Die ersten Jahre in der Vereinsgeschichte des Geisecker Sportvereins

Als Beitrag zur Geschichte des SV Geisecke gebe ich hier den Origanltext aus der Festschrift von 1976 zum 50jährigen Vereinsjubiläum wieder. Der Verfasser wird nicht genannt. 

Geisecker Sportverein

Anno 1926

An einem frühsommerlichen Maiabend des Jahres 1926 trafen 24 sportbegeisterte junge Männer zu einem Gespräch zusammen.

Sie konnten nicht ahnen, dass sie an diesem Abend den Grundstein legten zu einer sportlichen Idee und Tradition, auf deren 50jährige Geschichte wir heute zurückblicken möchten.

Am 8. Mai 1926 wurde dann in der Gründungsversammlung der „Geisecker Sportverein 1926“ ins Leben gerufen.

Als erstes Vereins- und Umkleidelokal wurde das Restaurant zum Wellenbad (Inhaber Hugo Stamm) gewählt.

Die ersten sportlichen Schritte wurden auf dem an der Ruhr liegenden Sportplatz getan.

Nach der Anmeldung und Verbandszugehörigkeit konnte schon in der Saison 1926/27 der Meisterschaftsbetrieb mit zwei Mannschaften aufgenommen werden.

Mitglieder des SV Geisecke um 1927
Mitglieder des SV Geisecke um 1927

Das Vereinslokal wurde nach Pächterwechsel verlegt. Neues Sportdomizil wurde die Wirtschaft Schulte-Höppe [später Westerhoff]. Die Sportplatzfrage wurde durch Bereitstellung einer Wiese durch den Vereinswirt geklärt. Dieser Sportplatz und das Vereinslokal wurden bis 1941 beibehalten. Der Sportplatz wurde im ganzen Kreis als „Bergaufkampfbahn“ bekannt. Wegen seiner Hanglage ging er in die Vereinsgeschichte ein.

Die Mannschaften hatten einen guten Start und die Spielstärke war bei allen Nachbarn gefürchtet. Sportliche Erfolge blieben nicht aus.

Bei Staffelläufen konnten die Fußballer gute Platzierungen und große Siege erringen, unvergesslich der Fußballpokalsieg 1928 in Wandhofen, der für alle älteren Mitglieder in bester Erinnerung bleibt.

In der Vorrunde wurde der SC Hennen mit 3:1 ausgeschaltet und im Endspiel ein 1:1 gegen Union Schwerte erreicht. Im Wiederholungsspiel konnte dann nach einem 4:2 Sieg der Pokal errungen werde.

1927 wurde der Jugendspielbetrieb aufgenommen, bei schwankenden Einwohnerzahlen der Gemeinde von 650 – 700 Einwohnern, musste natürlich auch auf auswärtige Spieler zurückgegriffen werden. Dieser Umstand und die allgemeine Krisenzeit mit Arbeitslosigkeit und Geldmangel bewirkten, dass 1931 der Spielbetrieb eingestellt werden musste, Der Verein ruhte, und wurde 1934/35 durch alte Mitglieder zu neuem Leben erweckt.

Der Spielbetrieb wurde mit vier Mannschaften wieder aufgenommen. Mit wechselnden Erfolgen konnte bis zum Jahre 1941 das Vereinsschiff wieder flott gemacht werden. Als dann durch Einberufungen zur Wehrmacht kaum noch Spieler vorhanden waren, musste der Verein zum zweiten Mal in der Vereinsgeschichte sich als ruhend erklären. Nach dieser, für alle die traurigste Zeit, verzeichnete der Vereinschronist, dass 30 Mitglieder im 2. Weltkrieg gefallen waren.

Dieser Aderlass und die schlechten Zeiten konnten nicht verhindern, dass sich schon im September 1945, getragen durch die Kameradschaft und unbändigen Sportsgeist 39 Mitglieder trafen und in einer Versammlung am 15. 10. einen neuen Vorstand wählten. Als Sportplatz wurde die Baggerkuhle gewählt und als Vereinslokal Fritz Bährensmann.

Am 31. 10. 1945 wurde durch den Amtsbürgermeister grünes Licht für den Sportbetrieb gegeben und eine vorläufige Genehmigung erteilt. Schwierigkeiten mit der britischen Besatzungsmacht und Mangel an Sportkleidung ließen nur eine zögernde Entwicklung zu.

In mühevoller Arbeit wurde in Selbsthilfe der Sportplatz Baggerkuhle errichtet. Nach Beseitigung der ersten Schwierigkeiten kam das Vereinsleben und der Spielbetrieb langsam in Schwung. Einen lebhaften Auftrieb gab es, als am 18. 11. 46 mit Gründung der Damenhandballmannschaft ein neuer Impuls gesetzt und Neuland betreten wurde.

Josef Schulte-Göppe mit Kameraden
Josef Schulte-Göppe mit Kameraden

Diese erfreuliche Entwicklung und Begeisterung hielt an, bis mit der Zurückziehung dieser Damenmannschaft 1949 ein erster Rückschlag zu verzeichnen war.

Die erste Pokalwoche anlässlich des 25jährigen war noch ein Glanzpunkt in der Vereinsgeschichte, um dann langsam Resignation und Müdigkeit Platz zu machen. Der Abstieg zur 2. Kreisklasse 1953 war eine logische Folge dieser Entwicklung. Schwere Krisen erschütterten den Verein. Ohne Vorsitzenden, ohne Jugend- und Reservemannschaft, mit nur 12 aktiven Sportlern, glitt der Verein in die Bedeutungslosigkeit ab.

Aber wie immer in gefahrvollen Zeiten fand sich auch hier ein Mann, der mit Unterstützung von einigen Mitarbeitern, in planmäßiger und zäher Aufbauarbeit dem Verein wieder zu altem Glanz verhalf. Auch Rückschläge ließen sie nicht verdrießen.

1962 Wiederaufstieg in die 1. Kreisklasse und Kreismeister der 2. Kreisklasse, im gleichen Jahr Pokalsieger mit einem 2:0 über VfB Westhofen anlässlich der Pokalwoche in Hennen, waren Bestätigung der sich abzeichnenden Aufwärtsentwicklung. Auch die planvolle Jugendarbeit zahlte sich aus. 1964/65 wurde die A-Jugend Kreismeister und setzte ein weiteres Mosaiksteinchen im Erfolgsbild.

Die Mannschaft von 1962
Die Mannschaft von 1962

Als bedeutendes und einmaliges, man kann sagen für den Verein beispielloses und mutiges Unternehmen, war die Studienfahrt und Sportbegegnung Berlin im Jahre 1964. Zu diesem Zeitpunkt waren es die Geisecker Sportler, die hier bahnbrechend wirkten und als erster Verein aus dem heimischen Raum diese Fahrt unternahm.

Das 40jährige Vereinsjubiläum reihte sich als weiterer Meilenstein in die Geschichte ein. Eine Woche war die Baggerkuhle Kampfplatz um Pokalehren. In kameradschaftlicher Verbundenheit hatten alle Nachbarvereine zugesagt. Auch die befreundeten Fußballer des TuS Wellen (Waldeck) kämpften mit. Die Abschlussfeier bei Sievert in Lichtendorf war ein würdiger Schlusspunkt.

Hier, so wie bei anderen Gelegenheiten, wurde allen Mitgliedern deutlich, dass fehlende Räumlichkeiten und Vereinslokale in der Gemeinde, sich hemmend auf das Vereinsleben auswirkten. Der Wunsch nach einem Jugendheim wurde lauter und an die schon seit Jahren bestehenden Sportplatzwünsche angehängt.

Im Jahre 1969 gab der Verein Sportfreunden aus Dortmund-Wickede eine Heimstatt und reihte sie als 3. Mannschaft in den Spielbetrieb ein. Vier Jahre lang waren sie aktiver Bestandteil um sich dann 1972/73 unter dem Namen BSV Rot-Weiß Wickede selbstständig zu machen. Mit den besten Wünschen entlassen, sind sie inzwischen im Fußballkreis Dortmund voll integriert.

So erfreut man in diesem Fall war, so betrübt war man in Geisecker Sportkreisen über mangelnde Ausdauer und Sportbegeisterung der im Jahre 1971 gegründeten italienischen Mannschaft. Der Entschluss im Verein eine 4., eine italienische Mannschaft spielen zu lassen, war mehr als nur eine sportliche Entscheidung. Der Verein betrat gesellschaftspolitisches Neuland.

Leider zeigte die Mentalität der italienischen Sportsfreunde, verbunden mit finanziellen und familiären Problemen, nicht die im Verein gewünschten und erhofften Erfolge. Nach zweimaligem Versuch wurde diese Akte 1974/75 endgültig geschlossen.

Sportlich war nach zehnjähriger Zugehörigkeit zur 1. Kreisklasse 1972 ein Abstieg in die 2. Kreisklasse nicht aufzuhalten. Unbändiger Kampfgeist, gepaart mit guter Kameradschaft, die im Verein übrigens immer oberstes Gebot war, waren Garant für den Wiederaufstieg im nächsten Jahr 1973.

Aber auch Geselligkeit und Frohsinn ist in den Jahren nie zu kurz gekommen. Angefangen mit dem einjährigen Stiftungsfest mit attraktiven Gegnern, Staffelläufen durch die Gemeinde und Theateraufführungen, bis hin zu den jährlich veranstalteten Dorfabenden auf dem Hof des langjährigen 1. Vorsitzenden und heutigen Ehrenpräsidenten Josef Schulte-Göppe, dem hierfür unser besonderer Dank gebührt. Diese Dorfabende trugen nicht unwesentlich zu hervorragenden Kontakten zwischen Alt- und Neubürgern bei und sind somit Bestandteil des dörflichen Lebens geworden.

Dieser Bericht kann nicht geschlossen werden, ohne auf das seit 1963 bestehende Sportplatzproblem einzugehen. Ausgelöst durch die Nachricht der Sportplatz Baggerkuhle wird Industrie, begann eine rege Aktivität des Vorstandes.

Eingaben, Gespräche und Sitzungen mit Gemeinde und Amt, waren beredtes Zeichen hierfür. Hier wurden die Weichen gestellt für einen neuen Sportplatz. Dass die Fertigstellung ausgerechnet im Jubiläumsjahr geschah und so Bestandteil unserer Feierlichkeiten sein kann, erfüllt alle Sportsfreunde mit großer Freude. Dank an dieser Stelle, vor allem der früheren Gemeindevertretung, den zuständigen Herren des Amtes und dem jetzigen Rat der Stadt Schwerte, die es ermöglichten, mithilfe der neuen Sportanlage, hoffend auf sportliche Entwicklung und Erfolge in einen neuen Zeitabschnitt in der Vereinsgeschichte zu gehen, zum Wohle unserer Sportjugend und unserem Verein.

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Die Reihe der Vorsitzenden von 1926 bis 1975

1926 – 1927  Adolf Wachholz

1927 – 1928  Josef Torzewski

1928 – 1929  Fritz Hinkelmann

1929 – 1931  Fritz Rüsse

1934 – 1938  Karl Kipp

1938 – 1941  Gustav Kuhlmann

1945            Josef Schulte-Göppe

1946            Johann Mellentin

1946 – 1948  Walter Buse

1948 – 1950  Walter Breer

1950 – 1952  Walter Buse

1952 – 1953  Hermann Spaemann

1953 – 1954  Ignatz Brüggemann

1954 – 1961  Fritz Lategahn

1961 – 1975  Josef Schulte-Göppe

1975    Präsidium: Lothar Heide, Klaus Hermann,

           Fritz Schreiber, Hubert Weber

 

Das erste Protokollbuch des SV Geisecke
SV Geisecke.pdf
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