch energisch, jemals dem Metzgermeister Phillip St. in Dortmund gestohlenes Vieh verkauft zu haben. Auch St. selbst sagt, der Bandenchef habe ihn nur aus Rache genannt.

Metzgermeister Clemens Z. aus Berghofen gab die Beteiligung an „80 Prozent“ der ihm zur Last gelegten 21 Viehdiebstähle zu. Wie aber das Fleisch verteilt wurde und wo es im Einzelnen überhaupt blieb, konnte auch gestern nicht geklärt werden. Der „Chef“ meinte zu diesem Punkt wörtlich „Die Mitangeklagten sollen mal über sich hinausgehen! Es heißt immer W., W. Ich habe das Fleisch nicht allein gegessen. Kühe sind doch schließlich keine Kaninchen!“

W. Bruder Paul legte ebenfalls ein umfassendes Geständnis ab. Er habe in allen Fällen den Wagen gefahren und mit seinem Bruder [vereinbart dass keiner der anderen Mittäter ihn zu sehen bekomme].

Was wussten die Frauen? 

Die Schuld auf seine Ehefrau, mit der er in Scheidung lebt, schob der Angeklagte Heinrich H. aus Dortmund-Sölde. In seinem Haus an der Schwerte Straße hatte man 1948 mehrere gestohlene Rinder geschlachtet. Sein Frau sei daran interessiert gewesen, er sei ein Gegner davon gewesen, aber „ich hatte nichts zu sagen“.

Die Frau des Paul W. will zweimal nachts mitgefahren sein, weil sie ihrem Mann nach einem Ehebruch nicht mehr getraut habe. Sie habe im Wagen gesessen und geschlafen. Die Angeklagte Hedwig H. aus Holzwickede dachte auf den beiden Erkundungsfahrten, die sie mitmachte, es handele sich um Spazierfahrten. Sie habe von den Diebstählen nichts gewusst und nie gesehen, dass Rinder gestohlen oder geschlachtet worden sind.

Bestellter Einbruch?

Auch ein Einbruch am 20. 05. 1950 kam zur Sprache. In Hennen wurde von dem Eisenbahn-betriebswart Wilhelm K. ein Stofflager für die Deutsche Wollverwertung GmbH verwaltet. Dort hatte die W.-Bande die Mauer zum Lager eingerammt, die Beute zu einem Wald getragen und von dort mit einem Lkw abtransportiert. W. behauptete, hier mit Wissen und auf Wunsch des Lagerverwalters gehandelt zu haben, der ein Defizit von rund 5 000 DM in seiner Kasse hatte. Bereits einige Tage vorher habe er im Auftrage des K. einen ganzen Wagen Stoffe und Wolle verkauft. K., der wegen dieses Falles vor längerer Zeit mangels Beweise freigesprochen wurde, hat die schweren Anschuldigungen W. im Ermittlungsverfahren bestritten. Hierüber beginnt heute die Beweisaufnahme.

Wer singt, der stirbt

Eine sehr erregte Diskussion gab es zwischen dem Bauern C., der unter der Anklage der Hehlerei steht, und Wilhelm W. C. auf dessen Hof die Bande in vier Fällen Vieh untergestellt und geschlachtet habe, behauptete, dass W., als er einmal protestierte, gedroht hätte: „Wer singt, der stirbt“. Als ihn der Vorsitzende fragte, warum er denn nicht zur Polizei gegangen wäre, wenn sich die Vorgänge auf seinem Hof abgespielt hätten, ohne dass er es wollte, antwortete C. erregt: „Ich hatte Angst vor W., alle Lichtendorfer Landwirte hatten Angst vor ihm! Ich war in seiner Hand und fürchtete, er würde mir den Hof über den Kopf anstecken. Alle haben Angst, er könnte wiederkommen.“

Der Angeklagte C. sagte bei seiner Vernehmung, dass zunächst der Großhändler M. zu ihm gekommen sei und ihm sagte, er werde bei Gelegenheit Kühe auf seine Weide bringen. Dafür könne er das Milchgeld behalten. Als er eines Tages W. überrascht hätte, als man gerade eine Kuh schlachtete, habe M. ihm gesagt, das geschähe wegen des Finanzamtes. Wieder einige Zeit später habe er morgens W. schlafend in seinem Stall neben fremden Rindern gefunden und sofort gewusst, dass sie gestohlen waren. Das habe W. nur getan, weil er zu viel gewusst habe und er ihn in seine Hand bekommen wollte. Darauf W. boshaft: „Ich hatte in Lichtendorf nur einen Freund und der hieß Werner C.!“ Ehe die persönliche Auseinandersetzung der beiden vom Vorsitzenden beendet werden konnte schrie C. aufs höchste erregt: „Das stimmt nicht du Lump! Meinst du, ich will wegen dir ins Zuchthaus?“

 

Schwerter Zeitung, 26. 07. 1952

Zeugen im W.-Prozess

Dr. Keunecke: 1947–1951 über 500 Viehdiebstähle

Am Freitag wurde zunächst in der Beweisaufnahme Kriminaloberkommissar Keunecke vernommen, der die umfangreichen Ermittlungen als Leiter eines Sonderdezernats der Regierung Arnsberg führt. Dr. Keunecke sagte zunächst, dass man in den Regierungsbezirken Arnsberg und Münster in den Jahren 1947–51 über 500 Viehdiebstähle zu verzeichnen gehabt hätte. Seitdem die W.-Bande aber ermittelt worden sei, trugen sich nur sechs Viehdiebstähle im Regierungsbezirk Arnsberg zu.

Dr. Keunecke führte aus: Seit längerer Zeit habe kein Zweifel darüber bestanden, dass eine der Banden mit dem Anführer im Raum Lichtendorf habe in Verbindung stehen müssen. Dach sei die Ermittlungsarbeit außerordentlich schwer gewesen, da die Bevölkerung in Lichtendorf sich gescheut habe, ihre Beobachtungen mitzuteilen. Man habe die Rache der Bande gefürchtet. Es sei, so sagte Dr. Keunecke, nicht zuletzt die Geständnisbereitschaft W.s zu verdanken, wenn die umfangreichen Ermittlungen zu diesem Erfolg geführt hätten. W. habe auch Fälle zugegeben, die der Polizei noch nicht bekannt waren. Rückfragen bei den Geschädigten ergaben die Richtigkeit.

Auf die Frage eines Verteidigers, ob der Zeuge auch den Eindruck gewonnen habe, dass der Angeklagte Werner C. aus Furcht vor Bedrohung und Repressalien mitgemacht habe, entgegnete Dr. Keunecke: „Ich hatte den Eindruck, dass C. nicht nur aus Furcht, sondern auch aus Eigennutz mit am Werk war“.

Dem Schwerter Polizeibeamten H. will W., den der Beamte 1945 kennenlernte und der damals zu H. offen über seine Vergangenheit gesprochen hatte, Spitzeldienste angeboten haben, und zwar zur Ermittlung der Viehdiebstähle, die seine Bande nicht ausgeführt hatte!

Von 1946– 47 war eine Angestellte, die Zeugin Mazur, im Hause W. tätig. Sie hatte, als sie merkte, dass etwas nicht stimmte, gekündigt. Zur Frage der Schwarzschlachtungen stellte die Zeugin fest: „Am Tage stand das Vieh noch nicht im Stall, am nächsten Morgen war es da!“ Der Gartenbaubetrieb W. sei, wie sie annehme nur ein Vorwand gewesen. Immerhin trage die Hauptschuld nach ihrer Meinung der Angeklagte Schw. „Frau W. hat viel unter ihm zu leiden gehabt. Er hat sie auch geschlagen. Auch Wilhelm W. hat im Hause nicht viel zu sagen gehabt“. Als sie nach ihrer Kündigung gesagt hatte sie wolle die Bande der Polizei melden, seien W. und Schw. zu ihr in die Wohnung gekommen. W. hätte gesagt, dass er keine Angst habe, „es sind zu viel drin“… Schw. habe gedroht: „Ich schlage die die Knochen ein!“

 

Westfälische Rundschau, im Juli 1952(ohne Datum)

Die schöne Hedwig fuhr mit auf die Weiden

Die 3. Große Hagener Strafkammer tagte bis 16:00 Uhr im Prozess gegen die Viehräuber und Hehler am ersten Verhandlungstag, um über die Straftaten des Bandenführers Wilhelm W. zu richten. Der „Boss“ war immer noch im vollen Umfang geständig. Er weiß auch warum. Denn das Gespenst der „Sicherungsverwahrung“ steht vor seinen geistigen Augen. Zweifellos wird der Staatsanwalt nicht umhin können, gegen Wilhelm W., den er als gefährlichen Berufsverbrecher bezeichnete, dieses Strafmaß zu beantragen; das bedeutet für den Haupttäter, sein restliches Leben im Zuchthaus verbringen zu müssen.

Der nächste bitte … 

Als zweiter Haupttäter musste sich der Benjamin der Bande, der 26jährige Dreher Wilhelm F. aus Ergste Rede und Antwort stehen. Auch er war geständig. Als er gelegentlich für eine Weile bei W. gewohnt habe hätte ihn dieser in die Bandendiebstähle eingeweiht und ihn gefragt, ob er mitmache. Er brauche keine Angst zu haben, es sei ganz gefahrlos. Wilhelm sagte zu und betätigte sich bei den nachfolgenden 33 Straftaten, die auf sein Konto kommen, als Aufpasser und Auftreiber der Rinder auf den Weiden. Aber im Oktober vorigen Jahres [sei er abwesend?] gewesen, nur einmal habe er 1000 DM bekommen und er habe sich des Gefühls nicht erwehren können, dass man ihn übervorteile. „Nach welchen Gesichtspunkten wurden die Erkundungsfahrten fragte Landgerichtsdirektor Müller den Angeklagten.

Die Metzger hätten als ausschlaggebend die Qualität der Tiere angeführt, während Wilhelm W., der Chef und erfahrene „Kriminalist“, als obersten Grundsatz die Sicherheit gelten ließ.

Einmal fuhr auch die schöne jetzt in Scheidung lebende Hedwig H. aus Holzwickede mit auf eine Erkundungsfahrt. Warum denn Frau H. mitgefahren sei? Das könne er auch nicht sagen.

Von der Polizei überrascht 

Dann erhob sich der 37jährige Metzgermeister H. aus Dortmund-Brünninghausen. Er nimmt in der „Rangfolge“ der Straftaten mit 33 Delikten den dritten Platz auf der Anklagebank ein. Hengst erklärte dem Gericht, W. habe nicht haben wollen, dass die beteiligten Metzger sich kennenlernten. Zum ersten Male war der Angeklagte Hengst am 2. November 1950 mit von der Partie. Mit Wilhelm W., Z. und Sch. fuhr er nach Langschede. Dort entwendeten sie von der Weide drei schwarzbunte Rinder des Bauern Westhelle. Hinter dem Gehöft wurden die Tiere abgeschlachtet und mit den Kraftfahrzeugen des Zimmert und Hengst abgefahren. Beim Verladen wurde die Täter von einem Polizeibeamten überrascht. Sie fuhren mit ihren Kraftfahrzeugen schleunigst ab und mussten ein abgeschlachtetes Tier zurücklassen.

Im Dezember 1950 öffneten Wilhelm W., Paul W., H. und B. mit einem Schraubenschlüssel die Haken und Ösen der Tür zum Kuhstall des Bauern Prein in Hörde. Sie führten aus dem Stall zwei Kühe heraus und schlachteten sie in einer Waldecke ab. Ein Tier erhielt Z. und das zweite H. Die letztgenannten Angeklagten hatten ihre Fahrzeuge zur Verfügung gestellt. H. allerdings hatte Pech, das geschlachtete Tier konnte von der Polizei bei ihm entdeckt und sichergestellt werden.

Für diesen Viehdiebstahl erhielt H. eine Gefängnisstrafe von 6 Monaten, die er zurzeit in Hagen verbüßt.

Raffinierter als Spürhunde 

Wilhelm W. war schon ein mit allen Wassern gewaschener Boss. Um nicht beispielsweise durch einen in der Gegend von Bönen vorhandenen Spürhund gestellt zu werden, umwickelten sich die Viehräuber vor ihren Rinderdiebstählen die Schuhe mit Tüchern, die zuvor mit Petroleum getränkt worden waren. Außerdem nahmen sie bei der Tatausführung ein Brett mit, das sie über Gräben legten, um Spüren zu verhindern. Zu den Requisiten der Bande gehörten Flaschenzüge, Hackmesser, Drahtscheren, Stricke, Fleischhaken und Schießapparate. Und nicht zuletzt besaßen sie eigene Kraftfahrzeuge. Interessant aus der Vielzahl der Fälle ist noch nachstehender Diebstahl: In der Nacht zum 2. April1948 brachen W., D. und Sch. auf dem Gehöft der Klara Lüplinghoff (aus Westerbönen) die Tür zum Hühnerstall auf und entwendeten dort 50 Hühner.

Zwei Hofhunde (Terrier) wurden zuvor von Schw. mit den Händen erwürgt und in eine Regentonne gesteckt.

Die Vernehmung der Angeklagten dauert an. Am Freitag werden die ersten Zeugen gehört.

 

Westfälische Rundschau, im Juli 1952(ohne Datum)

Alle Bauern fürchten W. 

Dramatische Szenen im Viehräuberprozess / Kein Respekt mehr vor dem Boss

Am gestrigen Verhandlungstage im Viehräuberprozess vor dem 3. Großen Hagener Strafkammer ging es einige Male recht dramatisch zu. Die Angst und Scheu, die bislang Komplizen und Hehler vor Wilhelm W. hatten, sind verflogen. Mit heftigen Worten schleuderte einer der Mitangeklagten dem „Boss“ unschöne Dinge an den Kopf.

Der 41jährige Viehkaufmann Friedrich M. aus Dortmund-Hörde sagte vor Gericht aus, er habe in seiner engeren Umgebung in Dortmund, keine Viehdiebstähle ausgeführt. „Das war zu gefährlich“ meinte er. Im Übrigen war er, wie die meisten Angeklagten im Wesentlichen geständig. Auch der Fleischermeister Clemens Z. aus Dortmund-Berghofen, stand bis zu 80 Prozent zu seinen Taten. Ungeklärt allerdings ist bis jetzt, wo die Riesenmengen an Fleisch geblieben sind. Hierzu äußerte sich W. wörtlich: „Es heißt immer wieder W., W., ich kann doch nicht alle Rinder gegessen haben, Kühe sind doch keine Kaninchen“.

Frau W., die Ehefrau des Haupttäters, gab zu, zweimal nachts mit ihrem Mann gefahren zu sein, aber sie habe während der Fahrt geschlafen. Aus persönlichen Gründen habe sie an der Fahrt teilgenommen. Sie habe das Vertrauen zu ihrem Mann verloren gehabt. Worauf der Vorsitzende meinte: „Wenn ihr Mann doch mit den Metzgern zusammen war, dann konnte er doch keine Seitensprünge machen. Und wenn Sie schliefen konnten Sie ihn doch auch nicht beobachten“.

Frau Hedwig H. aus Holzwickede widerlegte in ihren Aussagen, dass sie mit W. auf die Weiden gefahren sei. Nur zweimal, und jeweils am Nachmittag habe sie W. zu einer Spazierfahrt eingeladen. Der Aufforderung wäre sie auch gefolgt.

Sie blieb bei ihrer Aussage, von den Viehdiebstählen nichts gewusst zu haben. „Ich habe nie gesehen, dass Vieh gestohlen oder geschlachtet wurde“.

Er wusste zu viel … 

Bauer Werner C. aus Lichtendorf erzählte dem Gericht, anfangs seien Tiere ohne sein Wissen nachts auf seine Weiden getrieben worden. Später habe ihm M. gesagt, als Entgelt für das Unterbringen der Tiere dürfe er die Kühe melken. „Die haben mit mir gemacht, was sie wollten“. Einmal habe er W. dabei überrascht, als er eine Kuh geschlachtet habe. Das sei nicht mit M. ausgemacht, habe er zu W. gesagt und heftig protestiert. Als er eines Morgens W. schlafend angetroffen und fremde Tiere gesehen habe, hätte er gewusst, dass die Tiere gestohlen waren. „Ich wusste zu viel, deswegen wollten sie mich in ihre Hand bekommen“, meinte C.

Warum er denn diese Diebstähle nicht gemeldet hätte, wollte der Vorsitzende wissen. „Ich hatte Angst vor W.“. Alle Bauern in Lichtendorf hätten Angst vor Wilhelm W. gehabt. „Ich war in seiner Hand, ich musste damit rechnen, wenn ich was sagte, dass er meinen Hof ansteckte“.

Darauf erhob sich der W., „Ich verstehe nicht“, so begann er, „dass C. unsere Beziehungen heute leugnet, ich hatte in Lichtendorf nur einen Freund, und der hieß C.“.

Bruder belastet Bruder 

Der Bruder des Hauptangeklagten, der 45jährige Lagerarbeiter Paul W. aus Lichtendorf gibt einen Teil seiner Straftaten zu, in einigen Fällen bestritt er die Teilnahme an den Raubzügen. Aber Wilhelm W., der zu Beginn des Prozesses gesagt hatte, er werde bei seinem vor der Staatsanwaltschaft gemachten Geständnis bleiben, beschuldigte seinen Bruder und sagte vor Gericht, auch in den bestrittenen Fällen sei Paul mit von der Partie gewesen.

 

Schwerter Zeitung, 30. 07. 1952

Man darf nichts sagen, sonst …

Die letzten Zeugen im W.-Prozess

Unklar blieb auch nach der Beweisaufnahme am Montag, wie die Hintergründe des Einbruchdiebstahls in der Annahmestelle der deutschen Wollverwertung in Hennen gelagert sind. Eisenbahnbetriebswart K. war von der Anklage, den Einbruch am 20. September 1950 zur Sanierung seines Defizits von 5.000 DM fingiert zu haben, mangels Beweise freigesprochen worden, und die Sache blieb ungeklärt, bis jetzt die W.-bande gestellt wurde. W. selbst gibt, wie bereits berichtet, an, nicht nur den Einbruch im Einvernehmen mit K. ausgeführt, sondern auch am Tage vorher bereits große Mengen Stoffe und Wollwaren mit einem Fuhrwerk abgeholt und verkauft zu haben. Eine Frau soll übrigens bei K. gewesen sein.

K. bestritt das. Er konnte allerdings nicht erklären, wie es zu seinem Defizit gekommen war. Er sagte zu dem Einbruch „1½ bin ich dieses Einbruchs bezichtigt worden, bis der Fall durch die Aushebung der W.-Bande geklärt wurde!“ Der Vorsitzende bemerkte dann, dass ja der Verdacht noch heute bestehe, der Einbruch sei fingiert worden und er habe von ihm gewusst. Darauf K.: „Ich habe W. damals gar nicht gekannt und ihn zum ersten Mal gesehen, als ich ihm im Januar 1952 gegenübergestellt wurde. Ich habe den Beamten schon nach dem Einbruch gesagt: „Meine Herren, sie sind auf der falschen Spur!“ Dann wandte er sich an das Gericht und meinte: „Ich glaube, dass sie W. der so viel auf dem Kerbholz hat, nicht mehr glauben als einen Menschen, der als Beamter jahrelang treu seine Pflicht tat und noch nie mit den Gesetzen in Konflikt geraten ist!“

W. hingegen blieb bei seiner Behauptung. „Es ist doch wahr“, sagte er. „Was sollte mich veranlassen K. zu belasten. Ich habe doch keine Ursache, im Gegenteil, ich würde mir nur ein Delikt mehr aufpacken!“ Weiter betonte W. hier noch einmal, dass eine Frau geholfen habe, die von ihm mit dem Fuhrwerk abgefahrenen Waren zu wiegen und zu notieren.

Zeuge K. betonte, er könne Zeugen angeben, dass das Stofflager noch an dem Tage, der der Einbruchsnacht vorausging, gefüllt war. Wenn W., wie er sagte, wirklich eine Ladung Stoff abgefahren hätte, so müsse doch seine geschiedene Frau, die im gleichen Hause wohne, etwas bemerkt und auch darüber gesprochen haben. Das sei aber nicht der Fall gewesen.

Die Glaubwürdigkeit W. sollte durch die Frage eines Verteidigers erschüttert werden. Und zwar wurde W. gefragt, ob es richtig sei, dass er bereits vor mehreren Jahren mehrere Lichtendorfer Einwohner beschuldigt habe, Straftaten begangen zu haben, ohne dass er den Nachweis habe erbringen können?

W. darauf: „Ja das stimmt, sie wurden allerdings mangels Beweise entlassen. Einen Strafantrag wegen falscher Anschuldigung hat niemand gegen mich gestellt!“

Frau Gr. die als Verwandte des K. im Stofflager ausgeholfen hatte, erklärte, dass das Lager am Tage Einbruchs noch in Ordnung und gefüllt gewesen sei. Von einem Abtransport mit einem Fuhrwerk wisse sie nichts. In der Nacht hätten die Einbrecher mindestens eine Stunde benötigt, um das Lager auszuräumen. W. behauptete, dass sie die Frau sei, die dabei war, als er die Stoffe abholte und die auch mit K. zusammen gewogen habe.

Eine nette Szene trug sich zu, als ein Zeuge aus Hagen auf den Angeklagten Schw. wies und feststellte, dass er noch heute einen Anzug aus dem gestohlenen Stofftrüge.

Der Zeuge, Leiter der Abrechnungsstelle der Wollverwertung in Hagen, sagte, dass der Wert des Diebesgutes aus der Annahmestelle Hennen bei rund 14.000 Mark liege. Das Gesamtgewicht der Ware schätzte er auf 6 Zentner.

Das Defizit des K in Höhe von 5.000 DM bezeichnete er als nicht außergewöhnlich, Fehlbeträge seien bei den Unteragenturen mehrfach vorgekommen. K. habe bisher von seinen Schulden 500 DM abgetragen. Seine Jahresabrechnungen hätten bis zu 20.000 DM ausgemacht. Der Vorsitzende verwunderte sich darüber, dass man K. trotz des nicht zu klärenden Defizits weiter beschäftigt habe. „Ich verstehe nicht“, sagte er, „dass man einem Menschen, der von kaufmännischen Dingen keine Ahnung hat, eine Agentur anvertraut, in der Beträge von 20.000 DM durchliefen. Mir würde jedenfalls das Defizit von 5.000 DM genügt haben!“ K. wurde übrigens 1951 von seinem Posten abgelöst.

Der Landwirt H. sagte noch einmal klar und verständlich das, was bei anderen Zeugenaussagen schon mehrfach mit erwähnt wurde: „Ich hatte das Gefühl, dass man machtlos war. Ich habe mich als Steuerzahler gefragt, weshalb ein derartiger Polizeiapparat aufgebaut wurde, wenn es nicht möglich war, dem Treiben der Viehdiebe früher ein Ende zu machen. Wenn man gewagt hätte, den geraden Weg zu gehen und die Bande aufzurollen, würden die Dinge nicht so weit getrieben. Ich gestehe ein, dass ich mich, wenn ich hier aussage, der Gefahr aussetze, dass mir das Dach über dem Kopf angesteckt wird. Ich bin von meinen Nachbarn gewarnt worden. Allgemein hat in Lichtendorf die Auffassung bestanden, man kann nichts sagen sonst ist man ihnen ausgeliefert!“ Allerdings konnte auch er nicht sagen, dass er direkt von W. oder einem Bandenmitglied bedroht worden sei.

 

Schwerter Zeitung, 02. 08. 1952

Die Strafanträge im W.-Prozess 

Staatsanwalt beantragt 74½ Jahre Zuchthaus

Gestern Mittag – der Zuschauerraum des Hagener Schwurgerichtssaales war überfüllt – stellte Staatsanwalt Nordmann am Ende seines Plädoyers die Strafanträge, 74½ Jahre Zuchthaus, das war seine Gesamtforderung

Dem Spezialkommando der Kriminalpolizei unter Leitung des Kriminaloberkommissars Dr. Keunecke, Iserlohn, sprach Staatsanwalt Nordmann seinen Dank aus. Dem Spezialkommando sei es gelungen, dass heute die Landbevölkerung der westfälischen Gebiete in den Bezirken Arnsberg, Münster und Detmold wieder frei von der Furcht vor Diebstählen an wertvollem Zuchtvieh sein könne. Übrigens ist die Zahl der Viehdiebstähle von 94 im Jahre 1950, auf 87 im Jahre 1951 und 7 im Jahre 1952 zurückgegangen. Diese Zahlen reden eine deutliche Sprache und beweisen, wie viele der Viehdiebstähle auf das Konto der W.-Bande gekommen sind.

Der Anklagevertreter betonte, dass die Hauptangeklagten während der Beweisaufnahme, wenn auch erst nach und nach, sich entschlossen hätten, die Wahrheit einzugestehen. Nur der Angeklagte Schwarz habe jede Beteiligung an den Beutezügen abgestritten. Was die Glaubwürdigkeit des Bandenchefs betreffe – eine außerordentlich wichtige Frage – so bejahte Staatsanwalt Nordmann sie. W. habe lange Zeit während des Ermittlungsverfahrens geschwiegen, habe zu vielem nicht Stellung genommen. Denn W. Absicht war zunächst, mit anderen verhafteten Mitgliedern seiner Bande Kontakt aufzunehmen und anzuraten nur die ganz klaren Taten zuzugeben.

Da man aber die Haupttäter kurz nach der Festnahme getrennt in Hagen, Schwelm und Iserlohn in Untersuchungshaft nahm, gelang es W. nicht den anderen die notwendigen Mitteilungen zu machen. Und so wurde die Größe der Bande ihnen zum Verhängnis, die Gleichmäßigkeit der Aussagen von allen Verhafteten war, da keine Möglichkeit der Verbindung untereinander bestand, nicht möglich und es kam wie es kommen musste: Widersprüche hier und dort.

Als W. merkte, dass es keinen Ausweg aus diesem Dilemma mehr gab und das Leugnen die Situation nur mehr verschlechterte, ja da begann er zu reden. Seine Geständnisse kamen dann aber auch so präzise, so umfassend, dass Dr. Keunecke, überrascht, alle Angaben bis ins Detail habe nachprüfen lassen. Mit dem Ergebnis, dass die Aussagen des W. richtig waren. Nur seinen Schwager Sch., der während der Untersuchungshaft zweimal einen Selbstmordversuch unternommen hat, habe W. nicht belastet, wie er auch seine Frau nicht beschuldigte. W. sei also glaubwürdig.

Bei allen Viehdiebstählen, so führte Staatsanwalt Nordmann zur Begründung seiner Strafanträge aus, habe es sich um typische Bandendiebstähle gehandelt. Die notwendigen Voraussetzungen seien alle gegeben: Als der Schwarzmarkt als Einnahmequelle versiegt sei, hätten die Täter sich dem Viehdiebstahl größten Stiles zugewandt. Jeder einzelne Diebstahl wurde planmäßig vorbereitet. Erkundungsfahrten durchgeführt und Vorkommandos ausgeschickt. Als fortgesetzte Handlung könne man die Diebstähle deshalb nicht werten, der der Gesamtvorsatz, der den Gesamterfolg bereits von Anfang umfasst, fehlt. Lediglich aus verbrecherischer Neigung und von dem Wunsch getrieben, Geld zu machen und Fleisch zu besorgen, habe man wertvolles Zuchtvieh ohne Rücksicht auf den großen Schaden eingefangen und abgeschlachtet. Keiner der Täter habe aus Not gehandelt. Im Hinblick auf die Intensität des verbrecherischen Treibens könne er keinem der Angeklagten mildernde Umstände zugestehen. Auch habe er nur nach langer Überlegung von der Beantragung der Sicherheitsverwahrung bei den Haupttätern Abstand genommen. Er könne aber nicht vorhersagen, ob die Angeklagten nach Verbüßung ihrer langen Freiheitsstrafen noch eine Gemeingefahr bilden würden.

Gegen den als gefährlichen Gewohnheitsverbrecher geschilderten Wilhelm W. beantragte der Staatsanwalt wegen Bandendiebstahls in 44 Fällen, Einzeldiebstahls in 11 Fällen, Beihilfe zur Untreue und Anstiftung zum Meineid 12 Jahre Zuchthaus. Gegen den Bergmann Heinrich B., Sölde, wurde wegen Bandendiebstahls in 22 Fällen 8 Jahre Zuchthaus, gegen den Großhändler Friedrich M. aus Hörde wegen 18 Banden- und 3 einfache Diebstähle 9 Jahre Zuchthaus, gegen den Metzgermeister Gerhardt H. , Brünninghausen, (25 Bandendiebstähle) 3 Jahre Zuchthaus und gegen Clemens Z. (19 Bandendiebstähle) 7 Jahre Zuchthaus beantragt. Außerdem beantragte der Staatanwalt gegen die Angeklagten 19 Jahre Ehrverlust und Polizeiaufsicht.

Die übrigen Strafanträge: landwirtschaftlicher Arbeiter Bernhard Schw., 4½ Jahre Zuchthaus; Dreher Wilhelm F., Ergste, 3½ Jahre Zuchthaus; Metzgermeister Josef H. , Barop, 3 Jahre Zuchthaus (9 Bandendiebstähle); Metzgermeister Albert Sch., Lichtendorf, 3 Jahre Zuchthaus (7 Bandendiebstähle); Schmied Wilhelm Sch., Hörde, 3 Jahre Zuchthaus (11 Bandendiebstähle); Landwirt Karl K., Hengsen, 1½ Jahre Zuchthaus, gegen den Antrag des Staatsanwalts wurde Haftbefehl nicht erlassen, wie man auch von einem Haftbefehl gegen den Bauern Werner C., Lichtendorf, absah. Wegen gewerbsmäßiger Hehlerei und Begünstigung wurde hier 2 Jahre Zuchthaus beantragt. Weiter beantragte der Staatsanwalt Nordmann gegen den Lagerarbeiter Paul W., Lichtendorf, 2 Jahre Zuchthaus wegen 12 Bandendiebstähle; gegen Kranführer Albert B., Berghofen, ebenfalls 2 Jahre Zuchthaus; gegen Metzgermeister Karl K., Witten, 4 Jahre Zuchthaus; gegen Hedwig H. , Holzwickede, 1 Jahr, 1 Monat Gefängnis; Ehefrau Käthe W. 5 Monate Gefängnis; Schlosser Heinrich H. , Sölde, 1 Jahr, 3 Monate Gefängnis; Walzer Emil R. 4 Monate Gefängnis; Schlosser Josef F., Alme [Ortsteil von Brilon], 5 Monate Gefängnis; Schweißer Wilhelm A., Lichtendorf, 3 Monate Gefängnis und Landwirt Hans P. aus Stockum, 6 Monate Gefängnis.

In den Fällen des Metzgermeisters Phillip St., Dortmund und des Landwirts Ewald Sch., Ergste, beantragte der Staatsanwalt Freispruch, da ihnen keine strafbaren Handlungen nach zuweisen sind. Gegen den Schweißer Ernst B., Hörde, wurde auch Einstellung des Verfahrens auf Grund der Amnesie beantragt

 

Schwerter Zeitung, 02. 08. 1952

Verteidiger: Umwelt war schuld 

Alter Zuchthäusler: W. Lehrmeister

Zwei Tage waren den Plädoyers der Verteidiger gewidmet, die sich bemühten, je nachdem, ob es für ihre Mandanten gut war, W. entweder für glaubwürdig oder nicht glaubwürdig anzusehen und das Gericht von ihrer Meinung zu überzeugen.

Die Reihe eröffnete als Verteidiger W. Rechtsanwalt Stumpf aus Hagen. Er führte aus, dass W. kein Gewaltverbrecher sei, „der aus innerem Hang gegen das Gesetz verstößt“, vielmehr habe seine Umwelt ihn so ungünstig beeinflusst. In Lichtendorf nämlich wohne der 75jährige H. , der, wenn er auch nicht vor die Schranken des Gerichts gefordert, doch wesentlich den W. beeinflusst habe. In den 20er Jahren habe H. Raubüberfälle auf Züge und Bauernhöfe im Raume Hamm durchgeführt, der damals noch sehr junge W. sei zu ihm gestoßen und sei von diesem Lehrmeister verdorben worden.

Der Verteidiger betonte, dass mache Zuchthäusler auf dem engen Lichtendorfer Raum zusammen wohnen. W. sei weiter durch den Großhändler M. zu seinen Taten bestimmt worden. M. habe über ausgedehnte weite Ortskenntnisse verfügt, ferner wären auch ohne die beteiligten Metzgermeister, die für ordentliche Schlachtung und den Absatz des Viehes sorgten, die Taten nicht durchführbar gewesen.

M. sei nach einer Pause von 1½ Jahren an W. herangetreten, und habe von ihm die Wiederaufnahme des zu Schwarzmarktzeiten bestehenden Bündnisses gewünscht, und das sehr viele zur Schwarzmarktzeit in diese dunklen Geschehnisse verwickelt waren, wurde auch bei dem Neuaufleben nichts unternommen. Zwar endeten die Autospuren stets bei W., aber in Metzgerkreisen sprach sich bald herum, dass dort nie etwas „schiefgehe“. Man sei dort sozusagen tabu!

Auch habe W. durch sein Geständnis ein restloses Verdienst an der Aufklärung der Weidediebstähle. Keiner der Zeugen habe ausgesagt und W. persönlich bedroht worden.

Rechtsanwalt Dr. Schwarze, der Verteidiger des Metzgermeisters K. aus Witten, bemerkte, dass im Raume Münster eine zweite Bande von Viehdieben geschnappt worden wär. Es sei nicht richtig, alle Diebstähle der näheren und weiteren Umgebung ganz und gar auf das Konto der W.-Bande zu setzen. Der Staatsanwalt beantrage Zuchthausstrafen nach einem Strafgesetz, das aus dem Jahre 1876 stammend, die Verwirrung des Eigentumsbegriffes, wie er sich durch zwei Weltkriege ergeben habe, nicht kenne und auch solche nicht berücksichtigte.

Dr. Austermann, Dortmund, stellte für seinen Mandanten Friedrich M. ausdrücklich fest, dass er nicht die treibende Kraft bei den Viehdiebstählen war. Wirtschaftliche Schwierigkeiten, geschäftliche Rückschläge, ein Unfall hätten ihn auf diesen Abweg getrieben. Soweit M. lediglich von W. belastet werde, könne er nicht als überführt gelten, da W. nicht glaubwürdig sei.

Rechtsanwalt Voigt, der den Schwager des Bandenchefs, Wilhelm Schwarz, Hörde, verteidigt, sagte, dass, wenn man den W., was seine Geständnisse angehe, für glaubwürdig halte, so müsse man ihm auch im Falle des Schwarz folgen. Der sei von W. nicht belastet worden. Schwarz habe selber die Beteiligung an den Diebstählen bestritten. Lediglich aufgrund des Alibibeweises, der immerhin schwer zu führen sei, könne man seinen Mandanten, der übrigens in der Untersuchungshaft zwei Selbstmordversuche unternahm, nicht verurteilen.

Den Angeklagten D., der aufgrund der Belastungen W.s vor Gericht steht, verteidigte Rechtsanwalt Höing, Bönen. Er wiederum nannte es unmöglich, durch W.s belastende Aussagen bei seiner Unglaubwürdigkeit den D., als überführt anzusehen.

Metzgermeister Hengst aus Brünninghausen sei kein Gewohnheitsverbrecher, so versicherte Rechtsanwalt Dr. Bauer. Er habe sich lediglich nach dem Ende der Schwarzmarktzeit nicht wiedergefunden. Reue und Geständnis bieten nach seiner Meinung aber die Gewähr, dass er nicht wieder straffällig wird. Der Angeklagte Zimmert wurde vom Verteidiger als „der Mann, der den LKW gefahren hat“ bezeichnet. Er habe von seiner Tätigkeit keinen großen Nutzen gehabt.

 

Schwerter Zeitung, 04. 08. 1952

 „Ich habe das Recht auf Gnade verwirkt“ 

Das Urteil im W. Prozess / Großvieh für 80 000 DM gestohlen

Landgerichtsdirektor Müller, Vorsitzender der Sonderstrafkammer des Landgerichts Hagen, verkündete das Urteil im Prozess gegen die W.-Bande. Drei Wochen hatte dieser Prozess, der weit über den üblichen Rahmen hinaus Aufsehen erregte, gedauert. Nachgewiesen wurde der Diebstahl von hundert Stück Großvieh. Der Wert des gestohlenen Gutes wird auf rund 80 000 DM geschätzt. Das Urteil gegen den Bandenchef Wilhelm W. aus Lichtendorf lautet: wegen Bandendiebstahls in 45 Fällen, wegen versuchten schweren Diebstahls in drei, und einfachen Diebstahls in fünf Fällen sowie wegen Beihilfe zur Untreue und zum Meineid zu zehn Jahren Zuchthaus, zehn Jahren Ehrverlust und Polizeiaufsicht. Bergmann Heinrich Br. aus Sölde, wurde als Rückfalldieb wegen Bandendiebstahls in 17 Fällen zu sieben Jahren Zuchthaus und Polizeiaufsicht verurteilt. Und sonst wurden folgende Zuchthausstrafen verhängt: Großhändler Friedrich M. aus Hörde siebeneinhalb Jahre, Metzgermeister Gerhard H. aus Brünninghausen und Metzgermeister Clemens Z. aus Berghofen zu fünfeinhalb Jahren. Metzgermeister Albert Sch. aus Lichtendorf, Schmied Wilhelm Sch. aus Hörde und Dreher Wilhelm F. aus Ergste je dreieinhalb Jahre, Metzgermeister Josef H. aus Barop und Metzgermeister Karl K. aus Witten je zweieinhalb Jahre, Arbeiter Bernhard Schw. aus Lichtendorf und Heimwerker Wilhelm D. aus Barop zwei Jahre.

Gefängnisstrafen erhielten Schlosser Heinrich H. aus Sölde drei Monate, Hedwig H. aus Holzwickede und Käthe W. aus Lichtendorf je vier Monate, Landwirt Hans P. aus Stockum vier Monate, Kranführer Albert B. aus Berghofen eineinhalb Jahre, Lagerarbeiter Paul W. und Landwirt Werner C. aus Lichtendorf je zwei Jahre. Die Angeklagten Karl K. aus Hengsen, Walzer Emil R. aus Schwerte, Ewald Schw. aus Ergste, Willi A. aus Lichtendorf und Phillip St. aus Dortmund wurden freigesprochen. Gegen den Angeklagten Ernst B. aus Hörde wurde auf Grund der Amnestie das Verfahren eingestellt.

Der Vorsitzende wies in der Urteilsbegründung noch einmal auf die Maßlosigkeit der Straftaten hin. Zunächst habe sich die Bande nur auf die Umgebung von Lichtendorf beschränkt. Später mit Kraftfahrzeugen ausgerüstet, sei man immer weiter vorgestoßen, und es sei den kriminellen Elementen auch bald gelungen, mit Fachleuten Verbindung aufzunehmen, die in den Augen ihrer Mitmenschen als ehrbare Gewerbetreibende gegolten hätten. Nur deshalb habe sich die Tätigkeit der Bande auf einen längeren Zeitraum ausdehnen können. Keiner sei von W. zum Mitmachen gezwungen worden.

Als der Vorsitzende erklärte, W. hätte lediglich versucht, seinen Schwager Schw. und dessen Ehefrau zu entlasten, sprang Sch. plötzlich auf und schlug mit beiden Fäusten auf den vor ihm sitzenden Angeklagten Wilhelm F. ein, der ihn als Einziger während der Verhandlung belastet hatte. Nur mit Mühe konnte der Tobende von der Polizei überwältigt und abgeführt werden. Nachdem dieser Zwischenfall beigelegt worden war, betonte der Vorsitzende, W. sei in diesem Verfahren nicht einer falschen Bezichtigung überführt worden, obwohl er einige Mitbeteiligte verschwiegen habe. Im Übrigen bestehe auch weiterhin der Verdacht, dass der Einbruch in das Lager der deutschen Wollverwertung fingiert worden ist.

W. sagt in seinem Schlusswort: „Ich habe nicht aus ehrlosen Motiven gehandelt, nur die Missgunst der Verhältnisse nach dem Kriege hat mich zu meinen Taten veranlasst. Durch die Vielzahl meiner Verbrechen habe ich das Recht auf Gnade verwirkt. Ich unterwerfe mich deshalb dem Spruch des Gerichts. Für die Mitangeklagten Albert B., Emil R. und meine Frau bitte ich um Freispruch; für Ewald Sch. und Frau H. bitte ich um Freispruch wegen erwiesener Unschuld; für die übrigen Angeklagten bitte ich um Milde“. Die Haltung des Chefs hatte auf den Angeklagten Z. offenbar wenig Eindruck gemacht, denn er belastete den Angeklagten F., um sich dadurch selbst zu entlasten. F. dagegen bat das Gericht, die Strafe so zu bemessen, damit seine Ehe nicht zerbreche. Ihm die Rückkehr ins bürgerliche Leben nicht zu erschweren, bat H. , Heinrich Br. sagte: „Ich weiß, dass ich mich schwer vergangen habe, ich bitte aber, noch einmal Milde walten zu lassen“. Soweit die letzten Worte der Angeklagten, bevor der Urteilsspruch verkündet wurde.

Das Haupturteil hatten wir bereits am Mittwoch auf der Provinzseite veröffentlicht.

 

Schwerter Zeitung, 18. 07. 1963

Lichtendorf-Geisecke. Interessantes Leben und Treiben entwickelte sich, wie wir bereits gestern berichteten, beim Vogelschießen des Bürgerschützenvereins Lichtendorf-Geisecke auf der Hohenschwertschen Wiese, unmittelbar hinter der Schwerter Stadtgrenze. Unter den zahlreichen Gästen, die bis zum entscheidenden Schuss verharrten, waren auch Schützenkönig Wilhelm (Möller) und Ex-Majestät Hugo (Heidemann) vom Bürgerschützenverein Schwerte zu beobachten. Der schöngelegene Wiesengrund ist durch eine Baumgruppe umrahmt. An dieser Stätte ging Hermann Spaemann (Geisecke) als der königliche Würdenträger in die Chronik des vereinigten Schützenreiches Lichtendorf-Geisecke ein.

 

Westfälische Rundschau, 30. 12. 1974

100 000 DM Schaden bei Reifenlagerbrand

120 Feuerwehrmänner bekämpften Großbrand mit Wasserkanonen

Geisecke. Rund 100 000 DM Schaden forderte nach ersten vorläufigen Schätzungen gestern der Brand eines Reifenlagers an der Bahnhofstraße in Geisecke. Personen wurden bei dem Großfeuer glücklicherweise nicht verletzt. Die Schadensursache ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch unklar. Es wird jedoch vermutet, dass ein Ofen einer Lagerbaracke Brandursache sein könnte.

Brandstiftung wird von zuständiger Seite mit ziemlicher Sicherheit ausgeschlossen. Ein Brandsachverständiger, der von der Kriminalpolizei hinzugezogen wurde, soll die Angelegenheit klären.

Über 120 Feuerwehrleute der Wehren Schwerte sowie der gesamten Westhofener Amtsfeuerwehr waren unter der Leitung von Kreisbrandmeister Helmut Nockemann, Amtsbrandmeister Friedel Böhmer und Stadtbrandmeister Hans Michalke mehrere Stunden im Einsatz, um das Feuer unter Kontrolle zu bringen. Im Wesentlichen mussten sich die Männer darauf beschränken, das Übergreifen des Feuers auf benachbarte Häuser zu verhindern.

Mit drei Wasserkanonen, schweren Atemschutzgeräten und über 20 Löschfahrzeugen rückten die Wehrleute dem Brand, dessen dichte, beißende Qualmwolke mehrere Kilometer weit sichtbar war, zu Leibe. Nach etwa vier Stunden konnte das Gros der Feuerwehrmänner bis auf eine Brandwache abrücken.

Abgesehen von dem Wert einer großen Reifenmenge, die durch das Feuer vernichtet wurde, richtete der dichte Brandqualm an einem Teil der umliegenden Häuser beträchtlichen Schaden an.

 

Stadtanzeiger Olpe, 23. 06. 1988

Nach 32 Jahren geht Albert Weiberg in Rente

Pionier der Stunde Null

Welschen Ennest. Albert Weiberg, der dienstälteste Schulrektor des Kreises Olpe geht nach 32 Jahren Schuldienst am 5. Juli in Pension. Der Stadtanzeiger besuchte den Leiter der Grundschule „St. Johannes“ von Welschen Ennest in seinem schönen Heinsberger Haus und unterhielt sich mit ihm über die zurückliegenden Jahre.

 „Nach Reichsarbeitsdienst, Krieg und Gefangenschaft trat ich am 1. Oktober 1945 meine erste Stelle als außerplanmäßiger Lehrer in Geisecke an der Ruhr an“, erinnert sich Albert Weiberg. Damals, zur Stunde Null, war Albert Weiberg als einziger Lehrer der Schule mit 72 Kindern auf sich allein gestellt und musste viel improvisieren, denn Schulbücher gab es so kurz nach dem Krieg noch nicht. „Auch“, so erzählt Albert Weiberg, „kamen die Kinder zum größten Teil barfuß zur Schule, mit Hunger im Magen, der erst allmählich durch die Schulspeisung etwas weniger wurde“.

1950 macht Albert Weiberg sein zweites Staatsexamen und lies sich im Jahre 1953, auch seiner Frau zuliebe, die aus Drolshagen stammt, in den Kreis Olpe versetzen. Dort übernahm er die Schule in Lüdringhausen bei Olpe und wechselte ein Jahr später als Schulleiter nach Lichtringhausen bei Attendorn, wo er zwei Jahre blieb. 1956 bot sich Albert Weiberg die Chance als Hauptlehrer an die Volksschule nach Heinsberg zu wechseln, die er wahrnahm.

In Heinsberg ließ er sich häuslich nieder und knüpfte schnell Kontakte zur Bevölkerung und den Vereinen. Als ihn die Sänger des MGV „Concordia“ baten, die Chorleiterstelle zu übernehmen, tat er dies mit ganzen Herzen. 13 Jahre leitete er den Chor und spielte in dieser Zeit die Orgel in der Heinsberger Kirche.

Bis zur kommunalen Neugliederung war Albert Weiberg der Standesbeamte im Dorf. Zusammen mit seiner Gattin empfing er die Brautpaare im Wohnzimmer seines Hauses, wo er die Trauung vornahm. „In sieben Jahren waren es 42 Paare, die ich in meinem Haus getraut habe“, erzählt Albert Weiberg. Dabei gab es kein Dienstschluss, denn viele Paare kamen auch abends zu den Weibergs, um ihr Aufgebot zu bestellen.

Nur schweren Herzens nahm Albert Weiberg 1970 Abschied von der Heinsberger Volksschule, die nach der Fertigstellung der Hauptschule in Kirchhunden nur noch als Volksschule fungierte und Albert Weiberg als Hauptlehrer nicht mehr genügend Arbeit bot. So kam er 1970 als Schulleiter an die alte Volksschule und heutige Grundschule in Welschen Ennest, von der jetzt Abschied nimmt.

Ein erstes Problem stellte sich dem neuen Schullehrer mit der Organisation des Schülerfahrverkehrs, denn bedingt durch den großen Einzugsbezirk mit Rahrbach, Kruberg, Benlope, Arnoldihof und Einsiedelei brauchten die Kinder in jeder Pause einen Bus.

Mit der Unterstützung seitens des Schulträgers, der Gemeinde Kirchhunden, ist Albert Weiberg sehr zufrieden. „Nach der Gründung der Großgemeinde Kirchhunden ist für meine Schule in Welschen Ennest immer sehr viel getan worden und dafür kann ich mich nur bedanken“. Weibergs Dank gilt aber auch der Elternschaft und insbesondere dem Förderverein der Grundschule, der immer ein offenes Ohr für die Belange der Schule gehabt hat.